Der Hype um Cybersecurity

Die EU hat eine Umfrage in Bezug auf das Sicherheitsgefühl von Internetnutzern in Auftrag gegeben. Dabei sorgt sich eine deutliche Mehrheit von 77 Prozent über die Sicherheit der persönlichen Daten im Netz. Wie der für 2018 veröffentlichte Bericht des Europäischen Zentrums für Cybersecurity der Europol bestätigt, ist die Anzahl der Cyberattacken mit Schadsoftware, Datenschutzverletzungen und Zahlungsbetrügen auch im vergangenen Jahr deutlich gestiegen.

Es verwundert daher kaum, dass gemäss einer Schätzung des IT Research Unternehmens Gartner die Ausgaben für Cybersecurity stark gestiegen sind. Von 3,5 Milliarden Dollar im Jahr 2004 auf weit über 120 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Und dieser Trend sollte sich auch in den kommenden Jahren mit einem durchschnittlichen Wachstum von etwa 10 Prozent fortsetzen.

Neue Mittel im Einsatz gegen Cyberattacken

Die Angriffe im Netz werden so komplex, dass antiquierte Antiviren Programme und Firewalls nicht mehr mit der Geschwindigkeit und der Anzahl der Angriffe mithalten können. In einer von Capgemini in Auftrag gegeben Studie erwarten 69 Prozent der befragten Manager von Unternehmen weltweit, dass man künftig künstliche Intelligenz einsetzen muss, um der steigenden Anzahl der Cyberattacken Herr zu werden.

Während bei der künstlichen Intelligenz grosse Datenmengen benötigt werden und Datenanalysten langwierige Prozesse etablieren müssen, sorgt ein anderes Segment der Cybersecurity aktuell für einen Hype: die Cloud Computing Security. Cloud Computing bedeutet, dass Softwares nicht mehr lokal auf eigenen Servern installiert werden, sondern über eine Cloud abgerufen werden. Dabei wird dem zugriffsberechtigten Nutzer lediglich Zugang zu der jeweiligen App gewährt, nicht jedoch zum gesamten Netzwerk. Dies führt neben geringeren Kosten auch zu einer höheren Sicherheit.

Zwei neue Player auf dem Markt

ZScaler und CrowdStrike sind zwei Unternehmen, die sich auf eben dieses Geschäft spezialisiert haben. Seit dem Börsengang von ZScaler im März 2018 sind die Aktien vom Ausgabepreis bei 16 Dollar bis auf 89.54 Dollar gestiegen – ein Plus von 460 Prozent in knapp eineinhalb Jahren. Und auch der Börsengang von CrowdStrike im Juni 2019 war ein voller Erfolg. Von seinem Ausgabepreis bei 34 Dollar schossen die Aktien innerhalb von nur knapp zwei Monaten auf 101.88 Dollar.

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In dieser Woche wurde der Hype jedoch jäh unterbrochen. Nachdem Analysten von OTR Global den Ausblick von ZScaler wegen der zunehmenden Konkurrenz in dem Segment auf negativ heruntergestuft haben, fiel die Aktie um mehr als 11 Prozent auf unter 70 Dollar.

Dies zeigt, dass die Branche noch auf sehr wackligen Beinen steht. Während Marktführer wie Cisco und Symantec mit einer Price-to-Sales Ratio von vier bewertet werden, liegt diese Ratio bei ZScaler mit 33 und bei CrowdStrike mit 68 deutlich höher. Zwar weisen beide Unternehmen aktuell hohe zweistellige Wachstumsraten auf, doch erwirtschaften sowohl ZScaler als auch CrowdStrike nach wie vor Verluste in Millionenhöhe.

Übertreibungen

In einem renditelosen Zinsumfeld scheinen Investoren zu Übertreibungen bei den Unternehmensbewertung bei IPOs zu neigen. Dabei erinnert die hohe Erwartungshaltung bei den Geschäftsmodellen im Ansatz jener während der Dotcom-Blase Anfang des Jahrtausends.

ZScaler wird seine Zahlen zum vierten Quartal 2019 am 10. September veröffentlichen. Auch wenn der Sektor der Cybersecurity zukünftig eine noch wichtigere Rolle spielen wird, ist trotz des Hypes Vorsicht geboten.

*Christos Maloussis ist Market Analyst und Premium Client Manager bei der IG Bank.