Twitter ändert nach der Kontroverse um die Blockade von Links zu einem umstrittenen Zeitungsartikel über Joe Biden seine Regeln für den Umgang mit durch Hacking erbeuteten Inhalten. Sie würden künftig nur noch in den Fällen gesperrt, wenn sie direkt von den Hackern veröffentlich werden, teilte die zuständige Twitter-Managerin Vijaya Gadde in der Nacht zum Freitag mit. Damit wolle der Kurznachrichtendienst auch den unbeabsichtigten Konsequenzen unter anderem für Journalisten Rechnung tragen.

Die Zeitung hatte am Mittwoch berichtet, eine E-Mail, die auf einem Notebook in einer Reparaturwerkstatt gefunden worden sei, deute auf ein Treffen des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden mit einem Geschäftspartner seines Sohnes Hunter im Jahr 2015 hin.

Ein Sprecher von Bidens Wahlkampfteam betonte in einer Stellungnahme an die Website «Politico»: «Wir haben Joe Bidens offizielle Zeitpläne aus dieser Zeit geprüft - und es gab nie ein Treffen, wie es von der «New York Post» behauptet wurde.» Joe Biden hatte stets gesagt, dass er sich mit seinem Sohn nicht über dessen Geschäftsaktivitäten unterhalten habe.

Massive Kritik von republikansicher Seite

Twitter liess Nutzer von Mittwochnachmittag an keine Links zu dem Artikel mehr veröffentlichen oder verschicken. Twitter begründete das zunächst mit einem Verstoss gegen Regeln für durch Hacking erbeutete Inhalte. Später verwies der Dienst darauf, dass in dem Bericht abgebildete angebliche Mails unverschleierte E-Mail-Adressen enthielten. Das Vorgehen löste massive Kritik im Lager der Republikaner aus.

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Twitter hatte Regeln gegen die Verbreitung von Material aus Hacker-Attacken 2018 eingeführt - auch als Reaktion auf die Veröffentlichung der mutmasslich von russischen Angreifern gestohlenen E-Mails der demokratischen Partei im Schlussspurt des USA-Wahlkampfs 2016. Seitdem seien bei dem Kurznachrichtendienst neue Instrumente wie Warnhinweise eingeführt worden, begründete Gadde nun die Änderungen. Deswegen werde man künftig in der Regel die Links mit Warnhinweisen versehen, statt ihre Verbreitung zu verhindern.

Der Sender NBC berichtete unterdessen, US-Ermittler prüften, ob es eine Verbindung zwischen den angeblich auf dem Computer gefundenen E-Mails mit einer ausländischen Geheimdienstoperation gebe.

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(sda/gku)