Das EU-Paket für «Nachhaltige Finanzierung», das 2018 angekündigt wurde, richtet sich an alle Investoren: Vom Vermögensverwalter bis hin zu Pensionsfonds mit ihren Nachhaltigkeitsnachweisen, Offenlegungen, Benchmarks, ESG-Präferenzen ihrer Anleger und Umweltsiegel. Europäische Unternehmen sind von dieser Gesetzgebung zunächst ausgenommen.

Trotzdem haben sie bereits wichtige Schritte unternommen, um ihre klimapolitischen, sozialen und Governance-Massnahmen messbar zu machen. Allein deswegen hat MSCI die höchsten «Best-in-Class»-ESG-Ratings vor allem an EU-Unternehmen vergeben. Doch abgesehen von den Ratings, inwiefern sind europäische Unternehmen bei nachhaltiger Geldanlage führend?

Erneuerbare Energien gewinnen Marktanteile

Der Druck durch EU-Regulierung und Investoren führt dazu, dass europäische Energieversorger weniger auf Kohle setzen: Erneuerbare Energien gewinnen nicht nur von Kohle- sondern auch von Gas-Energie entsprechende Marktanteile.

E-Transportsysteme, Blockheizkraftwerke und industrielle Fertigungsprozesse werden den Wandel weiter antreiben. Da sauberer Strom die Energie in einer kohlenstoffarmen Welt liefert, müssen Investoren die Stromversorgung und ihre Multiplikatoren berücksichtigen.

Das ist insbesondere für Unternehmen wichtig, die vom Übergang von Kohle zu Windkraft betroffen sind, wie z.B. Danish Orsted. Bis 2025 plant das Unternehmen 200 Milliarden DKK in erneuerbare Energien zu investieren, um weiter zu wachsen.

Wachstum am Aktienmarkt

Dadurch könnten sie zwischen 2019 und 2025 mit einer Steigerung von +13 Prozent Gewinn je Aktie gemessen an der jährlichen Wachstumsrate rechnen.

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Das Unternehmen treibt zudem Projekte in Grossbritannien, Deutschland, Taiwan und zuletzt in New York voran, was die Kapazitätsauslastung auf 15 GW bringen würde — das Ziel für 2025.

Auch kleinere Unternehmen, die sich besonders stark für nachhaltige Themen wie erneuerbare Energien einsetzen, haben ihren Weg in Anlageportfolios gefunden.

Europa kann sich glücklich schätzen, dass mit Gamesa und Vestas zwei der drei weltweit führenden Unternehmen im Bau von Windkraftanlagen in Europa sitzen.

Windkraft treibt in Zukunft die Zahlen hoch

Das Wachstum ist aber noch nicht vorbei. In ihrem Offshore Wind Outlook 2019 schätzt die IEA, dass allein die globale Offshore-Windkraft bis 2030 um bis zu das 15-fache steigen könnte.

Das hiesse von rund 23 GW auf 148 GW. Und bis 2040 von 342 auf 562 GW (bei einer jährlichen Wachstumsrate von 15 Prozent).

In diesem Fall sprechen wir über eine Billionen-Dollar-Industrie. Zudem dürfte Europa, durch 30-jährige Forschungen und Entwicklungen und technologische Verbesserungen das Potential haben, bis 2040 seine Kapazität von knapp 20 GW auf fast 120 GW zu vervierfachen, so die IEA.

Grossbritannien und Deutschland sind hier führend. Wichtig ist, dass grössere Windturbinen effizienter sind und wenn diese weiterhin günstig bleiben, kann das Rentabilitätsniveau aufrechterhalten werden. Zumindest bis das für zwei Jahrzehnte ausgelegte deutsche Erneuerbare Energien Gesetz im kommenden Jahr ausläuft.

Nachhaltigkeit in der Biotech-Industrie 

Ein weiteres nachhaltiges Thema bei dem Europa sehr fortschrittlich ist, ist die Biotech-Industrie. Europa hat zwar nicht den grössten Tech-Sektor, dafür ist die Region aber ein wichtiger Standort für einige der besten und innovativsten Biotech-Unternehmen mit Lösungen für Entzündungshemmer, Krebs und Autoimmunerkrankungen.

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Diese teils jungen Unternehmen werden häufig von externen ESG-Ratingagenturen dafür kritisiert, dass sie Governance-Massnahmen noch nicht vollständig umgesetzt haben. MorphoSys, Argenx und Zealand pharma hingegen wurden dafür gelobt, dass sie Governance-Massnahmen integriert haben.

Gleiches gilt für ihre Produktsicherheit und -kontrollen und ihre Mitarbeiterpolitik. Es ist dringend notwendig, gut ausgebildete Talente anzuziehen und zu halten. Diese Kriterien sind eindeutig wichtige Faktoren für ein starkes Wachstumsprofil.

Etwas abseits der klassischen Biotechnologie sind Unternehmen, die Lösungen für die Auswirkungen des Klimawandels anbieten — Auswirkungen, die wir bereits heute erleben.

Ein Beispiel ist Danish Novozymes, das enzymatische Waschmittel herstellt, die bei niedrigeren Temperaturen weniger Wasser verbrauchen. Diese Enzyme werden auch in der Ethanol-Fermentation eingesetzt und bereiten den Weg für neue Technologien bei pflanzlichen Biokraftstoffen.

 

*Sandra Crowl, Stewardship Manager at Carmignac