Handelszeitung Online: Wann sind Sie zum Entschluss gekommen, dass Sie als Konzernchef der Basler Kantonalbank zurücktreten müssen?
Rudolf Matter: Mein Entschluss, als CEO die Verantwortung für die Ereignisse rund um die ASE Investment AG zu übernehmen, ist über die letzten Wochen gereift. Ich setze an mich die gleich hohen Ansprüche wie an die Mitarbeitenden. Für mich war deshalb klar: Auch wenn ich keine direkte Schuld trage, bin ich als Chef dennoch verantwortlich.

Betrachten Sie sich in dieser Affäre als «Bauernopfer»?
Nein, ich bin kein Opfer. Als Chef bin ich der oberste Verantwortliche für das operative Geschäft dieser Bank. Das Verhalten der ASE hat mich erschüttert, einzelne Mitarbeiter unserer Zürcher Niederlassung haben ihr stark vertraut und Warnsignale überfahren. Wenn es um Dimensionen wie im vorliegenden Fall geht, bin ich als oberster operativer Chef dafür verantwortlich.

Es gibt Stimmen, die in Ihrem Rücktritt auch das Eingeständnis erkennen möchten, dass die Strategie der Bank gescheitert ist. Wird die Basler Kantonalbank die Filialen in Zürich und das Ziel im Investmentbanking Fuss zu fassen, jetzt fallen lassen?
Nein, man sollte die Diensionen wahren. Auch wenn der vorliegende Fall äussert unerfreulich ist, so war er vom Volumen her klein. Die in den letzten Jahren mit ASE erzielten Erträge belaufen sich auf weniger als 1 Prozent der Gesamterträge.

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Wurden Sie im Vorfeld von einer Seite - konkret von der Finanzmarktaufsicht (Finma) - zum Rücktritt gedrängt?
Ich habe meinen Entscheid zum Rücktritt vor mir selbst gefällt.

Mit Ihrem Rücktritt ist der Fall ASE Investment AG für die Basler Kantonalbank aber noch lange nicht ausgestanden. Wie will die Basler Kantonalbank verhindern, dass das Finanzinstitut in Zukunft wieder in die Falle eines mutmasslichen Betrügers tappt?
Wir haben umfassend Remedur geschaffen und bereits im Rahmen der Neuausrichtung unseres Private Banking Geschäfts ab 2011 umfangreiche Massnahmen getroffen. Für externe Vermögensverwalter (EVV) führten wir ein verschärftes Aufnahme- und Prüfverfahren ein. Dies hatte zur Folge, dass sich die Bank inzwischen von mehreren EVV trennte. Im Branchenvergleich setzte die BKB die strengsten Auflagen für die Zusammenarbeit mit EVV um. Das Vergütungssystem des Private Banking Zürich wurde neu geordnet und mit demjenigen der Gesamtbank vereinheitlicht. Die Leitung des Private Banking Zürich wurde mit René Bürgisser, einem ausgewiesenen Bankfachmann, neu besetzt.

Und wie wird sich die BKB gegenüber dem Geschäftsführer der ASE verhalten - fassen Sie eine Schadenersatzklage gegen ihn ins Auge?
Die Finma hat ein Verwaltungsverfahren eröffnet. Die BKB hat umgehend nach einem Kundenhinweis im März Strafanzeige gegen die ASE eingereicht, was die laufenden Strafuntersuchung gegen die Verantwortlichen der ASE auslöste. Herr Schlegel sitzt unseres Wissens derzeit in Untersuchungshaft.

Die ASE Investment war bereits in der Vergangenheit auffällig geworden. Liessen Sie sich und die Bank selbst zu sehr durch die Gewinnmöglichkeiten blenden?
Rückblickend habe ich wahrscheinlich zu viel vertraut - vertraut in interne Abklärungen und auch vertraut in Personen. Mir fehlte die Fantasie, mit welch krimineller Energie ein externer Vermögensverwalter arbeiten konnte.

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Inwieweit hat ihr Rücktritt mit einer drohenden Klage gegen die Basler Kantonalbank zu tun?
Wie gesagt: Ich habe den Rücktrittsentscheid vor mir selbst gefällt.

Wie entwickelt sich der Steuerstreit mit den USA: Wurden Bankkundendaten und Daten von Bankmitarbeitern der Basler Kantonalbank in die USA geliefert?
Wir sind in laufendem Kontakt mit den US-Justizbehörden. Die Gespräche stimmen uns zuversichtlich, dass wir eine einvernehmliche Lösung finden werden.

Also droht dem Finanzinstitut keine Anklage durch die US-Behörden?
Wir haben keinerlei Anzeichen für eine bevorstehende Anklage.

Sie treten erst Ende Jahr zurück - warum nicht sofort? Von Aussen entsteht der Anschein, dass der Basler Kantonalbank derzeit ein passender Nachfolger fehlt.
Ich möchte Hand für eine sorgfältige Übergabe der Verantwortung an meinen Nachfolger bieten. In meinem Leben bin ich noch nie vor einer Aufgabe davongerannt. Ich halte mich auch jetzt an diesen Grundsatz.

Wer wird Ihr Nachfolger und wann wird dieser bekanntgegeben?
Der Bankrat wird den Prozess für die Bestimmung eines Nachfolgers einleiten. Ich werde die Führung der Bank bis Ende Jahr an meinen Stellvertreter Guy Lachappelle ad interim bis zum definitiven Entscheid übergeben.

Sehen Sie zudem im Video-Interview: BKB-Bankpräsident Andreas C. Albrecht