Keine Zauberei. Auch der berühmte US-Investor Warren Buffett kocht nur mit Wasser. Auch er muss nicht immer besser sein als die anderen, um langfristig Erfolg zu haben. Hin und wieder unterlaufen dem Grossmeister der Geldanlage sogar veritable Fehlgriffe. So ist ausgerechnet im Ju­­bi­läumsjahr 2015, in welchem Buffetts ­berühmte Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway (BH) ihr 50-Jahr-Jubiläum feierte, vieles nicht rund gelaufen. Die BH-Aktie büsste als Folge dessen mehr als 10 Prozent ein und konnte für einmal nicht mit dem Marktdurchschnitt mithalten.

Bereits im laufenden Jahr hat sich das Blatt aber wieder gewendet und Buffetts ­An­lagevehikel hat die Marktindizes weit hinter sich gelassen. Noch eindrücklicher ist der Langfristvergleich: In den letzten 51 Jahren ist Buffett nur gerade sieben Mal von der Spur abkommen. In den ­anderen 43 Jahren resultierten teilweise erkleck­liche Kursgewinne. So hat die BH-Aktie während des für Aktienanleger angeblich «verlorenen Jahrzehnts» zwischen 2001 und 2010 um rund 80 Prozent zugelegt und in den oft ebenfalls heiklen letzten zehn Jahren über 240 Prozent.

Geldvermehrungsrezepte sind keine Geheimnisse

Mit einer solchen Rendite hätte es ­genügt, monatlich rund 250 Franken ­beiseitezulegen, und man wäre innerhalb von 22 Jahren zum Millionär geworden, innerhalb von 50 Jahren sogar zum 219-fachen Millionär. Buffett selber brachte es innert 58 Jahren zum dutzendfachen Milliardär und zum drittreichsten Mann der Welt. Die Beispiele von Buffett und vielen seiner Mitstreiter zeigen, dass solche Rechnereien nicht bloss fantasievolle Spekulationen sind, sondern durchaus reale Chancen abbilden.

Anzeige

Nicht von ungefähr ist Omaha die Stadt mit den meisten Millionären in den USA. Buffetts Geldvermehrungsrezepte sind nämlich keine Geheimnisse, sondern können schwarz auf weiss in seinen Schriften nachgelesen oder bei seinen Publikumsauftritten in Erfahrung gebracht werden. Mit andern Worten: Jedermann und auch jede Frau kann versuchen, die Methode des «Orakels von Omaha», wie der Mil­liardär oft genannt wird, zu kopieren. Und sollte dies auch tun. Buffett sagt wie.

«Zahle nur 50 Cent für einen Dollar»

Die erste seiner eisernen Regeln beim Kauf von Aktien ist die Einhaltung der sogenannten Sicherheitsmarge: Man sollte grundsätzlich nur kaufen, wenn der börsennotierte Marktwert klar unter dem wahren Unternehmenswert liegt. Buffetts Devise: «Zahle nur 50 Cent für einen Dollar.» Dann solle man so lange warten, bis der Markt den wahren Wert ­erkannt habe. Indirekt ist damit bereits ­gesagt, wann man kaufen sollte. Immer dann nämlich, wenn prinzipiell her­vor­ragende Unternehmen mit vorüber­gehenden Problemen zu kämpfen haben, oder generell in Phasen, in denen kaum jemand zu kaufen wagt.

«Frage nicht nach dem Preis, den du für ein Unternehmen zahlst», rät Buffett, «sondern nach dem Wert, den du für dein Geld bekommst.» Auch für hervorragende Unternehmen könne man nämlich zu viel bezahlen. Qualität zum günstigen Preis kaufen heisst also die Kurzformel für ­diesen Tipp.

Nur langfristige Strategien zahlen sich aus

Wichtig sodann die Bereitschaft, eine Aktie langfristig zu halten: «Wenn ich eine Aktie einmal habe, gebe ich sie am liebsten nie mehr wieder her.» Wenn man einen ­Titel nicht mindestens zehn Jahre behalten wolle, dürfe man ihn auch nicht zehn Minuten besitzen.

Anzeige

Ein starkes Argument für einen Kaufentscheid ist die Qualität des Managements. Hat das Unternehmen also einen ­hervorragenden CEO und ein starkes ­Führungsteam? Werden die Aktionäre bei ­Problemen genauso aufrichtig orientiert wie bei guten Nachrichten? Volkswagen beispielsweise hat dies gewiss nicht getan. Entscheidend für Buffett ist aber auch die Führungsorganisation. Sein zusätz­licher und überaus plakativer Rat: «Man sollte nur in Unternehmen investieren, welche selbst ein Vollidiot leiten könnte, denn ­eines Tages wird genau das passieren.»

