Im Interview mit der «NZZ am Sonntag» erklärt Thomas Jordan, Präsident der Nationalbank, bei Bedarf bestehe «durchaus die Möglichkeit für weitere Senkungen»: «Die Phase der tiefen Zinsen könnte noch länger anhalten und auch eine weitere Lockerung der Geldpolitik ist unter Umständen notwendig.»

Allerdings hat die Kritik gegen den negativen Leitzins von aktuell minus 0,75 Prozent stark zugenommen. Diese erschwerten die Finanzierung der künftigen Renten und führten zu einer Umverteilung von den Sparern zu den Schuldnern, hält die Bankiervereinigung in einem Positionspapier fest.

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«Für unsere Wirtschaft wird das zu einem erheblichen Problem – man kann den angerichteten Schaden bereits feststellen», sagte UBS-Chefökonom Daniel Kalt diese Woche in der «Financial Times».

Jordan: Mieter sparen Geld

Thomas Jordan entgegnet im Interview mit der «NZZ am Sonntag» auf diese Kritik, viele Akteure würden vom Tiefzinsumfeld profitieren. «Bund, Kantone und Gemeinden bezahlen weniger für ihre Schulden, was letztlich den Steuerzahlern zu Gute kommt. Auch die Hauseigentümer und Mieter sparen dank den tiefen Zinsen viel Geld.»

Wenn die Nationalbank die Leitzinsen jetzt erhöhe, würde sich die wirtschaftliche Lage verschlechtern und die Arbeitslosigkeit wäre höher, betont Jordan. Eine solche Situation helfe niemandem. «Wir haben den Negativzins ja nicht eingeführt, um den Leuten zu schaden. Das pure Gegenteil trifft zu.»