Die japanische Wirtschaft ist im zweiten Quartal stärker gewachsen als bislang angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt legte von April bis Juni mit einer Jahresrate von 1,9 Prozent zu, wie die Regierung am Mittwoch in Tokio mitteilte.

Eine erste Schätzung hatte lediglich ein Plus von 1,3 Prozent ergeben. Die Korrektur wurde vor allem deshalb notwendig, weil die Unternehmen mehr investierten als zunächst angenommen. Dennoch hinkt die nach den USA und China drittgrösste Volkswirtschaft der Welt bei der Erholung von der Corona-Krise hinterher.

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Langsamer Aufschwung

«Japans Aufschwung reicht nicht an den der anderen Industrieländer heran», sagte der Chefvolkswirt des Instituts Norinchukin, Takeshi Minami. So wuchs das Bruttoinlandsprodukt im Frühjahr um 0,5 Prozent zum Vorquartal, während etwa Deutschland ein Plus von 1,6 Prozent schaffte. «Bis zu einer vollständigen Erholung wird es noch bis mindestens Anfang kommenden Jahres dauern», sagte Minami.

Engpässe bei Halbleitern machen den japanischen Autobauern und anderen Exporteuren zu schaffen, während es zugleich Hinweise auf eine nachlassende Konjunktur beim wichtigen Handelspartner China gibt. Steigende Corona-Infektionen könnten zudem die Kauffreude der Verbraucher im Sommer getrübt haben.

Regierungspartei sucht neuen Chef

Hinzu kommt nun auch politische Unsicherheit. Der weitgehend glücklos agierende Regierungschef Yoshihide Suga tritt nach nur einem Jahr im Amt ab. Er war wegen seiner Corona-Politik in die Kritik geraten und hatte dramatisch an Popularität verloren. Der 72-Jährige kündigte vorige Woche an, er werde sich Ende September nicht um eine Wiederwahl als LDP-Chef bemühen. Die Nachfolge Sugas entscheidet sich Ende des Monats bei den Wahlen um die Führung der LDP, die die Mehrheit der Parlamentsabgeordneten stellt.