EZB-Chefin Christine Lagarde will sich mit Blick auf eine Zinswende vorerst möglichst wenig in die Karten blicken lassen. «Mehr denn je» gelte es angesichts der derzeitigen Unsicherheit, sich in der Geldpolitik Flexibilität und Optionen zu bewahren, betonte die Französin am Montag bei einer Anhörung vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments. Die EZB stehe weiterhin «absolut unerschütterlich» zu ihrem Mandat, Preisstabilität zu sichern. Sie sehe Chancen, dass der zurzeit hohe Preisdruck nachlasse und sich die Inflation somit nicht festsetze. Damit sei es möglich, dass die EZB mittelfristig ihr Inflationsziel von 2,0 Prozent erreichen könne.

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Angesichts der zu Jahresbeginn überraschend weiter gestiegenen Inflation hatte Lagarde nach der jüngsten Zinssitzung ihre frühere Einschätzung nicht mehr wiederholt, wonach eine Zinswende 2022 sehr unwahrscheinlich sei. Die Teuerung war im Januar im Euro-Raum überraschend auf 5,1 Prozent geklettert und damit dem EZB-Ziel von 2,0 Prozent noch weiter enteilt. Laut Lagarde muss die EZB vor einer Zinsanhebung jedoch zunächst ihre Anleihenzukäufe stoppen.

Die EZB beliess den geldpolitischen Schlüsselsatz auf der jüngsten Sitzung auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Zugleich müssen Banken weiter Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der EZB parken. Der dafür gültige sogenannte Einlagesatz blieb bei minus 0,5 Prozent. An den Märkten wird für dieses Jahr mit einer Anhebung um einen halben Prozentpunkt gerechnet. Viele Ökonomen erwarten einen ersten Straffungsschritt aber erst Ende dieses Jahres oder Anfang 2023.