Morten Hannesbo war der Autokönig der Schweiz. Von 2009 bis 2021 steuerte er den Amag-Konzern: 6600 Mitarbeitende, fast 5 Milliarden Franken Umsatz in der Spitze, präsidiert von Martin Haefner. Jetzt ist Hannesbo Profiverwaltungsrat. Sein neustes Mandat: Boyden, ein Headhunter, geführt vom ehemaligen Kuoni-Chef Armin Meier.

Hannesbo verkündet die Nachricht auf Linkedin. «Ich freue mich sehr, mitteilen zu können, dass ich ab dem 1. September 2022 als Verwaltungsrat zu Boyden Switzerland stossen werde», schreibt er auf dem Karriereportal. Er freue sich auch auf die Zusammenarbeit mit Armin Meier und darauf, «in die Welt des Headhunting einzutauchen».

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Es ist das zweite Mandat, das er seit seinem Abgang bei Amag angenommen hat. Das erste war jenes beim Wohlener Fahrzeugdienstleister KSU A-Technik. Seit längerem ist der begeisterte Rennvelofahrer zudem beim Sportartikler Scott und beim Verband Swiss eMobility engagiert, wo er sich für den Ausbau der Elektromobilität einsetzt.

Neuland für Hannesbo

Das Boyden-Mandat ist tatsächlich Neuland für den Dänen, der sonst den Fahrtwind sucht. 10’000 Kilometer macht er laut eigenen Angaben jedes Jahr mit dem Velo. «Ich habe die meisten Schweizer Pässe mit dem Rad erlebt und versuche, drei- bis fünfmal die Woche aufs Rad zu steigen», sagte er noch vor wenigen Monaten gegenüber der «Handelszeitung».

Amag: Martin Haefner bleibt am Steuer

 

Der Autohandelsriese Amag hat sich neu erfunden – diese abgegriffene Formulierung ist hier, für einmal, tatsächlich angebracht. Das Unternehmen bezog Ende 2019 einen neuen Hauptsitz in Cham, hat die interne Organisation auf mehr Marktnähe ausgerichtet und nennt sich nun konsequent Amag Group.

Sie hat sich von einer eher skeptischen Haltung zur E-Mobilität hin zu einem Vorreiter der Bewegung gemausert, zuletzt ambitionierte Initiativen gestartet, um den eigenen ökologischen Fussabdruck zu verkleinern – und sich dafür auch öffentlich Reduktionsziele gesetzt. So soll die eigene Geschäftstätigkeit schon 2025 klimaneutral sein – das Ganze operativ getrieben von Gruppen-CEO Helmut Ruhl und seinem Vorgänger Morten Hannesbo.

Verantwortet und mit vollem Engagement mitgetragen wird der Umbau von Amag-Eigentümer Martin Haefner. Mehr hier.

Er liebt die Mobilität. In der Garage steht unter anderem ein 1970er Porsche 911 T – ein Liebhaberstück. Im Alltag setzt er auf einen vollelektrischen Porsche Taycan. Eine PS-Maschine, sportlich, kräftig, schnell.

Aber Hannesbo ist auch ein begnadeter Netzwerker, eine grosse Nummer in der Schweizer Wirtschaft – nach über einem Jahrzehnt an der Spitze des VW-Importeurs und nach über zehn Jahren unter Amag-Eigner Martin Haefner. In Sachen oberste C-Level-Erfahrung bei einem Milliardenkonzern schlägt er selbst Armin Meier, der Kuoni von 2005 bis 2007 leitete.

Liebe für die Leute

Um als Headhunter erfolgreich zu sein, müsse man Menschen gern haben, sagte einst Meier. Bei Hannesbo kein Problem. Legendär sind seine SMS, die er jeweils mittwochs an Amag-Angestellte verschickte. Unter Hannesbo herrschte auch Kontinuität im Amag-Management: Viele Topleute blieben lange beim Autokonzern – ein Zeichen für gute Führung.

Ein weiteres, gutes Zeichen: Hannesbo zog nach über zehn Jahren auf der Amag-Kommandobrücke nicht in den Amag-Verwaltungsrat ein, obschon er explizit auf der Suche nach VR-Mandaten war. Das war mit Martin Haefner abgesprochen. Als langjähriger CEO wäre er zu nah und zu tief im Geschäft gewesen – aus Gründen der Good Corporate Governance nicht ideal. Deshalb erfolgte ein klarer Schnitt, was noch lange nicht bei jedem Schweizer Unternehmen so gehandhabt wird.

Hannesbo hatte schliesslich in den Jahren als Amag-Manager immer wieder Berührungspunkte mit der Szene der Headhunter. Zu seinen Vertrauten gehörte unter anderem Bjørn Johansson, der «Königsmacher» («Bilanz»). Johansson hat unter anderem Nestlé und Mark Schneider zusammengebracht. Der Mobiliar vermittelte er Urs Berger, der Swiss Life Patrick Frost.  

300 Reichste

 

Die «Bilanz» veröffentlicht regelmässig das Ranking der 300 Reichsten der Schweiz. Martin Haefner gehört dazu. Sein Vermögen wird auf über 4 Milliarden Franken geschätzt. Mehr lesen Sie hier

Mehr zu Martin Haefner – und zu seiner Schwester Eva Maria Bucher-Haefner – lesen Sie ausserdem hier: