Nicht nur die amerikanische Zentralbank versucht, die Folgen der Pandemie mit allen Mitteln zu bekämpfen. Die US-Regierung hat ein Konjunkturpaket von rund 2 Billionen Dollar beschlossen – es sei das grösste der amerikanischen Nachkriegsgeschichte.

Eine Idee dabei: Um den Wirtschaftsmotor wieder anzukurbeln, erhalten viele amerikanische Steuerzahler eine direkte Auszahlung – 1200 Dollar pro Person plus 500 Dollar pro Kind. Zudem sieht das Paket eine Ausweitung der Arbeitslosenversicherung vor; der Gesundheitssektor und besonders vom Coronavirus betroffene Bundesstaaten erhalten zusätzliche Milliardenbeträge. Kleinere und mittlere Unternehmen bekommen Kredite von rund 350 Milliarden Dollar, weitere 500 Milliarden Dollar für Notkredite stehen bereit.

Rezession meets Naturkatastrophe

Ob die Massnahmen die bevorstehende Rezession wirklich abfedern, wird sich wohl erst in einigen Monaten zeigen. Die Interventionen der Notenbank jedenfalls konnten die Märkte bisher nicht beruhigen. Kein Wunder, denn nach Ansicht vieler Ökonomen ist der Spielraum der Geldpolitik ausgeschöpft.

Einer dieser Skeptiker ist Paul Krugman, Wirtschaftsnobelpreisträger und Ökonomie-Professor an der Universität New York. Die jetzige Krise sei eine Mischung aus wirtschaftlicher Rezession und Naturkatastrophe; dies müssten die Regierungen berücksichtigen. Vor allem dürften sie sich nicht auf die Unterstützung von Unternehmen beschränken.

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In einem Tweet kritisiert Krugman unter anderem, dass die Massnahmen der Regierung zu schnell kämen: «Das ist nicht 2008, als Geld in die Finanzinstitute gepumpt werden musste, um einen unmittelbaren Zusammenbruch zu vermeiden. Konjunkturbelebung ist notwendig, aber es ist noch Zeit, es richtig zu machen.»

So etwas wie die Corona-Krise sei absehbar gewesen: Zwar nicht unbedingt in Form einer Pandemie – aber dass es früher oder später zum ökonomischen Schock kommt, dem die konventionelle Geldpolitik nichts entgegenzusetzen hat, war klar.

«That’s terrible, right?»

Und jetzt? Krugman schlägt eine langfristige Politik vor, um sich auch gegen künftige Krisen zu wappnen. 

Konkret heisst das: Die USA sollen dauerhaft 2 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) zusätzlich investieren, und zwar in Infrastruktur, Forschung und Entwicklung sowie Bildung und Kindeswohl. Dies gelte nicht nur für Amerika, sondern auch für andere Industrienationen.

Im Fall der USA wären das 400 Milliarden Dollar im Jahr. Diese öffentlichen Ausgaben wären natürlich nur durch neue Schulden zu finanzieren. Doch selbst wenn die Staatsverschuldung bis auf 200 Prozent des BIP steigt, was soll’s, sagt Krugman: «That’s terrible, right? Um, why?» 

Japan macht es vor: Das Land ist seit Jahren mit weit über 200 Prozent seiner Wirtschaftsleistung verschuldet, aber Japan hat keine Schuldenkrise. Ohnehin sieht Krugman keine Gefahr einer Schuldenkrise, trotz dem rekordhohen globalen Schuldenberg – allein die Staatsverschuldung beträgt rund 90 Prozent der Welt-BIP.

Kann Japan wirklich als Vorbild dienen? Seit Mitte der neunziger Jahre verfolgt das Land diese Politik: Es kämpfte jahrelang mit Deflation und einem extrem niedrigen Wirtschaftswachstum – von durchschnittlich 0,4 Prozent pro Jahr seit 1995. Die Zinsen sind seither praktisch bei null. Die Regierung versucht die Stagnation mit Konjunkturprogrammen zu bekämpfen.

Das niedrige Wachstum führt Krugman allerdings vor allem auf den demografischen Wandel zurück, denn in Japan schrumpft der Anteil der Menschen im Erwerbsalter rasant – stärker als in anderen Ländern. 

Musterbeispiel Japan

Und so habe das Land eine dauerhaft niedrige Arbeitslosigkeit – auch dank seinen Konjunkturprogrammen. Selbst nach der Weltfinanzkrise war sie nicht stark gestiegen. Anders in den USA und Europa: Nach 2008 hatten einige Länder mit sehr hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Und in der Corona-Krise könnten nun wieder sehr viele Menschen ihre Jobs verlieren. 

Für den Ökonomen Krugman ist Japan daher alles andere als ein abschreckendes Beispiel – ja fast schon ein Vorbild.