Gesundheitsminister Alain Berset hat angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen Klartext gesprochen: «Die Situation ist beunruhigend, es gibt eine starke negative Dynamik.» In den nächsten Tagen könnten deshalb auch auf Bundesebene neue Massnahmen getroffen werden.

Berset wird am Freitag zusammen mit dem Vorstand der Gesundheitsdirektorenkonferenz besprechen, welche weiteren Massnahmen ergriffen werden müssen, um die Situation im Griff zu behalten. «Wir reden beispielsweise über die Maskenpflicht und die Organisation der Gesellschaft.»

Die Situation hat sich laut Berset schneller verschlechtert als anderswo. «Wir sind besorgt darüber», sagte er am Donnerstag vor den Bundeshausmedien. Die Positivitätsrate sei hoch, betroffen seien alle Altersklassen. Zwar sei die Situation in den Spitälern weiterhin unter Kontrolle, das müsse aber unbedingt so bleiben.

Epidemiologe: Neuerliche Home-Office-Empfehlung wäre nötig

Der Berner Epidemiologe Matthias Egger, ehemals Leiter der Covid-19-Task-Force des Bundes, fordert weitere Massnahmen zur Eindämmung des Virus auf nationaler Ebene. Eine Maskenpflicht in Innenräumen sei sinnvoll.

Auch sollte die Arbeit im Home-Office erneut empfohlen werden, sagte Egger in einem Interview mit den Tamedia-Zeitungen. Kantonal könnte eine Begrenzung der Teilnehmerzahl bei Anlässen beschlossen werden, wie dies am Mittwoch der Kanton Genf verfügt habe.

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Die Schliessung von Bars, Clubs und Diskotheken sei ein weiterer Schritt, der in einigen Kantonen sinnvoll wäre. Es sei bekannt, dass sich in Bars und Clubs viele Personen ansteckten. Und im Home-Office liessen sich Kontakte mit anderen Personen verringern.

Die USA bezüglich Neuinfektionen überholt

Mit dem jüngsten Anstieg der Neuinfektionen auf 2823 innert 24 Stunden habe die Schweiz die USA mit Sicherheit überholt, sagte Egger gegenüber der Pendlerzeitung «20 Minuten». Das habe auch ihn überrascht. «Ich habe erst im November mit rund 3000 neuen Corona-Fällen pro Tag gerechnet», sagte Egger.

Es sei trotz stark steigender Fallzahlen nicht nötig, erneut eine ausserordentliche Lage auszurufen. Laut Empidemiengesetz könne der Bundesrat in Absprache mit den Kantonen weitere Massnahmen auch in der besonderen Lage ergreifen. Ein Verbot von Grossveranstaltungen sei nicht angebracht, solange die Schutzkonzepte funktionierten.

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Eine Problem sehe er vor allem bei grossen Familienfeiern, an denen mehrere Generationen teilnähmen. Aufgrund der bekannten Fälle bestehe bei solchen Feiern ein erhöhtes Ansteckungsrisiken. Solche Feiern sollten am besten verschoben werden, sagte der Epidemiologe gegenüber en Tamedia-Zeitungen weiter.

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Ein erneuter Lockdown müsse unbedingt vermieden werden. Es sei jetzt an der Zeit, zu handeln. «Wenn wir weiter zuwarten, müssen später umso drastischere Massnahmen ergriffen werden», sagte Egger. Die Schweiz sei unterwegs zur gleichen Situation wie im März.

Olivia Keiser: Maskenpflicht ab sechs Jahren

Tief besorgt zeigte sich auch die Genfer Epidemiologin Olivia Keiser. Der Bundesrat sollte wieder den Lead übernehmen, forderte sie in einem Interview mit «20 Minuten». Aus epidemiologischer Sicht sei es unverständlich, dass die Kantone zurückhaltend seien.

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Aufgrund der starken Zunahme der Fallzahlen könne durchaus von einer zweiten Pandemie-Welle gesprochen werden. Keiser teilt die Ansicht von Egger, dass eine generelle Maskenpflicht in allen Innenräumen sinnvoll wäre, da sich das Virus über Aerosole verbreite.

Das Alter für die Maskenpflicht bei Kindern könnte ebenfalls herabgesetzt werden. Es sei klar, dass Kinder das Virus wie Erwachsene übertrügen. Denkbar wäre aus ihrer Sicht eine Pflicht ab etwa sechs Jahren. Derzeit sind es in zahlreichen Kantonen 12 Jahre.

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(sda/gku)