Themenfonds sind auf spezifische Themenkreise ausgerichtet, die das Wachstum von Unternehmen in einem bestimmten Universum widerspiegeln sollen. Sie eröffnen Anlegern die Möglichkeit, tiefgreifenden globalen Umwälzungen («Megatrends») zu folgen, die beispielsweise Technologie, Innovation oder das Gesundheitswesen betreffen oder Bereiche mit ökologischen und sozialen Herausforderungen wie etwa Energie, Klima, integratives Wachstum oder biologische Vielfalt.

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Diese Entwicklungen dürften erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben und zum Überdenken der Geschäftsmodelle führen. Das Interesse an thematischen Anlagen hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Laut Morningstar hat sich das in thematischen Fonds verwaltete Vermögen in den letzten drei Jahren mehr als verdreifacht und beträgt derzeit 595 Milliarden Dollar.

Während ein Grossteil dieser Zunahme auf die Erwartung einer starken langfristigen Performance zurückzuführen ist, sind thematische Fonds oft auf nachhaltige Investitionen ausgerichtet und die Nachfrage seitens vermehrt umwelt- und sozialbewusster Anleger wird noch weiter steigen.

Der Autor

Pierre Moulin ist Global Head of Products and Strategic Marketing bei BNP Paribas Asset Management.

Umweltstrategien bilden dabei einen Schwerpunkt, aber für das exponentielle Wachstum thematischer Anlagen gibt es auch noch andere Gründe: sozial ausgerichtete Überlegungen in der Nach-Covid-Zeit, ESG-Regulierungen wie etwa Mifid II (u. a. zu Anlegerpräferenzen für ESG-Fonds), sowie geopolitische Spannungen, die zum Überdenken der ESG-Investitionen führen.

Struktureller Wandel

Den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit zu legen, entspricht mehr als einem vorübergehenden Trend. Es handelt sich um eine strukturelle Veränderung, einen grundlegenden Wandel im Umgang mit der Vermögensallokation, die sich nämlich nicht mehr auf eine Aufschlüsselung nach Anlageklassen, Regionen oder Geschäftsbereichen beschränkt. Stattdessen erfolgt jetzt ein Übergang zu einem transversalen thematischen Ansatz.

Dieser Wandel spiegelt die wachsende Begeisterung sowohl institutioneller als auch privater Anleger wider, auch solcher, die sich in der Finanzwelt weniger gut auskennen und die bei ihren Investitionen Wert auf eine Kombination aus Performance und positiver Wirkung auf den Gang der Welt legen.

Eine kürzlich von Greenwich/BNPP AM durchgeführte Umfrage zeigt, dass die Attraktivität thematischer Fonds in den letzten zwei Jahren erheblich zugenommen hat und die Mittelzuflüsse stark gestiegen sind. Seit 2019 entfallen 90 Prozent der Nettoströme in aktiv verwaltete Aktienfonds auf den themenorientierten Bereich.

«Themenorientiertes Investieren bringt eine neue Dimension in die herkömmlichen Anlageklassen und eröffnet den Anlegern zusätzliche Möglichkeiten, das Portfoliorisiko zu diversifizieren.»

In der Umfrage geben 76 Prozent der Befragten an, massgeblich auf nachhaltige Entwicklung und ESG-Kriterien zu achten, wobei Themen wie die UN-Nachhaltigkeitsziele (41 Prozent), Lösungen zur Bewältigung des Klimawandels (21 Prozent) und erneuerbare Energien (18 Prozent) besonders beliebt sind.

Neue Möglichkeiten bei alter Diversität

Daraus ergeben sich Investitionsmöglichkeiten, sowohl bei aktiven als auch bei passiven Strategien. In der Schweiz stehen die Themen Smart Food, Wasser, Biodiversität und Energiewende besonders hoch im Kurs.

Thematisches Investieren dürfte zwar immer beliebter werden, aber es gilt, vorsichtig zu bleiben und die Investitionen nicht auf zu wenige Bereiche zu konzentrieren, damit keine Blase entsteht. Investitionen sollten sowohl in Unternehmen fliessen, die bei ESG-Themen in allen Bereichen der Wirtschaft führend sind, als auch in solche, die sich auf etablierte Aktivitäten wie Chemie oder Bauwesen konzentrieren.

Es besteht ein klares Interesse für Investitionen in traditionellere Produktionszweige, um den Firmen zu helfen, ihr Geschäftsmodell anzupassen und ihr Unternehmen auf einen nachhaltigeren Betrieb umzustellen.

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Beim Aufbau eines ausgewogenen Portfolios mit thematischen Anlagen gilt es, die Vermögensallokation mit einem angemessenen Risikomanagement zu verbinden, um zu beurteilen, wie sich die üblichen Risikofaktoren, Sektoren oder Stile auswirken und wie viel Alpha das Thema dem Portfolio hinzufügen kann.

Themenorientiertes Investieren bringt deshalb eine neue Dimension in die herkömmlichen Anlageklassen und eröffnet den Anlegern zusätzliche Möglichkeiten, das Portfoliorisiko zu diversifizieren und die Auswirkungen von Korrelationen zwischen Anlageklassen, Sektoren, Regionen und Stilen abzuschwächen.

Anleger auf der Suche nach Möglichkeiten, mit ihren Ersparnissen zur Lösung von Problemen beizutragen, fördern diesen Investitionsansatz, der auch von einem günstigen regulatorischen und politischen Umfeld profitiert, z. B. von Initiativen wie der europäischen SFDR-Verordnung oder der EU-Taxonomie.