Die SP ist bei den Ständeratswahlen die Verliererin. Statt zwölf Mandate wie in der laufenden Legislatur hat sie nun noch neun. Daran ändert der überraschende Wahlsieg von Marina Carobbio im Tessin nichts.

Im Tessin endete die Wahl mit einem politischen Erdbeben: CVP-Fraktionschef Filippo Lombardi wurde nicht wiedergewählt, und die FDP verlor ihren Sitz. Neue Tessiner Ständeräte sind Marco Chiesa (SVP) und Marina Carobbio Guscetti (SP).

Erste Tessiner Ständerätin

Die amtierende Nationalratspräsidentin schlug CVP-Fraktionschef Lombardi um gerade einmal 45 Stimmen und wird erste Ständerätin des Tessins. Lombardi muss nach der verpassten Wiederwahl nach 20 Jahren in der kleinen Kammer seinen Sessel räumen. 2012/13 war er Präsident des Ständerates.

Historisch ist zudem der Sitzverlust der FDP. Ihr gelang es nicht, mit Giovanni Merlini den Sitz des zurückgetretenen Fabio Abate zu halten. Zum ersten Mal in der Geschichte sind damit die Tessiner Freisinnigen im Stöckli nicht mehr vertreten.

42 der 46 Ständeratssitze sind mittlerweile vergeben. Verliererin ist die SP. Sie verliert 3 ihrer 12 Sitze und kommt noch auf 9 Mandate. Sie verlor in der Waadt und in Neuenburg je einen Sitz an die Grünen. Auch der Aargauer SP-Sitz geht verloren - SP-Kandidat Cédric Wermuth zog sich zu Gunsten der Grünen zurück.

Die CVP stellt mit 12 Sitzen (bisher 14) nach derzeitigem Stand die grösste Ständeratsdelegation. Vor Lombardi verlor vor einer Woche bereits der Freiburger CVP-Vertreter Beat Vonlanthen seinen Sitz. Dicht danach folgt die FDP mit 11 (bisher 12) Mandaten.

Karten für FDP und Grüne

Die FDP konnte mit Johanna Gapany der CVP in Freiburg einen Sitz abnehmen, hat aber ihren Tessiner Sitz verloren. Gelaufen ist das Rennen für die Freisinnigen noch nicht. Sie hat in einer Woche im Aargau mit Thierry Burkart noch einen aussichtsreichen Kandidaten im Rennen, und auch im Baselbiet tritt sie zur Stichwahl an.

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Die SVP hat nach den jüngsten Erfolgen im Tessin und in Bern ihre heute fünf Sitze im Ständerat auf sicher - auch ihr Aargauer Kandidat Hansjörg Knecht lag im ersten Wahlgang vorn. In Bern nimmt Werner Salzmann auf dem bisherigen BDP-Sitz Platz - Werner Luginbühl war nicht zur Wiederwahl angetreten. Die BDP ist im Ständerat nicht mehr vertreten.

Für die Grünen bleibt es bei vier Sitzen, vorderhand. Ihre Parteipräsidentin Regula Rytz musste sich im Kanton Bern mit dem dritten Rang bescheiden. Und in Zürich schlug der Bisherige Ruedi Noser (FDP) die grüne Kandidatin Marionna Schlatter deutlich.

Die Grünen haben aber noch Karten, die stechen könnten. Im Baselbiet wird in einer Woche Maya Graf von den Grünen gegen Daniela Schneeberger (FDP) zur Stichwahl antreten. Und auch im Aargau ist mit Ruth Müri eine Grüne in der Endausmarchung.

Frauenrekord egalisiert

Fest steht nach den bisherigen Wahlgängen, dass der Frauenrekord im Ständerat von 2003 fällt. Vor 16 Jahren wurden elf Ständerätinnen gewählt. Carobbio ist zwar die einzige am Sonntag gewählte Frau, aber insgesamt die elfte. Der Rekord wird am kommenden Wochenende Geschichte sein, wenn das Baselbiet seine Ständerätin wählt.

Am kommenden Sonntag werden die letzten vier Sitze in der kleinen Kammer vergeben, in den Kantonen Aargau, Schwyz und Basel-Landschaft. Die SP hat keine Karten mehr im Spiel; für sie tritt in den drei Kantonen niemand zum zweiten Wahlgang an.

Sechs Kantone - Bern, Zürich, St. Gallen, Solothurn, Zug und Tessin - wählten am Sonntag ihre Ständevertretung. In Bern standen ein Ticket mit Hans Stöckli (SP, bisher) und Regula Rytz (Grüne) sowie Werner Salzmann (SVP) und Christa Markwalder (FDP) zur Wahl. Die Stimmenden bedienten sich auf beiden Seiten und wählten Stöckli und Salzmann.

Noser bleibt Zürcher Ständerat

Im Kanton Zürich setzte sich der Bisherige Ruedi Noser (FDP) gegen Marionna Schlatter (Grüne) klar durch. In St. Gallen entschieden sich die Wähler für die beiden Bisherigen Benedikt Würth (CVP) und Paul Rechsteiner (SP). Angreifer Roland Rino Büchel von der SVP landete auf dem dritten Platz.

Weitere Angriffe der SVP blieben chancenlos. In Solothurn schaffte Roberto Zanetti (SP) den Sprung ins Stöckli im zweiten Wahlgang klar und distanzierte SVP-Herausforderer Christian Imark deutlich. Und in Zug schlug Matthias Michel (FDP) den SVP-Kandidaten Heinz Tännler. Die Kandidatin von Die Alternative - die Grünen (ALG) unterlag klar.

(sda/mbü)