Die Börse bildet bekanntlich die Zukunft ab – und danach steht Apple also eine goldige Ära bevor: In dieser Nacht überschritt der Wert des Tech-Konzerns die Marke von drei Billionen Dollar. Es ist der wertvollste Börsenkonzern der Welt und der Geschichte. Aber es ist auch ein Unternehmen, dessen Erfolg immer noch in grossem Umfang von einem fünfzehnjährigen Produkt abhängt, dem iPhone. Fast die Hälfte des Umsatzes fliesst dank der Smartphones in die Kasse.

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Natürlich: Apple hat das iPhone laufend verbessert. Doch auch in Cupertino ist allen klar, dass dieses Gerät ein begrenzte Lebensdauer hat. Die Apple Watch, wenngleich wichtig, ist kein ebenbürtiger Ersatz für das Handy. Und mit Services wie Apple Music, Apple Pay, oder Apple News kann CEO Tim Cook die iPhone-Lücke nicht stopfen – neue Hardware muss her, und zwar schnell.

Die grosse Frage lautet also: Was wird der neue Kassenschlager aus dem Hause Apple? Gehen wir dieser Frage nach. Und den anderen grossen Fragezeichen.

Setzt Apple jetzt auf Augmented Reality?

Apple-Analyst Ming-Chi Kuo glaubt zu wissen, auf welches Business Apple künftig setzt: auf Augmented Reality. Ein AR-Headset oder eine AR-Datenbrille, die den Einstieg in diese Virtuelle Realität ermöglichen, sollen zum neuen iPhone werden. Damit dieser Plan aufgeht, muss die Datenbrille «Apple Glas» losgelöst vom iPhone und Mac funktionieren. 

Der bekannte Experte sagt auch noch voraus, wie viel Zeit Apple bleibt, um das iPhone zu ersetzen – schlappe zehn Jahre. Es ist ein gewaltiges Unterfangen: Innert einer Dekade, so Ming-Chi Kuo, müsste Apple mindestens eine Milliarde AR-Geräte verkaufen. Das Headset soll laut Kuo Ende dieses Jahres oder Anfang 2023 auf den Markt kommen.

Bekanntlich interessiert sich aber auch die Konkurrenz für die virtuelle Welten: Facebook, jetzt auf Meta umgetauft, besitzt den Headset-Hersteller Oculus und sieht seine Zukunft in der 3-D-«Metaverse»; Google beziehungsweise Alphabet lancierte schon vor Jahren eine Datenbrille und hat sicherlich auch Pläne für AR in der Schublade.

Kurzum: Apple steht vor einer gewaltigen Herausforderungen, und bislang gibt’s zur Datenbrille nur Gerüchte. Was uns zu einem anderen Gerücht führt: 

Oder wird das Apple Car das iPhone ersetzen?

Seit Jahren wird darüber gemunkelt, dass Apple ein Auto entwickle. Und seit neustem kursiert auch ein konkretes Gerücht, wann das Gefährt losrollen könnte: 2025 sei es so weit. Doch in der Vergangenheit war schon mehrfach der baldige Start für das Apple Car vorausgesagt worden. Offiziell hat sich Apple-Lenker Tim Cook noch nie über das Projekt «Titan» geäussert. 

Dem Vernehmen nach wird das iCar ein Elektrofahrzeug, dass weder Lenkrad noch Pedale hat. Vielleicht tut Apple gut daran, doch noch ein Gaspedal einzubauen. 

Wer kommt nach Tim Cook?

Die Börse hasst Unsicherheit. Und doch ist beim teuersten Konzern der Welt nicht klar, wer demnächst die Führung übernimmt. Klar ist: Tim Cook, 61 Jahre alt und seit 2011 als CEO im Amt, wird Apple nicht mehr ewig führen. Auch hier wollen gut informierte Quellen bereits mehr dazu wissen: 2026 werde der Jobs-Nachfolger den Posten verlassen.

Und was verraten die harten Finanzzahlen?

Die Apple-Aktie ist teuer – wie auch die übrigen grossen US-Techtitel. Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Telsa und Facebook/Meta machen einen Viertel der Marktkapitalisierung des Börsenbarometers S&P 500 aus. Mit Blick auf das Preis/Gewinn-Verhältnis schneidet Big Tech viel schwächer ab als der grosse Rest des S&P: Die Techhersteller-Aktien waren Mitte Dezember nach diesem Massstab doppelt so teuer. Viele Analysten halten «Big Tech» für überteuert.

Apple ist ein sogenannter «Value»-Titel, der in den nächsten Jahren wieder mehr zum «Growth»-Titel werden muss. Vielleicht hat der Konzern die grossen Innovationen vorgespurt. Die nächsten, zwei, drei Jahren werden darüber entscheiden.

In der jüngsten Vergangenheit ist Apple aber nicht gerade als innovativ aufgefallen: Kein anderer Konzern hat so viele eigenen Aktien aufgekauft: Innert zehn Jahren hat Apple die Anleger mit «Buybacks» über 488 Milliarden Dollar beglückt, wie US-Analyst Howard Silverblatt ausgerechnet hat. «Sie haben die grösste Cash-Maschine der Geschichte geschafften», sagte US-Professor Aswath Damodaran der «New York Times».

(mbü)