Am Ende ist es schnell gegangen. Dass Lonza Optionen für das LSI-Geschäft evaluiert, ist zwar schon seit einem Jahr bekannt. Der Entscheid sollte aber irgendwann im zweiten Halbjahr 2020 gefällt werden.

Zur Debatte standen vier Varianten: Lonza behält das Geschäft, verkauft es, spaltet es ab oder bringt es an die Börse. Nun wird also ein Käufer gesucht. Und Lonza kann sich auf seine Rolle als Produktionspartner der Pharma- und Biotechindustrie konzentrieren. Das in der Sparte Lonza Specialty Ingredients (LSI) gebündelte Chemiegeschäft - die Wurzeln des Unternehmens sozusagen - wird nun zum Verkauf ausgeschrieben.

Der Zeitpunkt für einen Verkauf ist nach Ansicht von Lonza «optimal». Die lange Jahre schwächelnde SLI-Sparte habe während der Covid-19-Pandemie gut abgeschnitten. Zum Portfolio gehören unter anderem Desinfektionsmittel sowie Hygiene- und Körperpflegeprodukte.

Glanzstück Pharma

Doch das Glanzstück bei Lonza ist und bleibt das zweite Segment Pharma Biotech & Nutrition (LPBN), das Dienstleistungen für die Pharmabranche erbringt. Dessen zweistelliges Umsatzwachstum und die «robusten» Margen hätten auch zuletzt die Performance bei LSI mehr als wettgemacht.

In Zahlen ausgedrückt stagnierte bei LSI der Umsatz im ersten Semester bei 819 Millionen Franken und der operative Gewinn «Kern-EBITDA» ging um 1,2 Prozent auf 161 Millionen zurück. Die Marge stieg aber leicht auf 19,7 Prozent - aus Sicht von Lonza ein gutes Verkaufsargument.

Ganz anders die Zahlen beim Segment LPBN, das unter anderem Pharmakonzerne mit Wirkstoffen für Medikamente beliefert. Hier kletterten die Verkäufe um 10,8 Prozent auf 2,22 Milliarden Franken und der Kern-EBITDA um 9,7 Prozent auf 760 Millionen.

Beide Teile zusammengenommen, steigerten die Basler ihren Umsatz von Januar bis Juni in Lokalwährungen um 7,7 Prozent auf 3,07 Milliarden Franken. Der starke Franken forderte allerdings seinen Tribut. Das in Franken ausgewiesene Umsatzplus beträgt nur 3,3 Prozent.

Davon blieben 706 Millionen Franken als Betriebsgewinn «Kern-EBITDA», 9,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Die entsprechende Marge erhöhte sich um 1,3 Prozentpunkte auf 29,1 Prozent.

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Unter dem Strich stand ein Reingewinn von 478 Millionen Franken zu Buche. Mit den ausgewiesenen Zahlen hat Lonza die Schätzungen der Analysten übertroffen.

«Pandemietempo»

Viel geredet wurde in den letzten Wochen über die Zusammenarbeit mit der US-Firma Moderna. Lonza soll den Wirkstoff für die begehrte Impfung herstellen, sobald sie auf den Markt kommt. Modernas Impfstoffkandidat gehört zu den am weitesten fortgeschrittenen in den klinischen Entwicklung.

Lonza und Moderna hatten ihre zehnjährige strategische Zusammenarbeit im Mai bekanntgegeben. Die Zusammenarbeit wurde seither im «Pandemietempo» vorangetrieben, erklärte Lonza nun.

Man habe den Technologietransfer bereits abgeschlossen und Lonza werde die erste Charge voraussichtlich bis Ende Juli 2020 in seiner US-Anlage in Portsmouth herstellen.

Prognose ist zurück

Die Zuversicht über den Geschäftsgang bei Lonza ist den letzten Monaten offenbar gestiegen. Das Unternehmen bekräftigt jedenfalls seine zu Jahresbeginn abgegebene Prognose für 2020. Im April noch hatte Lonza darauf verzichtet, die Guidance zu bekräftigen.

Demnach gilt wieder: Lonza will 2020 ein Umsatzwachstum über dem mittleren einstelligen Bereich erzielen sowie eine stabile Kern-EBITDA-Marge. 2019 lag die genannte operative Gewinnmarge bei 27,4 Prozent.

Allerdings gibt es noch einen Disclaimer: Alle Prognosen seien vor dem Hintergrund der weltweit unsicheren Lage "mit besonderer Vorsicht" zu geniessen, schreib Lonza.

(awp/tdr)