Die Schweizerische Nationalbank hat in der vergangenen Woche offenbar am Devisenmarkt eingegriffen, um den Franken zu schwächen. Dies legen die am Montag veröffentlichten Daten zu den Sichtguthaben nahe. Die Sichtguthaben von Banken und Bund bei der Notenbank stiegen in der vergangenen Woche um 3,5 Milliarden auf 595,8 Milliarden Franken (559,3 Milliarden Euro), wie die SNB mitteilte. Bereits in den Wochen davor hatten sie zum Teil kräftig angezogen: Sei Ende Januar sind sie insgesamt um rund sieben Milliarden Franken gewachsen.

Die Entwicklung der Sichtguthaben gilt als Indiz dafür, ob die SNB am Devisenmarkt interveniert, um den Franken gegenüber der Hauptexportwährung Euro zu schwächen. Die Zentralbank kauft Euro und schreibt den Banken den entsprechenden Franken-Betrag auf deren SNB-Konten gut. Ein Sprecher der Notenbank lehnte eine Stellungnahme ab.

«Die SNB greift derzeit eindeutig ein», sagte Claude Maurer, Ökonom bei der Credit Suisse. Die Währungshüter wollten den Märkten zeigen, dass sie aktiv seien und eine zu schnelle Aufwertung des Frankens verhindern wollten. Ein Franken-Anstieg macht Schweizer Waren im Ausland teurer und schwächt damit die exportorientierte Wirtschaft des Landes. Um dem entgegenzusteuern, setzt die SNB seit mehr als fünf Jahren auf rekordtiefe Negativzinsen von minus 0,75 Prozent und kauft zudem bei Bedarf Euro.

Ein Euro kostet 1,06 Franken

Der Franken war in der vergangenen Woche zum Euro auf den höchsten Stand seit mehr als viereinhalb Jahren geklettert, weil die Anleger aus Angst vor den Folgen der Coronavirus-Ausbreitung für die globale Wirtschaft in Scharen in die als sicherer Hafen geltenden Schweizer Währung flüchteten. Die Epidemie erhöht laut SNB-Vizepräsident Fritz Zurbrügg die Konjunkturrisiken. Am Montag kostete der Euro 1,0655 Franken. 

(reuters/mlo)