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WEF
«Ich bin Air Traffic Controller»

Olivier Schwab, Sohn von WEF-Gründer Klaus Schwab
Olivier Schwab, Sohn von WEF-Gründer Klaus SchwabQuelle: Keystone

Wie der Sohn des WEF-Gründers Klaus Schwab die Forumteilnehmer, die bis zu 600 000 Franken zahlen, bei Laune hält.

Von Stefan Barmettler
am 19.01.2018

Wann haben Sie die Abkürzung WEF in Ihrem Leben erstmals gehört?
Olivier Schwab: Das ist viele Jahre her. In der Primarschule hatte ich früher Schwierigkeiten, meinen Klassenkollegen den Beruf meines Vaters zu erklären (lacht).

Unternehmer, Event-Manager, Prediger?
Unternehmer.Wann haben Sie Davos kennengelernt?
Ich bin buchstäblich eng mit Davos verbunden. Ich bin nämlich dort geboren, und zwar 1973, als das Wirtschaftsforum zum dritten Mal stattfand. Später habe ich Davos kennengelernt, weil das Forum damals noch zwei Wochen dauerte. Heute wäredas nicht denkbar, dass sich eine Führungskraft diese Zeit nehmen könnte.

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Davos war Ferienzeit? Die Eltern waren ja beschäftigt am Forum.
Nein, wir haben für die Schule gelernt. Unsere Eltern haben vorgängig alles mit der Lehrerschaft organisiert. Meine Schwester und ich wurden vom Unterricht zwar dispensiert, aber wir mussten lernen und Hausaufgaben machen, damit wir keinen Schulstoff verpassten.

Hilde Schwab, Ihre Mutter, sagte einst: «Das WEF ist unser Leben.» Auch am Küchentisch?
Wie in jeder Unternehmerfamilie haben wir auch über die Arbeit geredet. Aber es hielt sich im Rahmen. Im Übrigen war da nie Druck, dass meine Schwester oder ich einmal ins Weltwirtschaftsforum einsteigen sollten. Ich habe nach meinem Bauingenieur-Studium an der ETH viele Jahre in den USA gelebt und arbeitete anschliessend acht Jahre bei Schindler und zuvor bei der Beratungsfirma Mercer. Dazwischen habe ich ein paar Startups begleitet. Ich habe mich also vielfältig ausserhalb des Weltwirtschaftsforums entwickelt. Erst 2010 bin ich dazugestossen.

Sie sitzen seit wenigen Monaten in der Geschäftsleitung des WEF. Kommuniziert wurde dieser Schritt kaum. Weshalb diese Zurückhaltung?
Doch, wir haben kommuniziert. Vielleicht ist es Ihnen nicht aufgefallen.

Ihr Aufstieg war nur ein Nebenaspekt bei der Berufung des norwegischen Aussenministers Brende zum WEF-Präsidenten.
Die beiden Personalentscheide – jener von Herrn Brende und mir – sind im Sommer vom Stiftungsrat verabschiedet und ein paar Wochen später gemeinsam kommuniziert worden.

WEF: Die Geschichte des Meetings von Davos

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Quelle: Keystone

Nun sind Sie Head of Business Engagement beim WEF. Sie sollen Ihre 1000 Mitgliederfirmen bei Laune halten?
Meine Verantwortung ist die Akquisition und das Engagement unserer Partner und Mitglieder. In unserem Ökosystem sindtatsächlich zirka 1000 Unternehmen. Das sind vorab grosse Firmen, es sind aber auch Startups darunter oder hochinnovative Firmen. Sie spielen eine führende Rolle bei den grossen Forumthemen.

Was kostet die Mitgliedschaft?
Diese Firmen zahlen zwischen 60 000 und 600 000 Franken, je nach Engagement.

Mit andern Worten: Sie holen das Geld rein, das Ihr Vater dann wieder ausgibt?
So würde ich das nicht sagen (lacht). Aber klar ist, mit den Beiträgen der Firmen finanzieren wir unsere Projekte und Initiativen. Die Mitgliedfirmen ihrerseits engagieren sich bei Themen wie Klimawandel, Gesundheit oder im Dialog mit anderen Firmen. Diese Partnerfirmen sollen einen Impact kreieren.

