Ängste und Unsicherheiten rund um die verschiedenen Covid-19-Varianten und deren potenziell negative Effekte auf die globale Wirtschaft drücken auf die Börsenstimmung. Wie steht es nun mit den Chancen der Small und Mid Caps?  

Führende Nischenunternehmen, sogenannte Hidden Champions, sind sehr oft weniger stark vom globalen Zyklus betroffen und können dank Innovationen und Technologieführerschaft auch in schwierigeren Zeiten erfolgreich und dynamisch wachsen. Dies ist mit ein Grund, dass wir seit Jahresanfang und auch in der jüngsten Vergangenheit eine Outperformance von Nebenwerten beobachten, ungeachtet der Unsicherheiten rund um die Delta-Variante.

Bewertungen nur auf den ersten Blick hoch

Die absoluten Bewertungen der Nebenwerte mögen aktuell auf hohem Niveau sein, sie sind aber in einem Umfeld tiefer Zinsen, lockerer Geldpolitik und reichhaltiger Liquidität durchaus berechtigt. Die anstehenden, sehr ambitionierten öffentlichen Investitionspläne in die Infrastruktur und die grüne Energie geben zusätzlich Schub.
 

Über die Autorin

Birgitte Olsen, CFA, Senior Portfolio Manager Aktien Europa, trat 2008 bei Bellevue Asset Management ein, wo sie die Verantwortung als Portfolio-Manager europäische Aktien sowie für institutionelle Mandate innehat. Davor war sie über neun Jahre bei Generali Investments in Köln als stellvertretende Leiterin für das Portfolio-Management Aktien Europa zuständig. Als Fund Manager für die Regionen Deutschland und Skandinavien arbeitete sie 1997 und 1998 bei Vontobel Asset Management in Zürich.

Birgitte Olsen startete ihre Karriere in der Finanzbranche 1994 als Sell-Side Analyst bei der Bank am Bellevue für die Sektoren Versicherungen und Pharma. Sie hat 1992 ihr Studium in der Vertiefungsrichtung Finanz- und Rechnungswesen an der Universität St. Gallen abgeschlossen.      

Es ist ausserdem zu beobachten, dass die PE-Bewertungen in Europa aktuell nicht mehr steigen, sondern leicht zurückgehen, da die Dynamik positiver Gewinnentwicklungen und Gewinnrevisionen derzeit stärker ausfällt als der Anstieg der Marktpreise. Dieses Phänomen hat sich in der Berichtssaison des zweiten Quartals 2021 nochmals fortgesetzt.

Starke Gewinnentwicklung

In der Tat haben Unternehmen im zweiten Quartal erhebliche positive Gewinnüberraschungen geliefert und die Konsens-EPS-Schätzung für 2021 konnte seit Januar um 16 Prozent nach oben revidiert werden. Die Schätzungen für die weitere Zukunft sind seit Jahresanfang sogar um 26 Prozent gestiegen, während die Märkte rund 20 Prozent zuzulegen vermochten.

Dies bedeutet, dass das Bewertungsniveau trotz steigendem Markt um einen Kursgewinnpunkt zurückgekommen und der Markt allgemein billiger geworden ist. Für den Erfolg am Aktienmarkt dürften aber nicht nur die generellen Neubewertungen entscheidend sein, sondern die Fähigkeit, diejenigen Unternehmen zu identifizieren, die punkto Gewinnentwicklung positiv überraschen werden.

Nicht allein auf Growth setzen

Mit Blick auf den Anlagestil haben Wachstumswerte seit April wieder stärker zulegen können als Value-Aktien, dies in Korrelation mit tieferen Obligationenrenditen. Die Zinsen dürften in der jüngsten Vergangenheit die Talsohle erreicht haben und für eine ausgewogenere relative Performance von Zyklikern und Value im restlichen Jahresverlauf sorgen. Katalysatoren dafür wären ein anhaltendes positives Gewinnmomentum auch für das zweite Halbjahr sowie ein Abflauen der Pandemie dank stetigen Immunitätsfortschritten.

Was taugen Börsen-Gurus und Crash-Propheten?

Anlegerinnen und Anleger vertrauen gerne auf einflussreiche Crash-Propheten. Ist das eine gute Idee? Antworten im Podcast.

Um diese Unsicherheiten und den sich ständig ändernden Wahrscheinlichkeiten Rechnung zu tragen, haben wir in das Portfolio des Bellevue Entrepreneur Europe Small Fonds eine Mischung aus 35 Prozent Value und 65 Prozent Growth implementiert und damit unsere Alphaquellen entlang der verschiedenen Anlagestile angemessen diversifiziert. Sorgfältiges Stock Picking bleibt dabei natürlich weiterhin der entscheidende Erfolgsfaktor.  

Gute Perspektiven für Faurecia

Mit Blick auf Portfolioveränderungen haben wir im Value-Segment den französischen Autozulieferer Faurecia neu in unser Portfolio aufgenommen, motiviert durch die attraktive Transaktion mit Hella. Wir haben volles Vertrauen in beide Managements, die wir gut kennen, und rechnen damit, dass in der Implementierung der Synergien nichts dem Zufall überlassen wird.  

Nebenwerte mit starker Performance

Insgesamt rechnen wir für Nebenwerte weiterhin mit einem attraktiven Performancepotenzial, insbesondere auch für den Bellevue Entrepreneur Europe Small Fonds, der seit seiner Auflegung vor zehn Jahren eine annualisierte Rendite von 12,5 Prozent erreicht hat.        

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