Mit einem weiteren Riesenschritt hat die US-Notenbank Federal Reserve auf die galoppierende Inflation in den Vereinigten Staaten reagiert. Der Zinssatz wurde um 75 Basispunkte auf eine Spanne von 3,0 bis 3,25 Prozent erhöht, wie die Fed am Mittwoch nach ihrer Zinssitzung in Washington bekannt gab.

Diese nächste kräftige Zinserhöhung hat die Anleger an der Wall Street am Mittwoch letztlich verschreckt. Nach einem Auf und Ab der Kurse nach der Zinsanhebung büsste der Dow Jones Industrial am Ende 1,70 Prozent ein. Im späten Handel nahm der Verkaufsdruck immer mehr zu, der Leitindex fiel auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Monaten.

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Angst vor Rezession und Arbeitslosigkeit

Mit der strengen Geldpolitik wächst das Risiko, dass die Zentralbank die Wirtschaft bald so stark ausbremsen könnte, dass Arbeitsmarkt und Konjunktur abgewürgt werden. Der marktbreite S&P 500 fiel um 1,71 Prozent. Der Technologiewerte-Index Nasdaq 100 verlor 1,80 Prozent.

Der Ausverkauf ging am Donnerstag Morgen in Europa weiter: Der SMI startete rund 1,5 Prozent tiefer, der Dax gab um 1,8 Prozent nach. Kurz darauf erholten sich die europäischen Kurse aber wieder. Bis am späten Vormittag stand der SMI bereits wieder im Plus.

Nach der neuerlichen Zinserhöhung sei die Geldpolitik der Fed nicht mehr neutral, sondern konjunkturdämpfend, schrieb Volkswirt Michael Heise vom Vermögensverwalter HQ Trust.

Die Notenbank werde auch eine milde Rezession und einen gewissen Anstieg der Arbeitslosigkeit in Kauf nehmen, um so die hohe Inflation einzudämmen. Ökonom Michael Pearce von Capital Economics merkte an, die Fed habe weitere Zinserhöhungen im November und Dezember signalisiert.

US-Rüstungsaktien vorübergehend gefragt

Bei den Einzelwerten profitierten General Mills von höheren Zielen des Lebensmittelkonzerns für das laufende Jahr. Der Kurs zog um fast sechs Prozent an auf ein Rekordniveau. In seinem Fahrwasser verteuerten sich auch die Papiere anderer grosser Nahrungsmittelhersteller wie Kraft Heinz .

Nach der Teilmobilmachung der russischen Streitkräfte im Krieg mit der Ukraine waren US-Rüstungsaktien vorübergehend gefragt. Papiere von General Dynamics , Lockheed Martin , Northrop Grumman und Raytheon Technologies stiegen zunächst um bis zu drei Prozent. Mit dem fallenden Gesamtmarkt gaben sie die Gewinne aber wieder ab.

Aktien von Sotera Health sackten dagegen um weitere fast elf Prozent ab. Sie waren in den vergangenen beiden Tagen bereits um über 40 Prozent eingebrochen. Der Dienstleister für die Gesundheits- und Pharmabranche unterlag in einem Rechtsstreit um mögliche krebserregende Emissionen aus einer seiner Einrichtungen. Der Konzern, der den Betroffenen rund 345 Millionen Dollar zahlen muss, ging in Berufung.

Euro fällt auf tiefsten Stand zum Franken

Der Euro geriet nach der Zinserhöhung in den USA unter Druck und fiel auf den tiefsten Stand seit rund 20 Jahren. Zuletzt kostete der Euro 0,9841 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 0,9986 (Montag: 0,9990) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 1,0014 (1,0010) Euro gekostet.

Die Gemeinschaftswährung fiel nach dem Entscheid gegenüber dem Schweizer Franken auf ein neues Rekordtief von 0,95125 Franken.

Am US-Anleihenmarkt legten die Notierungen nach der Zinserhöhung zu. Der Terminkontrakt für zehnjährige Treasuries (T-Note-Future) stieg um 0,18 Prozent auf 114,05 Punkte. Die Rendite für richtungsweisende Papiere mit zehn Jahren Laufzeit sank auf 3,51 Prozent, nachdem sie im frühen Handel auf den höchsten Stand seit 2011 gestiegen war.

(reuters/sda/ink/gku)