Ridesharing und Ridehailing – ersteres bezeichnet Dienste wie Uber und letzteres Fahrgemeinschaften wie beispielsweise Hitchhike – haben in städtischen Ballungsräumen einen rasanten Aufstieg erfahren. Zumindest bis die Pandemie kam.

Und morgen – wie sieht es dann aus? Anhaltend hohe Benzinpreise könnten die Bereitschaft, für die Instandhaltung, das Parken und die Wartung von Privatfahrzeugen zu zahlen, verringern. Das dürfte dem Ridesharing neue Wachstumsmöglichkeiten bescheren. Wer ist schon bereit, Unsummen für ein privates Auto auszugeben, wenn es 95 Prozent der Zeit nicht benutzt wird? Es ist schwer vorstellbar, dass der Autobesitz in den Städten zunimmt – insbesondere mit Blick auf die steigenden Kosten für Garagen und Parkplätze.

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Bequem, aber nicht billig

Je weniger Personen in den Städten ein eigenes Auto haben, desto besser für die öffentliche Mobilität. Und wenn sich Menschen im öffentlichen Nahverkehr wieder wohler fühlen, dann könnten Ridesharing und Ridehailing wieder stärker in den Fokus rücken und ein Sektor werden, in den es sich zu investieren lohnt. Erste Anzeichen dieser Entwicklung sind bereits erkennbar: Das Aufkommen von Ridesharing-Fahrten hat sich beinahe wieder auf den Stand von vor der Pandemie erholt.

Die aussichtsreichsten Geschäftsmodelle dürften aktuell diejenigen sein, die Ridesharing mit einem Lieferdienstangebot verbinden.

Ridesharing ist bequem, aber nicht billig, und wird derzeit vor allem von der mittleren Oberschicht genutzt. Wenn die Konjunktur weiter schwächelt, kann es aber sein, dass sich die Ridesharing-Nutzenden dafür entscheiden, Geld zu sparen und auf die weniger bequemen, aber billigeren, öffentlichen Verkehrsmittel umzusteigen. 

 

Konkurrenz nimmt zu

Schliesslich ist noch unklar, wie sich die Neuordnung der Arbeitswelt – die Stichworte sind Remote-Working und Homeoffice – auf die neuen Fahrdienste auswirken wird. Eine vollständige Rückkehr ins Büro dürfte nur für die wenigsten Mitarbeitenden in Frage kommen. Damit reduziert sich auch die Zahl derjenigen, die potenziell einen Fahrdienst nutzen. Wer weniger häufig pendelt, stellt sich möglicherweise die Frage, ob ein eigenes Auto überhaupt nötig ist oder ob es nicht attraktiver wäre, eine Kombination aus Mitfahrdiensten und öffentlichem Verkehr zu nutzen.

Einige der grössten Automobilkonzerne reagieren bereits auf diese Entwicklungen und testen neuartige Abonnementsmodelle oder beginnen, diese in ihr traditionelles Verkaufsgeschäft zu integrieren. Das könnte kurz- bis mittelfristig einen wichtigen Wandel der bisherigen Geschäftsmodelle bewirken – und besonders für die Ridehailing-Dienste eine Konkurrenz darstellen. Es ist davon auszugehen, dass das Investitionsumfeld für Start-ups in dem Bereich heute schwieriger ist als vor der Pandemie. Viele dieser Dienste wurden kurz vor der Corona-Pandemie gegründet und haben folglich keine lange Erfolgsbilanz. 

Zukunft vor der Tür

Die aussichtsreichsten Geschäftsmodelle dürften aktuell diejenigen sein, die Ridesharing mit einem Lieferdienstangebot verbinden. Diese Kombination erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Fahrzeuge möglichst immer ausgelastet sind und so die Wirtschaftlichkeit maximiert wird. Elektrofahrzeuge und autonome Fahrsysteme werden eine wichtige Rolle in den Ridesharing- und Ridehailing-Netzwerken der Zukunft spielen. Einige Mobilitätsunternehmen entwerfen bereits heute die Verkehrsknotenpunkte und -netze der Zukunft. 

Den wirklichen Wendepunkt der Mobilitätsrevolution werden allerdings erst vollständig autonome, elektrische Ride-Sharing-Robo-Taxis bringen, die weder menschliche Fahrer, noch fossile Brennstoffe benötigen. Solche Ideen klingen nach Science Fiction, doch sie sind gar nicht so weit hergeholt: Viele Konzerne arbeiten bereits an autonomen Fahrzeugen und sie verfügen auch über die notwendigen Fähigkeiten, um Lösungen in diesen Bereichen anbieten zu können.

Das kommende Jahrzehnt wird grosse Veränderungen in der Mobilitätslandschaft bringen. Doch eines ist klar: Den Mobilitätsanbietern mit erfolgreichen Geschäftsmodelle der Zukunft winken hohe Gewinne.

Frank Goguen, Portfoliomanager BNY Mellon IM, London