Die im Verbund Opec+ vereinigten Öl-Länder haben sich nach zähem Ringen auf eine neue Förderbremse verständigt. Damit wollen sie dem Preisrutsch ihres wichtigen Exportguts Einhalt gebieten. Die Staatengruppe, zu der neben den Mitgliedern des Exportkartells Opec weitere Staaten wie Russland gehören, einigte sich auf eine Kürzung der Tagesproduktion um zehn Millionen Barrel (je 159 Liter), wie sie am späten Donnerstagabend mitteilte.

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Dies entspricht etwa zehn Prozent des weltweiten Angebots. Die Vereinbarung hängt aber noch davon ab, dass sich Mexiko ihr anschliesst. Zudem hofft die Opec+, dass auch die USA und weitere Ölförderländer einen Beitrag zur Stabilisierung der Ölpreise im Zuge der Corona-Krise leisten und ihre Produktion kürzen. Beratungen darüber sollen am Freitagnachmittag bei einer Videokonferenz der Energieminister der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) folgen.

Opec-Schwergewicht Saudi-Arabien, Gastgeber der G20-Videoschalte, forderte Mexiko auf, sich der Einigung anzuschliessen. «Das ganze Abkommen hängt davon ab, dass Mexiko ihm zustimmt», sagte Energieminister Prinz Abdulasis bin Salman am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Er hoffe, dass Mexiko den Nutzen nicht nur für sich, sondern für die ganze Welt erkennen werde.

Die angepeilte Kürzung solle für die beiden Monate Mai und Juni gelten. Danach solle die Fördermenge weiter reduziert werden. Ein weiteres Opec+-Treffen mittels Videokonferenz solle am 10. Juni stattfinden, um die Lage am Ölmarkt zu sondieren. Die Opec+-Gruppe setzt zudem darauf, dass andere Öl-Staaten mit Produktionskürzungen zu einer weiteren Senkung der Fördermenge um fünf Millionen Barrel am Tag beitragen.

Ölmarkt stabilisieren

Erschwert wurden die Gespräche durch den Nachfrage-Einbruch wegen der Coronavirus-Pandemie und die Weigerung der USA, die Produktion ebenfalls zu drosseln. Die US-Schieferölförderer brauchen Experten zufolge wegen ihrer teureren Fracking-Technik einen Ölpreis von etwa 50 Dollar je Barrel (159 Liter), um profitabel zu arbeiten. Die US-Ölsorte WTI kostet derzeit nur etwa 23 Dollar. Die ersten Schieferöl-Firmen haben bereits Gläubigerschutz beantragt.

US-Präsident Donald Trump erklärte nach einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem saudi-arabischen König Salman, er gehe davon aus, dass die Opec und andere Länder bald eine Einigung bekanntgeben würden. «Die Opec hat sich heute getroffen, und ich würde sagen, sie kommen einem Abkommen näher. Wir werden es bald herausfinden», sagte er. Russland erklärte nach dem Gespräch, Putin, Trump und König Salman hätten das Ziel bekräftigt, den Ölmarkt zu stabilisieren.

Auslöser des Preisverfalls war Anfang März die Weigerung Russlands, die Fördermengen wegen der Coronavirus-Krise weiter zu drosseln. Durch die Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie ist der weltweite Rohöl-Bedarf binnen weniger Wochen um etwa ein Drittel oder 30 Millionen Barrel pro Tag zurückgegangen.

(reuters/mlo)