«Wir leben in stürmischen Zeiten, in denen Zentralbankenliquidität in Unmengen geschaffen wird. Die wichtigste Aufgabe eines Investmentmanagers sei es, in diesem Umfeld, den Sparern Schutz vor der anhaltenden Geldentwertung durch die Schuldenmonetarisierung zu bieten, ist David Bühlmann, Gründer und CEO des Zürcher Vermögensverwalters Schlossberg&Co überzeugt.  

Die Behauptung, die Inflation spiele in der Schweiz seit Jahren keine Rolle mehr, sei falsch. «In den vergangenen Jahrzehnten hat auch der Schweizer Franken im Schnitt rund 2 Prozent seines Werts pro Jahr eingebüsst. Das Ersparte auf dem Bankkonto hat über die letzten zwanzig Jahre ungefähr einen Drittel an Kaufkraft verloren. Dazu kommt, dass vermögende Privatkunden und Privatkundinnen bei gewissen Banken bereits ab 100’000 Schweizer Franken Bankguthaben Negativzinsen auf ihr Vermögen zahlen.» In diesem Fall verliere man sogar nominal. Problematischer als die Güterpreisinflation sei aber die Vermögenspreisinflation. Häuserpreise oder Aktienpreise galoppierten immer schneller davon.  

Vorteile aus der expansiven Geldpolitik ziehen  

Nach Bühlmann gibt es jedoch durchaus Möglichkeiten, sich diesem globalen Geldtsunami zu entziehen: Indem man auf verschiedene Vermögenswerte und Strategien setzt. «Denn letztlich geht es nicht nur darum, Schutz zu bieten, sondern auch darum, sich diese ultraexpansive Geldpolitik zum eigenen Vorteil zu machen.»  
 

Über den Autor

David Bühlmann hat einen M.Sc. in Finance von der Cass Business School in London und einen B.A. in Business von der Universität St. Gallen (HSG). Er arbeitete in verschiedenen Funktionen bei der Deutschen Bank, bei Julius Bär und bei HSBC in Zürich, Singapur und Hongkong, bevor er 2018 Schlossberg&Co gründete.

Schlossberg&Co ist ein quantitativer Investment Manager, welcher die anspruchsvollsten wissenschaftlichen Methoden der quantitativen Finanztheorie, des maschinellen Lernens und der Verhaltensökonomie kombiniert. Investoren sind vor allem institutionelle Anleger und vermögende Privatkunden.

Ein klassisches Buy-and-hold-Portfolio mit 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen ist heute extrem riskant. Wie sich in jüngster Zeit gezeigt hat, korrelieren diese beiden Anlageklassen in Zeiten der Allesblase zu stark, als dass man damit genügend diversifiziert wäre. «Weitere alternative Anlagen und Strategien sind daher unverzichtbar.»   

Modelle als Investitionshilfe  

In jahrelanger Forschungsarbeit habe Schlossberg mathematische Modelle entwickelt und mögliche Zukunftsszenarien simuliert. So zum Beispiel ein Szenario zur Frage, was geschieht, wenn die Inflation anzieht und die Zentralbanken die Zinsen anheben muss. Zuerst werden Anleihen und Wachstumsaktien an Wert verlieren und danach der breite Aktienmarkt sowie Immobilien und andere Vermögenswerte.

«In solch einem Szenario haben unsere Strategien die Flexibilität, unsere Anlagen über Derivate abzusichern oder gar von den fallenden Kursen zu profitieren», erläutert Bühlmann: «Die Algorithmen sind auch eine Hilfe, wenn die Zinsen nicht steigen. In diesem Fall helfen sie dabei, die Zeit, in der ein Investor im Markt investiert ist, zu maximieren. Das ist deshalb so wichtig, damit er grösstmöglich von der anhaltenden, durch die Schuldenmonetarisierung getriebenen Vermögenspreisinflation profitiert.  

Gleichzeitig kann der Algorithmus aber, wie vorhin erläutert, sehr schnell reagieren, sollte es an den Finanzmärkten zu kurzfristigen Volatilitätsschocks kommen.  

