Zugegeben, man kann seine Ferien in Afrika eingebunkert in einem Hotel verbringen, abgeschottet hinter Sicherheitszäunen und Mauern. Man kann sich dann in ein rostiges Gefährt setzen, irgendwohin fahren und unendlich lange warten, bis schliesslich ein paar wilde Tiere zu sehen sind – und dabei in Kauf nehmen, dass man inzwischen in einen Menschenauflauf geraten ist. Denn via Funk werden die Standorte der Tiere weiterverbreitet, bis sich Horden von Besuchern dort einfinden und Stellung beziehen.

Es gibt aber auch eine weitaus attraktivere Variante. Man setzt zum Beispiel auf einen auf Luxus und Nachhaltigkeit spezialisierten Anbieter, etwa «Wilderness Safaris» in Botswana, und fühlt sich dort 100 Jahre zurückversetzt. Die Camps befinden sich an ausgesuchten Top-Spots mitten in der Wildnis, wo röhrende Löwen und grunzende Nilpferde die Kulisse bilden. Übernachtet wird in luxuriös ausgestatteten Zelten im Kolonialstil, und auf jeden Gast kommen fast fünf Camp-Mitarbeiter, die sich um sein Wohl kümmern.

Botswana gilt als ein afrikanischer Garten Eden. Die Landschaft ist reich an Tieren, und damit dies so bleibt, begrenzt der Staat die Zahl der zugelassenen Touristen. Auch die Camps beherbergen mit wenigen Ausnahmen maximal 15 Personen. Die geringe Gästezahl bedingt, dass die Preise höher sind, sodass man nicht Krethi und Plethi, sondern vorwiegend reiche Amerikaner oder Hochzeitspaare im Nachbarzelt antrifft.

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Üblicherweise bleiben Gäste zwei bis drei Tage in einem Camp, dann werden sie mit Kleinflugzeugen oder in Helikoptern zum nächsten geflogen. Allein der Anflug ist atemberaubend, denn keiner der Piloten lässt es sich nehmen, so tief über das Gebiet zu fliegen, dass die kleinen Punkte in der Landschaft zu riesigen Elefanten- und Büffelherden werden. Botswana soll, so heisst es, in Afrika über die höchste Dichte an wilden Tieren verfügen – einschliesslich der Big Five, ein Begriff, der auf die Zeit der Grosswildjäger zurückgeht und sich auf deren Hauptbeute bezieht: Büffel, Elefanten, Löwen, Nashörner, Leoparden.

Die Camps im Überlick:

– Das «Wassercamp». Das Xigera-Camp liegt inmitten der unberührten Natur des Okavango-Flusses, eines natürlichen Wasserlabyrinths, umgeben von der Kalahari-Wüste. Der Okavango, das grösste Binnendelta der Welt, steht im krassen Gegensatz zur umliegenden Steppe und Wüste. In der Trockenzeit (März bis August) ist der Wasserstand im Delta tief, in der Regenzeit (September bis Februar) dagegen hoch. Sitzt man in der riesigen Lodge des Camps, wähnt man sich auf einem Logenplatz inmitten eines grossen Freilufttheaters. «Es kann schon vorkommen, dass ein Elefant oder ein anderes Tier mitten im Camp steht», erklärt einer der Mitarbeiter, aber er achte darauf, dass nichts passiere. In der Tat halten alle Bediensteten ein wachsames Auge auf die Gäste. Niemand spaziert ohne Begleitung zum Bungalow, keiner hält sein Whiskyglas länger als zwei Minuten in der Hand, ohne dass es nachgefüllt wird.

Wem die kontemplative Einsamkeit in den grossen Luxusbungalows zu gross wird, der wählt eine Kanufahrt im Einbaum, die ebenso zum Unterhaltungsprogramm gehört wie ein Picknick auf einer einsamen Insel inmitten des Wasserlabyrinths. Die Tische werden mit feinstem Porzellangeschirr und weissen Servietten gedeckt. Das Buffet quillt über von all den kalten und warmen Speisen, einer Mischung aus einheimischer, südafrikanischer und europäischer Küche. Und wenn dann schliesslich bei Sonnenuntergang die Sektkorken knallen, fühlt man sich endgültig «jenseits von Afrika».

– Das «Löwencamp»: Dubai Plains ist das wahrscheinlich abgelegenste Camp im Okavango-Delta. Obwohl die Campleiter jedes Zündholz, jedes Lebensmittel oder Papiertaschentuch einfliegen lassen muss, wird auf keinerlei Luxus verzichtet. Im Gegenteil: Seidentücher hängen über den stabilen Doppelbetten, und farbige Kissen liegen überall herum.

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Wer sich von seiner Luxusbehausung trennen kann, geht auf Safari. Und jagt dort just jenen Löwen nach, die bereits im bekannten Dokumentarfilm «Die Löwen der Kalahari» vor der Kamera gestanden haben. Rund zwei Meter vor einer Löwenfamilie bleibt der Fahrer stehen und beruhigt die Touristen: Menschen stünden nicht auf dem Speiseplan der Tiere. Später schlendert noch eine wilde Elefantenherde gemütlich, aber mit lautem
Stampfen am Jeep vorbei.

– Das «Wüstencamp»: Eines der faszinierendsten Naturspektakel bietet sich im Norden des Landes, in der Makgadikgadi-Salzpfanne. Kein Hügel, Baum oder Stein ragt aus der von einer Salzkruste überzogenen Fläche. Erst wenn der Regen falle, erwache die Salzpfanne zum Leben, erklärt der Führer, der regelmässig mit seinen Gästen auf Squad-Fahrzeugen Ausflüge in diese Gegend unternimmt. Jack’s Camp wurde in den sechziger Jahren von einem Grosswildjäger gegründet, der sich gegen Ende seines Lebens dem Schutz der Tiere verschrieb.

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Ab ins Paradies

Die Safari-Camps sind luxuriös und kosten entsprechend.

Die Preise für Luxusferien in Botswana sind wesentlich höher als bei Kenia-Ferien oder einem Besuch im südafrikanischen Krüger-Nationalpark. Dafür beherbergen die Camps nur wenige Touristen, die Ausstattung der Unterkünfte ist luxuriös, die Safaris werden den Wünschen der Gäste angepasst.

Anreise: South African Airways fliegt regelmässig von der Schweiz nach Johannesburg. Von dort geht es weiter mit South African oder lokalen Airways.

Preise: Die Übernachtung in den Wilderness-Safaris-Camps kostet mit Vollpension und allen Aktivitäten zwischen 500 und 1000 Franken pro Person und Nacht.