In den kommenden Jahren wird die Schweiz von einer Pensionierungswelle überrollt: Wenn die Generation der Babyboomer – die Jahrgänge 1941 bis 1974 – in Rente geht, kommen jährlich über 100'000 neue Rentner hinzu – bisher sind es mit zwischen 70'000 und 90'000 pro Jahr deutlich weniger.

Laut einer Studie der Credit Suisse werden in den nächsten zehn Jahren rund 1,1 Millionen Menschen pensioniert. Doch diese Lücke werde nicht ausreichend geschlossen, da weniger junge Erwerbstätige nachrücken. Bereits in zwei Jahren werden mehr Menschen in den Ruhestand gehen, als 20-Jährige in den Arbeitsmarkt einsteigen.

Die Folge: Der Fachkräftemangel verschärft sich. Besonders gravierend werde die Entwicklung im Gesundheitswesen sowie in der Landwirtschaft, ferner in weiteren sozialen und administrativen Diensten.

Unternehmen können Fachkräftemangel entgegenwirken

Unternehmen könnten etwas gegen das Problem tun. Etwa ältere Arbeitnehmende über das Rentenalter hinaus zu beschäftigen. Wie die alternde Bevölkerung den Wohlstand bedroht, hat kürzlich auch die Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) unter die Lupe genommen. Dabei appellierte die Industriestaaten-Organisation vor allem auch an Arbeitgeber, ältere Arbeitnehmende besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren. 

Dieses Potenzial liege brach, stellte die Credit Suisse bereits vor rund einem Jahr fest: Die sogenannten «stillen Reserven» aus Frauen und Senioren bezifferte die Bank damals auf 270'000 Personen.  

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Rezessionsängste in der Schweiz übertrieben

Gleichzeitig geben die CS-Ökonomen einen Ausblick auf die derzeitige Entwicklung. Die Angst vor einer Rezession gehe zwar auch in der Schweiz um – diese sei allerdings übertrieben. Dennoch senkt die Bank ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum von bisher 1,5 auf 1,1 Prozent. Im kommenden Jahren gehen die Experten davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,4 Prozent steigen wird. 

Der Grund: Die Schwäche der Industrie, so liegt der Einkaufmangerindex (PMI) seit fast einem halben Jahr unterhalb der Wachstumsschwelle. Denn die Nachfrage aus dem Ausland stagniert aufgrund der konjunkturellen Abschwächung in den wichtigsten Exportländern. 

Davon sei zwar vor allem die Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM) betroffen, doch dies wirke sich nur begrenzt auf die Gesamtwirtschaft aus. Denn zwei Drittel des Schweizer Exportvolumens, bestehe aus Konsumgütern, räumen die CS-Ökonomen ein. Und diese wiederum profitieren vom starken globalen Konsum. 

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Konsum und Niedrigzinsen verhindern Rezession

Dass die hiesige Wirtschaft nicht in die Rezession rutscht, sei vor allem dem stabilen Konsum und den tiefen Zinsen zu verdanken, welche die Investitionen in Bauprojekte weiter antreiben. 

Kritisch würde es erst, wenn die Konjunkturschwäche auch die Dienstleistungen erfasst, doch «eine ausgewachsene Rezession, die auch den Dienstleistungssektor erfasst, ist trotz der Schwäche in zahlreichen Industriebranchen wenig wahrscheinlich», sagt Oliver Adler, CS-Chefökonom für die Schweiz.