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Die Schlossberg-Produkte hätten sich in der Vergangenheit bestens bewährt: «Als der Aktienmarkt im März 2020 bei Ausbruch der Corona-Pandemie stark einbrach, verkaufte der Algorithmus die Aktien frühzeitig. Anlegerinnen und Anleger wurden daher vom Kursabsturz kaum in Mitleidenschaft gezogen. Auch die im Dollar zu Beginn dieses Jahres gestiegenen Zinsen hat der Algorithmus vorweggenommen und ist rechtzeitig von Wachstums- auf Wertaktien umgestiegen. Dadurch hat der Kunde oder die Kundin wiederum von den steigenden Zinsen profitieren können.»   

Bei verschiedenen Szenarien erfolgreich  

Basis des Erfolgs sind nach Bühlmann jahrelange Forschungsarbeiten mit Unterstützung erfahrener Expertinnen und Experten der ETH und der HSG. Zudem habe sich das Modell innert kurzer Zeit mit komplett unterschiedlichen Marktumfeldern auseinandersetzen müssen. Sei es 2018 mit einem seitwärts tendierenden Markt, 2019 mit einem aufwärts tendierenden Markt oder 2020 mit einem extrem volatilen Markt. Der Algorithmus habe also seine Feuertaufe mehr als bestanden – und vor allem im letzten Jahr habe er erfahrene Finanzexperten und Finanzexpertinnen performancemässig weit hinter sich gelassen.  

Schuldenmonetarisierung geht weiter  

Bittere Realität: Obwohl durch die Verfassungen der Staaten theoretisch untersagt, praktizieren Zentralbanken wie die US-Notenbank oder die Europäische Zentralbank längst eine Monetarisierung staatlicher Schuldtitel. 2020 hat die US-Notenbank 55 Prozent aller US-Staatspapiere aufgekauft.

«Die Frage ist aber nicht, ob wir unsere Schulden bezahlen können, sondern zu welchem Preis.»

Für dieses Jahr gehen die Prognosen dahin, dass die Europäische Zentralbank sage und schreibe 98 Prozent aller noch ausstehenden Anleiheemissionen europäischer Staaten monetarisieren wird. In einfachen, aber klaren Worten ausgedrückt heisst das: «Es wird Geld gedruckt, um damit Schulden zu bezahlen.»  

Negative Folgen der Schulden  

Schulden seien kein existenzielles Problem, solange sie bedient werden können und die Zentralbanken ihrer Funktion als Kreditgeberinnen letzter Instanz gerecht werden, wird oft behauptet: «Die Frage ist aber nicht, ob wir unsere Schulden bezahlen können, sondern zu welchem Preis», gibt Bühlmann zu bedenken.

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Eine kontinuierliche Schuldenmonetarisierung durch die Zentralbanken habe zur Folge, dass der reale Wert der Währung kontinuierlich falle. Kreditgeber, die dem Staat Geld borgen, bekämen bei Fälligkeit der Schuld zwar nominal denselben Betrag – real werde die Kaufkraft jedoch abgenommen haben.  

Schuldenberg höher als nach dem Zweiten Weltkrieg  

Die Schlossberg- Algorithmen sind so programmiert, dass sie auch dann funktionieren würden, wenn die Staaten ihre Schuldensituation in den Griff bekommen. Die Geschichte zeigt allerdings, dass dieses Szenario sehr unwahrscheinlich ist. Der Schuldenstand für die Gesamtheit aller OECD-Staaten gemessen am BIP liegt aktuell bei über 120 Prozent und damit über dem Niveau von jenem nach dem Zweiten Weltkrieg.  

Viel wahrscheinlicher ist deshalb, dass die Schuldenmonetarisierung fortgesetzt werden muss, um die Zinsen tief zu halten, da die Staaten selbst sonst ihre Schulden nicht mehr umschichten können. Die Geldentwertung und damit der Bedarf nach einer Lösung wie jene von Schlossberg ist stärker denn je und wird sich noch intensivieren.    

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