Dan Staner (53) ist gegen Covid-19 geimpft. Die erste und zweite Dosis hat er längst vor Monaten erhalten. Kein Wunder: Der Waadtländer steht im Sold von Moderna. Beim Impfstoffhersteller – Partnerfirma von Lonza im Wallis – ist Staner Europa-Chef, aber auch verantwortlich für die Regionen Naher Osten und Afrika.

Von der Europazentrale in Basel aus steuert er sein Unternehmen, dessen Name vor der Corona-Pandemie kaum einem Menschen etwas sagte. Aber nun eine weltweit bekannte Marke ist.

Im Gespräch mit Blick sagt Staner, dass ihm die vierte Welle Sorge bereite. Schnell steigende Neuansteckungen und vor allem die stockende Durchimpfung in der Schweiz beunruhigen ihn: «Ich denke, hier könnten wir viel besser sein.» Impfzögerern macht er Mut. «Nach der zweiten Impfdosis ging es mir nicht besonders gut.

Ich hatte die üblichen Nebenwirkungen wie viele andere auch. Dafür weiss ich jetzt, dass ich zu fast 95 Prozent vor Covid geschützt bin», sagt Staner. Zu den üblichen Nebenwirkungen gehören etwa Schüttelfrost und Kopfschmerzen.

Wie lange der Schutz wirklich anhält, ist noch nicht restlos geklärt. Vor wenigen Tagen publizierte Moderna vielversprechende Zahlen dazu: Gemäss einer konzerneigenen Studie beträgt die Schutzwirkung der Impfung nach sechs Monaten immer noch 93 Prozent.

Booster-Zulassung im Herbst

Wie es ein Jahr nach der Vollimpfung um den Corona-Schutz steht, weiss derzeit noch keiner. Manche Staaten haben vorsichtshalber bereits mit Auffrischimpfungen begonnen, darunter Israel. Auch in der Schweiz verabreichen diverse Kantone bereits dritte Impfdosen. Etwa Zürich, Basel-Stadt und Bern. Allerdings: Die dritte Dosis erhalten hierzulande bisher nur Leute mit einer besonderen Immunschwäche.

Für die breite Bevölkerung ist eine dritte Dosis als Booster nicht zugelassen. Noch nicht. Doch die klinische Entwicklung der angepassten Impfstoffe für die Auffrischung schreitet schnell voran, so Staner.

Impfung an einer aelteren Frau

Auch in der Schweiz erhalten einzelne Menschen bereits eine dritte Impfdosis. Es handelt sich dabei aber um Personen mit einer Immunschwäche.

Quelle: keystone/sda

«Wir entwickeln die Booster-Impfung nicht nur für ältere Menschen oder solche mit einem schwachen Immunsystem. Sondern für alle», betont er. Moderna arbeitet aktuell an drei unterschiedlichen Booster-Impfungen. «Die Booster werden wahrscheinlich besser gegen neue Virusvarianten schützen, auch gegen Delta. Wir sind hierzu im Gespräch mit den zuständigen Behörden. Wir erwarten eine Zulassung im vierten Quartal, also irgendwann zwischen Oktober und Dezember.» Danach dauert es noch einmal bis zu drei Monate, bis die Booster-Impfung auf den Markt kommt.

Das deckt sich mit der Einschätzung von Patrick Mathys (51) vom BAG und Taskforce-Chefin Tanja Stadler (40). «Ich denke, dass Booster-Impfungen mittelfristig auch uns zukommen werden», sagte Mathys am Dienstag an einer Experten-Pressekonferenz des Bundes. Stadler rechnet damit, dass diese im Herbst zum Thema werden.

Bis die breite Bevölkerung den Booster aber erhält, dürfte es 2022 werden. Ein offizielles Zulassungsgesuch hat Moderna noch nicht eingereicht, bisher laufen erst Vorgespräche. Der Bund hat sich für das neue Jahr jedenfalls bereits 7 Millionen Moderna-Impfdosen gesichert. Dan Staner selbst will sich den Booster holen, sobald er verfügbar ist: «Ich will nicht, dass meine Immunität nachlässt. Besonders jetzt mit der Delta-Variante. Die beunruhigt mich sehr.»

Dieser Text erschien zuerst im «Blick» unter dem Titel: «Delta bereitet mir grosse Sorgen».

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