Vier wichtige Kriterien

In einem wichtigen Punkt weicht der US-Investor diametral von den klassischen Investitionsgrundsätzen ab: «Diversifizieren Sie nicht, sondern konzentrieren Sie Ihre Investments.» Wer in einen Index investiere, investiere immer auch in mehrere faule Eier. Ein hervorragendes Unternehmen zeichnet sich nach Ansicht der US-Investmentlegende durch folgende Kriterien aus:

•  Seine Produkte befriedigen echte Bedürfnisse und/oder werden dringend benötigt. Sie können nur schwer substituiert werden.

•  Der Markt ist gut ausdehnbar (ska­lierbar), es gibt einfache (geografische) Expansionsmöglichkeiten.

•  Das Unternehmen verfügt über starke Marken, die Produkte sind eindeutig von jenen der Konkurrenz zu unterscheiden.

•  Das Unternehmen verfügt über eine monopolartige Stellung, hat damit auch Preisgestaltungskraft und zudem noch Wachstumspotenzial.

All diese Kriterien erfüllen jene Unternehmen, die zum Kern des BH-Portfolios zählen, darunter die «Big Four»-Investments Coca-Cola, American Express, IBM und Wells Fargo sowie AT&T, Goldman Sachs, Walmart und Procter&Gamble. Kernanlagen sind zudem die Versicherer Geico und General Re. Jüngster Streich Buffetts: Die Übernahme des Flugzeugzulieferers Precision Castparts Corp (PCC) für 37,2 Milliarden Dollar im letzten Jahr.

Anzeige

Berkshire B-Aktie derzeit relativ günstig

Es liegt auf der Hand: Der weitaus einfachste Weg, um von Buffetts Anlagegenie zu profitieren, ist der Kauf von BH-Aktien oder von Titeln, aus denen die Beteiligungsgesellschaft zusammengesetzt ist. Eine Berkshire B-Aktie ist derzeit relativ günstig bewertet. Sie kostet etwas über 140 Dollar und wird damit zum 1,3-fachen Buchwert gehandelt. Gut zu wissen auch: Bei einem Kurs-Buchwert von 1,2 kauft Buffett jeweils im grossen Stil eigene Aktien zurück.

Dafür stehen zurzeit Barmittel von mehr als 61 Milliarden Dollar zur Ver­fügung. Die Wermutstropfen: BH ist mitt­lerweile derart gross geworden, dass ein ­stetiges Ertragswachstum in Zukunft schwieriger geworden ist. Zudem geht ein Schweizer Anleger mit der BH-Aktie ein Dollarrisiko ein. Höchst ungewiss ist des Weiteren, ob Buffetts Nachfolger bei ihren Investitionsentscheiden ein ähnlich gros­ses Geschick haben wie das Orakel von Omaha.

Aktienfonds auf Frankenbasis als Alternative

Eine Alternative wäre der Kauf eines globalen Aktienfonds auf Frankenbasis, der nach Buffetts Value-Ansatz vorgeht. Erfolgreiche Beispiele sind hier der Classic Global Equity und der Global Value Equity des ­Zürcher Fondshauses Braun, von Wyss & Müller, die Pictet Fonds Pictet Security und Global Megatrends, der Quantex Global Value der Liechtensteiner Landesbank und der Deutsche ­Invest Top Dividend.

Alle diese Fonds haben ihre Vergleichs­indizes in den letzten zehn Jahren regelmässig und zum Teil deutlich übertroffen und damit ­gezeigt, dass Value-Strategien tatsächlich zu den bewährten Erfolgs­rezepten für ­Aktienanlagen zählen.

Anzeige

40 Schweizer Aktien sind Buffett-konform

Am reizvollsten, aber auch am aufwendigsten ist es, selbst das Orakel von Omaha zu spielen und sich auf die Suche nach Buffett-konformen Titeln im eigenen Land zu machen. Denn so können sowohl das Währungs- wie auch das Nachfolge- und das «Too big to expand»-Problem vermieden werden.

Von den 40 Schweizer Aktien, die in den letzten Jahren konstant besser abgeschnitten haben als der Marktdurchschnitt erfüllt nach einer Grobanalyse mindestens ein Dutzend die meisten Buffett-Kriterien, etwa die Blue Chips Nestlé, Roche und Swatch Group und die Nebenwerte Barry Callebaut, Bell, Emmi, U-Blox, Kardex, Temenos, Titlisbahnen, Mobile­zone, Galenica und Sika. Mindestens teilweise ebenfalls in die Kränze kommen Burkhalter, Ems-Chemie und Jungfraubahnen. Noch etwas Feinarbeit also und Buffett-Kopisten können ans Werk.