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USA-Tipps für Manager: «Man muss Zähne zeigen»

USA-Tipps für Manager: «Man muss Zähne zeigen»
US-Cowboy: In der USA gelten andere Regeln in der Firmenwelt. Getty/Christian PetersenQuelle: Christian Petersen/Getty Images

Auf US-Chefetagen gelten andere Sitten. Ein Schweizer Spitzenmanager weiss, was es für hiesige Manager in Übersee zu beachten gilt – und warum es oft ratsam ist, einen Anwalt mit am Tisch zu haben.

Von Marc Bürgi
2017-11-09

Stephan Rietiker weiss, wie Manager in den USA ticken. Als CEO und Verwaltungsrat verschiedener Schweizer und US-Unternehmen sammelte der Schweizer viel Erfahrung in der amerikanischen Geschäftswelt. Dieses Know-how will der heutige Chef des Zuger Telemedizinunternehmens Lifewatch an andere Schweizer Manager weitergeben. Eines seiner Anliegen: Er will  Schweizer Unternehmen die Angst vor dem US-Recht nehmen. «Amerikaner sind viel aggressiver, wenn es um Rechtsfälle geht. Da muss man Zähne zeigen.»

Rietiker war als Unternehmenschef schon mehrmals mit US-Klagen konfrontiert. Er war CEO, als der früheren Sulzer Medica wegen Schadersatzklagen der Ruin drohte. Rietiker konnte die Gefahr für den Winterthurer Konzern damals abwenden, indem er einen Vergleich mit den Anwälten einfädelte.

Früher sei er noch beeindruckt gewesen, wenn ihm jemand eine Klage angedroht habe. «Heute sage ich: ‹Nur zu, wenn du es nicht lassen kannst›.» In den USA gehörten Klagen für viele Unternehmen zum Geschäftsalltag, erklärt Rietiker. Das sollte Schweizer Firmen nicht daran hindern, in die USA zu expandieren – denn das Land biete viel mehr Chancen als Gefahren.

Viele Fallstricke für Schweizer Manager

Was Schweizer Manager in den USA erwartet, hat Rietiker in einem kurzen Ratgeber zusammengefasst. Er liefert darin wichtige Tipps für den Erfolg in der amerikanischen Wirtschaft – denn nicht nur die streitlustige Rechtskultur ist für viele Schweizer Chefs wohl ungewohnt. Rietiker nennt verschiedene Gebiete, wo er Fallstricke für Schweizer Manager sieht.

So unterscheidet sich die Führungskultur stark: Während viele Schweizer Mitarbeiter Wert auf Mitsprache und ein angenehmes Betriebsklima legen, stehe der Lohn in den USA stärker im Vordergrund. Politische Korrektheit sei in den USA Pflicht. Unternehmen müssten sich davor hüten, diskriminierend oder sexistisch zu wirken. US-Manager legten den Fokus zudem stärker auf Wachstum und kurzfristigen Erfolg.

Der Anwalt sollte früh am Tisch Platz nehmen

Auch rächt es sich, in den USA Vorschriften zu missachten oder gegen Regeln zu verstossen. Rietiker empfiehlt Schweizer Managern, bei Problemen frühzeitig Anwälte einzuschalten. Ein gutes Netzwerk hält er ebenfalls für wichtig – Unternehmen müssten enge Kontakte zu Politikern und anderen einflussreichen Personen pflegen.

Rietiker lobt die Dynamik der amerikanischen Chefs: Sie handelten rasch, und kümmerten sich im Zweifelsfall später um die Probleme. Scheitern sei in den USA kein Problem – nur aufgeben dürfe man nicht. In der Schweiz würde gerne über Probleme gebrütet, alles müsse perfekt sein, bevor gehandelt wird. US-Manager könnten hingegen von den Schweizern Ausgewogenheit lernen und Zuverlässigkeit. Hierzulande würden Veinbarungen eingehalten – in den USA sei das nicht immer der Fall. Schweizer Manager seien langfristig orientiert, ein weiterer Vorteil laut Rietiker.

Die USA erfinden sich ständig neu

Der USA-Experte hat auch eine Botschaft für Schweizer, die wegen Präsident Donald Trump an den USA zweifeln. Das Land erfinde sich ständig neu, unabhängig davon, wer im Weissen Haus das Sagen habe. Dass Trump die Wahl gewonnen habe, lasse sich nicht ändern. «Man muss sich damit arrangieren – und aufhören, sich ständig mit Trump zu beschäftigen», findet Rietiker.

Der Ratgeber «Wie Sie in den USA mit Risiken umgehen und den geschäftlichen Erfolg sichern» von Stephan Rietiker kann für einen Unkostenbeitrag von 20 Franken bei office@kmespartner.com bestellt werden.

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