Die Europäische Union (EU) hat sich auf einen digitalen Impfpass verständigt. «Der Albtraum-Sommer von 2020 wird sich nicht wiederholen», sagte der spanische Abgeordnete Juan Fernando Lopez Aguilar am Donnerstag nach der vierten und entscheidenden Verhandlungsrunde. Der Pass soll die Freizügigkeit innerhalb der EU während der Pandemie erleichtern. Das «digitale grüne Zertifikat» - in Form eines QR-Codes auf Papier oder dem Handy - soll als Nachweis für eine Impfung, einen negativen Test oder eine überstandene Covid-Erkrankung dienen.

Zusätzliche Beschränkungen wie Tests oder Quarantäne sind nur dann vorgesehen, wenn dies zum Schutz der öffentlichen Gesundheit etwa wegen einer neuen Variante notwendig ist. Eingeführt werden soll das System am 1. Juli.

Auch die Schweiz fällt unter die Vereinbarung

Unter die Vereinbarung fallen auch die Mitglieder des Schengen-Raums, die nicht zur EU gehören - Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein. Besonders die Tourismus- und Luftfahrtbranche setzt grosse Hoffnungen in ein EU-weit gültiges Verfahren zum Impfnachweis. In Deutschland werden die Impfdaten bisher nicht zentral digital erfasst, sondern im gelben Impfheft eingetragen.

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn hatte angekündigt, hierzulande den digitalen Impfpass noch vor den deutschen Sommerferien anbieten zu können. Inzwischen ist eine Debatte entbrannt, wer dann die Daten der bereits erfolgten Impfungen einspeisen soll.

Anzeige

Der Deutsche Hausärzteverband sperrt sich gegen Pläne, dass die Mediziner die Impfung nachträglich digital erfassen sollen. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände rechnet damit, dass vollständig geimpfte Bürger bereits Mitte nächsten Monats ihre gelben Impfpässe digitalisieren können. Es würden sich aber aus Mangel an Ressourcen nicht alle Apotheken daran beteiligen können, sagte ein Sprecher den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Mit der Einigung in Brüssel bekommen die EU-Länder eine Schnittstelle, auf der sie ihre nationalen digitalen Nachweise aufsetzen können. Mit der technischen Umsetzung dieser Vernetzung hat die Europäische Kommission den Walldorfer Software-Riesen SAP und die Deutsche-Telekom-Tochter T-Systems beauftragt.

Die Deutsche Telekom und SAP haben auch bereits die deutsche Corona-Warn-App entwickelt und stehen ebenfalls hinter der technischen Verknüpfung solcher Apps auf europäischer Ebene. Die Entwicklung der deutschen Impfpass-App hatte das Bundesgesundheitsministerium dagegen bei einem Konsortium um den US-Konzern IBM in Auftrag gegeben.

(reuters/gku)