Grosse internationale Messen begegnen der wachsenden Sorge über eine Ausbreitung des Corona-Virus mit verstärkten Hygienevorkehrungen und Verhaltensmassregeln. Die Genfer Messegesellschaft Palexpo erklärte zu dem in der kommenden Woche stattfindenden Autosalon, hochfrequentierte Plätze in den Messehallen sollten häufig gereinigt und desinfiziert werden. Aussteller aus «Risikogebieten» forderte die Messe am Dienstag auf, ihre Mitarbeiter selbst zu untersuchen und sicherzustellen, dass kein Anreisender in den 14 Tagen vor der Messe irgendwelche Infektionssymptome zeigte.

Eine Absage der Schau mit 150 Ausstellern und mehr als einer halben Million Besuchern ist Palexpo zufolge nach bisheriger Einschätzung der Schweizer Gesundheitsbehörden nicht notwendig. Das war der Stand am Dienstagvormittag. Eine aktuelle Einschätzung liegt nicht vor, nachdem am Dienstagnachmittag die erste Infektion mit dem Coronavirus in der Schweiz bestätigt wurde.

«Häufig und gründlich Hände waschen»

Auch die internationale Tourismusmesse ITB in Berlin beobachtet eine Woche vor dem Start die Lage genau. «Sie dürfen versichert sein, dass die Sicherheit und Gesundheit unserer Messeteilnehmer höchste Priorität für uns hat», erklärte die ITB zu Wochenbeginn. Das Bundesgesundheitsministerium stufe in Abstimmung mit dem Robert-Koch-Institut die Gefahr in Deutschland weiterhin als sehr gering ein.

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Sollte sich die Situation verändern, werde die ITB die Empfehlungen der Behörden umgehend umsetzen. Eine Pflicht zu Gesundheitschecks verhängten die Zuständigen in Berlin für die weltgrösste Tourismusmesse mit rund 10'000 Ausstellern aus mehr als 180 Ländern nicht. Absagen habe es abgesehen von sechs Ausstellern aus China bisher nicht gegeben, erklärte eine ITB-Sprecherin.

Das Personal an den Ständen zu China komme vorwiegend aus Deutschland. Zum Schutz der Besucher wird mehr geputzt und desinfiziert. Die erwarteten gut 110'000 Gäste werden zu Vorsicht gemahnt: «häufig und gründlich Hände waschen, Nies- und Hustenetikette einhalten, Hände schütteln vermeiden.»

Absage in Barcelona, und eine in Deutschland

Andere internationale Messen wurden dagegen bereits abgesagt – als erste in Europa der Mobile World Congress (MWC) in Barcelona. Nachdem etliche grosse Aussteller aus Sorge vor einer Ausbreitung der Lungenkrankheit ihre Teilnahme gestrichen hatten, wurde der MWC Mitte Februar knapp zwei Wochen vor dem geplanten Start abgesagt. Im Corona-Ursprungsland China wurden alle Branchentreffen wie etwa die für Ende April geplante Automesse Peking auf unbestimmte Zeit verschoben.

Als erste und bisher einzige in Deutschland wurde die in Frankfurt stattfindende Messe «Light + Building» wegen des Corona-Risikos von Mitte März auf September verschoben. Messegesellschaft und Gesundheitsamt bewerteten die Situation nach dem verbreiteten Auftreten des Virus in Italien kritischer.

Es werde eine mehrstufige gesundheitliche Prüfung von Messegästen aus China verlangt, die nur mit unverhältnismässigem Aufwand zu realisieren sei, teilte die Messe Frankfurt mit. Nach Deutschland stellten China und Italien die grössten Aussteller- und Besuchergruppen der Weltleitmesse für Licht- und Gebäudetechnik. Derzeit gebe es keine weitere Absage oder Verschiebung einer Messe in Deutschland, erklärte ein Sprecher des Messeverbandes AUMA.

(reuters/me)