Ärzte der University of Michigan veröffentlichten neue Resultate zum Einsatz von Tocilizumab bei schwer erkrankten Covid19-Patienten. Sie hatten das Arthritismittel – das von Roche produziert und unter dem Markennamen Actemra verkauft wird – insgesamt 78 Personen verabreicht, die in der Intensivstation auf künstliche Beatmung angewiesen waren.

Emily C. Somers,  Gregory A. Eschenauer, Jonathan P. Troost et al.: «Tocilizumab for treatment of mechanically ventilated patients with COVID-19», medRxiv, Preprint, 29. Mai 2020.

Gleichzeitig erhielten 76 Patienten die klassische Behandlung ohne Actemra. Das Resultat: Die Überlebensrate der Patienten mit dem Roche-Mittel lag um 45 Prozent höher.

Allerdings gibt es Einschränkungen: Insbesondere war die Testgruppe etwas jünger als die Kontrollgruppe (55 Jahre gegenüber 60 Jahre, Medianwert), und es war auch keine Doppelblindstudie. Die Forscher wussten, wer den Wirkstoff erhalten hatte und wer nicht.

Eigener Test – und Paket mit Gilead

Dass der Immunmodulator Actemra gegen Covid19 wirkt, wird seit längerem vermutet. Roche selber begann im März eine weltweite Phase-III-Studie, die zeigen soll, wie sich Actemra für schwer erkrankte Coronavirus-Patienten einsetzen lässt. Für die USA hatte die Gesundheitsaufsicht FDA ein «fast-track approval» dazu erteilt. Konkret besteht die Hoffnung, dass Actemra eine heilende Wirkung zeigt bei den schweren Lungenentzündungen, welche bei Virus-Opfern auftreten – und die oft tödlich verlaufen. 

Zugleich läuft eine Studie, bei der Actemra mit der HIV-Arznei Remdesivir des kalifornischen Biotech-Konzerns Gilead getestet wird. Das antivirale Heilmittel Remdesivir zeigte bei diversen Anwendungen ebenfalls hoffnungsvolle Resultate.

Nun läuft eine Phase-III-Doppelblind-Studie, die in den USA, Kanada und Europa durchgeführt wird. Erste Resultate sollen im Sommer vorliegen. Das «Doppelpack» wird bei rund 450 Patienten mit schwerer Covid-19-Lungenentzündung getestet.

rap — Hattip: «MIT Technology Review».