Die Zinsen steigen, und das ist in der Regel nicht gut für den Immobilienmarkt. Höhere Zinsen bedeuten eine Mehrbelastung beim Kauf von Liegenschaften und bei einer Finanzierung von Haus, Wohnung oder Bauland. Kurz vorgerechnet: 1 Prozent mehr an Zins kostet bei einer Hypothek von 500’000 Franken 5000 Franken jährlich extra. Bei einer Laufzeit von zwanzig Jahren sind das 100’000 Franken Extrabelastung.

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Wenn in diesem Zinsumfeld die Nachfrage nach Immobilien sinkt und womöglich auch der Preis der Objekte, wäre das kein Wunder. Dass die Aktien von Immobilienunternehmen vor diesem Hintergrund schon gefallen sind, konnte man erwarten.

In der Schweiz halten sich die Kursrückschläge aber im Rahmen. Die Aktien von grossen Konzernen wie Swiss Prime oder PSP Swiss Property haben in diesem Jahr etwa 5 Prozent an Wert verloren. Nach zwischenzeitlichen Gewinnen kam es seit Mai zu Korrekturen um etwa 15 Prozent.  

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Dieser Text beschreibt die jüngsten Entwicklungen im «Handelszeitung»-Portfolio.

Ganz anders sieht die Situation in Deutschland aus. Den deutschen Immo-Sektor hat es regelrecht zerlegt. Viele Aktien sind steil nach unten durchgerauscht. Besonders stark hat es Helma Eigenheimbau getroffen. Das Unternehmen ist auf die Herstellung von Fertighäusern in Massivbauweise spezialisiert, und der Kurs ist seit Februar um 40 Prozent und damit in etwa auf die Hälfte gefallen.  

Dabei läuft es beim Immo-Unternehmen aus Lehrte in Niedersachsen trotz gestiegener Zinsen nach wie vor rund. So wurde erst vor wenigen Tagen die Prognose vom März bestätigt. Danach soll der Auftragseingang in diesem Jahr zwischen 350 und 360 Millionen Euro liegen, der Umsatz von 331,5 auf 360 bis 380 Millionen Euro klettern.  

Vor rund drei Monaten hatte Firmenchef Gerrit Janssen auch noch einen Gewinnanstieg vor Steuern von 27,3 auf 30 bis 33 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Das Ergebnis je Aktie könnte dadurch von 4,69 Euro im vergangenen Jahr auf 5,0 Euro und noch höher steigen.  

In zwei Jahren soll der Umsatz sogar die Marke von 400 Millionen Euro knacken. Ein Vorsteuerergebnis von 40 Millionen Euro wurde schon vorausgesagt. Da wäre im 2024 ein Gewinn von 6,0 bis 7,0 Euro drin – auf dem aktuellen Kursniveau ein 5er-KGV.  

Aber auch mit einem 7er-KGV auf Basis 2022 ist Helma günstig. Dazu kommt: Das Eigenkapital je Aktie liegt mit 32,33 Euro nicht weit unter dem aktuellen Kurs, und es gibt hohe stille Reserven. Das Vorratsvermögen von Helma betrug Ende März 311 Millionen Euro – das ist doppelt so viel wie der aktuelle Aktienkurs. Dieses Vorratsvermögen besteht im Wesentlichen aus Grundstücken, die im Durchschnitt vor vier Jahren erworben wurden und zum Anschaffungspreis bilanziert sind.  

In den letzten vier Jahren sind die Grundstückspreise in Deutschland geschätzt um etwa 40 Prozent gestiegen. Das bedeutet: Die Grundstücke im Vorratsvermögen bei Helma dürften nicht rund 300 Millionen, sondern eher 400 Millionen Euro wert sein. Helma sitzt also auf stillen Reserven im Bereich von geschätzt etwa 100 Millionen Euro! Das sind etwa 30 Euro je Aktie.

Helma scheint damit stark unterbewertet. Wir nehmen die Aktie in das Musterdepot auf. Zur Finanzierung steigen wir bei Paypal und Leonardo aus.   

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