Und Sie sind der Conferencier?
Ich sehe mich eher als Air Traffic Controller und stelle sicher, dass die Unternehmen in den richtigen Projekten, beim passenden Dialog oder bei jener Veranstaltung dabei sind, die wichtig ist für sie. Dort sollen oder wollen sie sich engagieren.

Strategische Partner gab es vor einem Jahr 120. Heute?
Es sind immer noch 120. Das sind führende Unternehmen; meine Aufgabe ist es, für einen guten Mix, von der Grösse der Unternehmen bis zu Sektor und Region, zu sorgen. Eine der Stärken des Forums ist die globale Organisation. Wir haben Partner nicht nur in Europa, sondern auch in den USA, in Lateinamerika, Afrika oder Asien.

Sie waren vor 30 Jahren erstmals in China, lebten vier Jahre im Land. Wo steht China?
Das Forum ist seit 1980 in China tätig. Die Beziehung zwischen China und dem Forum ist ein langer Weg. Am Anfang wardie Beziehung sehr stark geprägt von Business-to-Business-Kontakten. Wir boten europäischen Firmen die Möglichkeit, mit chinesischen Firmen in Kontakt zu treten. In den 1980er Jahren waren dies vorwiegend Staatsunternehmen. Damals begann sich das Land zu öffnen.

Und heute?
Heute ist China ein integrierter Partner des Forums. Dieses Jahr haben wir die Anzahl von Partnern aus China sogar noch um 20 Prozent erhöht. Aus China sind mittlerweile 40 bis 50 Grossunternehmen dabei, dazu über 100 mittelständische Firmen. Diese Privatfirmen und Staatsunternehmen sind mit hoher Dynamik unterwegs. Sie nutzen das Forum als Plattform, um sich zu internationalisieren.

China ist demnächst die wichtigste Wirtschaftsmacht der Welt. Haben Sie je an diesen Aufstieg geglaubt?
Man ist ja punkto Dynamik einiges gewohnt. Aber ich bin immer wieder erstaunt, wie schnell sich Firmen, Innovationen und Geschäftsmodelle entwickeln. Viele dieser Firmen wie Huawei, JD.com, OFO Bike, Alibaba, Tencent oder Baidu waren vor ein paar Jahren im Westen unbekannt, heute haben sie weltweite Ausstrahlung. Dieses schnelle Wachstum verdanken sie der Digitalisierung. Aber man ist auch in anderen Gebieten mit atemberaubendem Tempo unterwegs, etwa in der Mobilität, Medizin oder Forschung.

Eine Bedrohung für den Westen?
Diese Firmen sind natürlich neue Mitbewerber im internationalen Umfeld und fordern die Etablierten zur Innovation. Das chinesische Denken ist stark von der Wissenschaft geprägt. Das sieht man beim Klimawandel, wo ich sehr positive Entwicklungen sehe, sich auch international zu integrieren.

Ernsthaftes Problembewusstsein oder nicht einfach Propaganda?
Ich glaube, es ist den Chinesen ernst. Nehmen Sie das «One Belt, One Road»-Projekt. Es ist zwar eine chinesische Initiative, aber keine «China only»-Angelegenheit. Man sieht das Projekt als Plattform auch für ausländische Firmen. Auch wir sind beteiligt, indem wir unser Netzwerk zur Verfügung stellen, etwa bei Public-private-Initiativen, bei Beratung in den Bereichen Mobilität oder Energieversorgung.

Name: Olivier Schwab

Funktion: Direktor Business Engagement beim Weltwirtschaftsforum

Alter: 44

Familie: verheiratet, zwei Kinder

Ausbildung: Ingenieur-Studium ETH in Lausanne und Massachusetts Institute of Technology in Boston

Karriere:

1999 bis 2001: Business Development Manager bei einem Online-Portal, San Francisco

2002 bis 2003: Berater bei Mercer Management Consulting, Genf

2003 bis 2009: Asien-Manager bei Schindler Aufzüge, Ebikon

2010 bis 2017: Verschiedene Funktionen beim WEF: Executive Director in China, Leiter Business Engagement

Seit 2017: Mitglied der WEF-Geschäftsleitung