Sie besitzen viele Immobilien im Zürcher Seefeld. Ihre ersten Objekte kauften Sie zu einer Zeit, in der das Quartier noch nicht so teuer war. Wie erkennt man Viertel, die vor der Aufwertung stehen – und wo in der Schweiz machen Sie heute solche Quartiere aus?
Das Seefeld stand damals kurz vor dem Kollaps, das Quartier litt unter Drogen und Prostitution. Meine Kinder wurden vom Kindergarten angehalten, die Schule aufgrund der am Boden liegenden gebrauchten Spritzen mit Stiefeln oder Bergschuhen zu besuchen. 

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Früher hat sich niemand um den Verfall des Quartiers gekümmert, weder die Politiker noch der Quartierverein noch die Behörden stellten sich dem Thema entgegen. Für mich war es eine Chance. Als Ehemann einer echten Seefelderin wollte ich das Problem angehen. Heute gibt es in der ganzen Stadt und in der Agglomeration viele Chancen zum Anpacken. Gott sei Dank sind die Umstände aber anders als damals im Seefeld.

Urs Ledermann

Urs Ledermann ist Präsident der Ledermann Holding. Der Zürcher Immobilienunternehmer ist vor allem für seine Rolle bei der Aufwertung des Zürcher Quartiers Seefeld bekannt – was ihm den Übernahmen «König vom Seefeld» eingetragen hat.

Quelle: Immobilien

Die Preise in der Stadt Zürich sind sehr hoch. Sind sie zu hoch, oder anders gefragt: Erkennen Sie eine Blase?
Ich erkenne keine Blase für Zürich. Zürich ist und bleibt eine äusserst attraktive Stadt und sie wird sich langfristig immer positiv weiterentwickeln.

Finden Sie in Zürich überhaupt noch attraktiv bewertete Immobilien?
Wir erhalten jedes Jahr viele Direktangebote. Nach über 40-jähriger Tätigkeit bieten uns immer wieder Familien ihre Mehrfamilienhäuser an – quasi von Familie zu Familie. Dabei ist oft der Preis nicht das wichtigste Argument. Auch unsere Akquisitionsabteilung ist aktiv, und viele professionelle Immobilienmakler und -firmen arbeiten regelmässig mit uns zusammen. 

«Ich erkenne keine Blase für Zürich.»

Wer kauft heute Immobilien in Zürich, wie lässt sich die Käuferschaft beschreiben?
Die Käuferinnen und Käufer sind heute sehr vielfältig: Privatpersonen, Familien, Family Offices, Immobilienfirmen, Immobilienfonds, Pensionskassen, Versicherer et cetera. Noch nie war hier die Nachfrage so breit. 

Sie investieren auch in den USA, im Süden Floridas und im Grossraum Boston. Wie unterscheiden sich diese Märkte von der Schweiz?
In Amerika ist die Regulierung noch nicht so einengend, und man wird als Investor geschätzt. In Boston renovieren wir aussergewöhnliche Objekte in der Altstadt. Wir haben einen hohen Anspruch an unsere Häuser und können unseren Mietern deshalb gute, schöne Wohnungen übergeben.

Das wird in der Stadt bemerkt, sogar der Bürgermeister hat sich über unsere Arbeit gefreut. Es ist für uns eine neue Erfahrung, seitens Behörden und Regierung Interesse und Anerkennung zu erhalten. Heute tauschen wir uns regelmässig mit den Behörden aus, und wir kennen auch die Sicht der Stadt. Wenn wir sie irgendwie unterstützen können, machen wir das.

«In Amerika ist die Regulierung noch nicht so einengend, und man wird als Investor geschätzt.»

Vor drei Jahren gründeten Sie gemeinsam mit Jürg Marquard die Immobilienfirma LMI Property. Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Unternehmen?
Das Joint Venture mit meinem Freund Jürg Marquard hat sich spontan ergeben. Wir wollten gemeinsam etwas ganz Spezielles mit dem Grundstück machen, das direkt neben seinem Privathaus in Herrliberg liegt. Neben Jürg Marquard ist auch die Firma Inizia im Joint Venture und für die Architektur verantwortlich.

Wohnungen wie Einfamilienhäuser: Das war die Idee, und sie hat eingeschlagen. Der Immobilienmakler Wüst und Wüst hat diese Grosswohnungen in kürzester Zeit verkauft. Der Erstbezug wird in gut einem Jahr sein.

Sprechen wir zum Schluss noch über den allgemeinen Immobilienmarkt: Werden die Preise für Wohnimmobilien weiterhin so stark steigen?
Nein, nicht so stark, aber sie sind leicht steigend. Neben ausgesuchten Aktien-Anlagen gibt es praktisch keine mit Immobilien vergleichbare Anlagemöglichkeit. Die Qualität der Anlage und die grosse Nachfrage werden die Preise weiter leicht steigen lassen. 

In inflationären Zeiten haben sich vor allem Sachwerte für Werterhalt und Wertvermehrung ausgezeichnet. Durch höhere Zinsen wird auch der Referenzzinssatz steigen, womit nach jahrelangem Rückgang die Mieten wieder höher an den Markt angepasst werden können. Auch dies wird die Immobilienpreise stützen und stärken. 

In urbanen Regionen wie Zürich übersteigt jetzt und in Zukunft die Nachfrage das Angebot. Anderseits verhindert die Überregulierung eine Ausweitung des Angebots. Auch das stützt die Preise.

Besteht die Gefahr, dass der Immobilienmarkt durch eine rasche Zinserhöhung in Schieflage gerät?
Ich befürchte keine Schieflage wegen höherer Zinsen. Einerseits können die Mieten angepasst werden, anderseits sind Immobilien in der Regel Langfristanlagen und werden jahrzehntelang gehalten. Deshalb habe ich keine Bedenken, dass der Trend langfristig positiv bleibt.

Urs Ledermann beantwortete die Fragen schriftlich.