Die Welt steht kopf. Russland hat die Ukraine angegriffen, der Westen reagiert mit harten Massnahmen – und nimmt damit wirtschaftliches Leid auf der eigenen Seite in Kauf. «Die Sanktionen gegen Russland wirken sich über drei wichtige Übertragungsmechanismen auf die Weltwirtschaft aus», sagt UBS-Chefökonom Paul Donovan in seinem täglichen Podcast.

Erstens verlangsame die Risikoprämie auf die Rohstoffpreise den Rückgang der Inflation, sofern nicht andere Produzenten gegensteuern würden. Zweitens: Sanktionen stören den Handel direkt. Drittens: Wenn Russland in eine wirtschaftliche Rezession – oder schlimmeres – gerät, sinkt die Nachfrage nach Importen. 

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

«Mit einem Anteil von 2 bis 3 Prozent am weltweiten BIP ist Russland jedoch kein sehr grosser Teil der Weltwirtschaft», sagt Donovan. «Generell könnte die Risikoaversion die Liquiditätsnachfrage fördern; der Weg der quantitativen Straffung ist weniger sicher.»

Swift und Iran

Der UBS-Ökonom, der in London sitzt, äussert sich im Podcast vom Montag auch zum Ausschluss gewisser Banken aus dem internationalen Swift-System. «Der Ausschluss Russlands verhindert internationale Transaktionen nicht», so Donovan. Er mache sie nur «bürokratischer und teurer». 

Es sei wie eine «Kombination von Brexit und Trump-Handelssteuern». «Das trifft internationale Unternehmen, die mit Russland handeln, sowie russische Unternehmen. Der Ausschluss des Irans von Swift kostete etwa 30 Prozent seines Handels.»

«Swift- und spezifische Bankensanktionen können zu einem Ansturm auf die Banken führen», so Donovan weiter. «Viele Russen haben sowohl einen Bank Run als auch eine Hyperinflation erlebt, was ihre Nervosität erhöhen wird.»

Rubel, Gold und die Nationalbank

Ein systemischer Bank Run würde die russische Wirtschaft erheblich schwächen, sagt der UBS-Mann weiter. Die russische Nachfrage nach Importen würde weiter zurückgehen. Donovan spricht von einem «more dramatic blow to the Russian economy» – einem «noch heftigeren Schlag gegen die russische Wirtschaft».

Die Sanktionen gegen die russische Zentralbank bezeichnet Donovan als «ungewöhnlich, aber nicht beispiellos». Sie schränke die Möglichkeiten der russischen Zentralbank ein, den Rubel zu verteidigen – «obwohl Goldreserven verkauft werden könnten». 

Das hat Konsequenzen. Donovan: «Ein schwächerer Rubel und eine höhere inländische Inflation verringern die Fähigkeit Russlands, Importe zu kaufen.» Die Sanktionierung der russischen Zentralbank dagegen habe keine Auswirkungen auf den Reservestatus des US-Dollars. «Es gibt keine Alternative», so der Ökonom.