Für die USA stehe die Uhr auf einer Minute vor zwölf, wenn nicht schon später, meinte Finanzprofessor Alfred Mettler kürzlich an einer Anlegerveranstaltung der Schwyzer Kantonalbank (SZKB).

Mettler, der während mehr als 20 Jahren in den USA gelebt hat, sieht Amerika – neben vielen positiven Aspekten – als gespaltenes, politisch blockiertes Land, in dem sich eine Lügenkultur und ein Vertrauensverlust breitgemacht haben.  

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Thomas Heller ist Chief Investment Officer (CIO) und Leiter Research der Schwyzer Kantonalbank.

Ein Land zudem, wo Ungleichheit und Rassismus herrschen, das Gesundheitssystem exorbitant teuer ist und wo das Ausbildungssystem vernachlässigt wurde.

Die Probleme, die das Land anpacken müsse, um die politische und gesellschaftliche Talfahrt zu stoppen, seien immer noch zahlreich und gross, die Zeit weit fortgeschritten – eins vor zwölf eben.  

Nummer-eins-Status  

Die Rolle der USA als Wirtschaftsmacht und Anlagemarkt ist davon bislang kaum tangiert worden. Die USA sind immer noch die klar grösste Volkswirtschaft der Welt. Rund ein Viertel des globalen Bruttoinlandprodukts (BIP) wird in den USA erwirtschaftet. Das sind über 40 Prozent mehr als im zweitplatzierten China.  

Obwohl China stärker wächst und viermal mehr Einwohner zählt, werden die USA noch viele Jahre die Nummer eins bleiben. Beim Pro-Kopf-Einkommen wird der Vorsprung gegenüber China gar noch Jahrzehnte Bestand haben.  

US-Unternehmen sind das Mass der Dinge  

Noch ausgeprägter ist der Nummer-eins-Status der USA am Finanzmarkt. 60 Prozent der weltweiten Aktienkapitalisierung entfallen auf amerikanische Unternehmen. Es folgen weit abgeschlagen Japan und China mit rund 6 Prozent beziehungsweise 4 Prozent.

In den USA sind gut 28 Prozent der Firmen dem IT-Sektor zuzuordnen, der einer der globalen Wachstumstreiber ist. Im Rest der Welt sind es lediglich rund 13 Prozent.

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Ausserdem belegen die USA bei der Unternehmensfreundlichkeit seit Jahren Spitzenplätze (2019: Rang 6 unter 190 Ländern) und tauchen bei der Innovationskraft ebenfalls in den vordersten Rängen auf.  

US-Aktien müssen ins Portfolio  

Die USA haben Probleme im Innern und werden geopolitisch von China gefordert. Als Wirtschaftsmacht und Anlagemarkt führt an den USA jedoch kein Weg vorbei. Die Missstände müssen überwunden werden, damit die Leistungsfähigkeit des Landes langfristig nicht doch geschmälert wird.  

Der Grundoptimismus der Amerikaner, ihre Bereitschaft, etwas anzupacken und Risiken einzugehen, werden dabei hoffentlich helfen. Auch wenn aufgrund der hohen Bewertungen derzeit etwas Zurückhaltung geboten ist: Anlegerinnen und Anleger sollten einen gewichtigen Teil ihrer Aktienanlagen im grössten Markt mit einer zukunftsträchtigen Branchenstruktur und einem unternehmensfreundlichen Umfeld investieren.

Für diejenigen, die das noch nicht getan haben, ist es nicht gerade eins vor zwölf, aber höchste Zeit.  

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