Er gilt als bedeutendster Filmproduzent ausserhalb der USA, erhielt sechs Oscars und drei Ehrendoktoren. Am Donnerstag, 9. Februar, stellt Arthur Cohn in Basel seinen neuen Film «The Etruscan Smile» vor.

Ans Aufhören hat Arthur Cohn nie gedacht. Er arbeitet weiter - und lieber als über seinen 90. Geburtstag am 4. Februar redet er über sein neues Filmprojekt. «The Etruscan Smile» ist die Verfilmung der 1985 erschienenen Novelle «La sonrisa etrusca» (Das etruskische Lächeln) des spanischen Schriftstellers José Luis Sampedro (1917-2013).

«Das Lächeln bezieht sich auf eine etruskische Terrakotta-Figur, welche der alte Mann, der Hauptdarsteller meines Films, in einem Museum sieht», sagt Arthur Cohn im Interview mit der sda. «Es gibt Menschen, die lächeln, wenn sie sterben, weil sie mit ihrem Leben zufrieden sind.»

«Als der Grossvater, gespielt vom schottischen Schauspieler Brian Cox, erfährt, dass er an Darmkrebs erkrankt ist und nur noch drei Monate zu leben hat, antwortet er: 'It's enough time'. Genug Zeit, seinen Enkel kennenzulernen, genug Zeit, sich mit seinem Sohn zu versöhnen, genug Zeit, mit dem Leben abzuschliessen», erzählt Cohn weiter.

Erstlingsfilme

Cohn hatte die Filmrechte bereits 1998 erworben. «Wir haben zweieinhalb Jahre am Drehbuch geschrieben und die Geschichte von Italien nach Schottland und in die USA verlegt.»

«In den USA ist 'The Etruscan Smile' ein kleiner Film, aber für mich ist es eine grosse Produktion.» Cohn hat kein Studio im Rücken und erhält keine Subventionen. «Wir haben einen Cast von rund 100 Darstellern und eine Crew von über 160 zumeist jungen Leuten. Das Budget von 12,3 Millionen Dollar ist so gesehen äusserst knapp bemessen.»

Cohn ist zwar mit vielen Stars befreundet, hat aber meist mit kaum bekannten Darstellern gearbeitet. «Stars sind zu teuer für meine Filme. Al Pacino ist mir beim Film 'Two Bits' sehr entgegen gekommen, weil er ihn unbedingt machen wollte, ebenso Michael Douglas beim Film 'One Day in September'.»

Auch bei der Regie setzt Cohn gerne auf junge Leute, wie in 'The Etruscan Smile' auf das Ehepaar Oded Binnun und Mihal Brezis. «Ich habe oft mit Erstlingsregisseuren gearbeitet und dabei gute Erfahrungen gemacht. Der Dokumentarfilm 'Sky Above - Mud Below' sowie die Spielfilme 'Noirs et blancs en couleur' und 'La Diagonale du fou' sind Debütfilme; alle drei haben einen Oscar gewonnen.»

Exot in Hollywood

Cohn sagt über sein Werk: «Ich mache emotionale Filme für die ganze Familie. In meinen Filmen gibt es keine Gewalt, keinen Sex und keine Special Effects.» Wie lassen sich damit sechs Oscars gewinnen? «Rückblickend kann ich sagen, dass die Wahl des Sujets und die mehrjährige Arbeit am Drehbuch der Hauptgrund für die Oscars waren.»

«Aber damit bin ich ein Exot in Hollywood. 'You made the Academy international', hat man mir oft gesagt. Dabei habe ich alle wichtigen Entscheidungen zu meinen Filmen intuitiv, aus dem Bauch heraus getroffen, oft gegen den Rat von wichtigen Leuten aus der Filmbranche.»

Oft spielt auch die Politik eine Rolle in seinen Filmen, «etwa in 'One Day in September' über den palästinensischen Terroranschlag auf israelische Athleten an den Olympischen Spielen in München 1972, oder in 'Noirs et blancs en couleur' über europäische Kolonialisten in Afrika während des Ersten Weltkriegs».

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Schon steht das nächste Projekt an

In Hollywood wie auch der Schweiz wird derzeit heiss über die Gleichstellung von Mann und Frau in der Filmbranche diskutiert. «Das ist für mich kein Thema. Das einzige, was zählt, ist die Qualität. Aber ich habe hinter der Kamera immer mit Frauen gearbeitet. Das Drehbuch zu 'The Etruscan Smile' stammt von zwei Frauen und einem Mann, und Regie führt ein Ehepaar.»

Dass Cohn seine Vorpremiere in Basel feiert, hat Tradition, wie er sagt. «Es ist ein Dankeschön an meine Heimatstadt, in der ich immer so viel Freundlichkeit erfahren habe. Aber wir möchten mit dem Film noch an ein grosses Festival, und im Kino wird er zuerst in den USA zu sehen sein.»

Zur Vorpremiere von «The Etruscan Smile» im Musical Theater Basel hat sich viel Prominenz angesagt. Hauptdarsteller Brian Cox und Filmkomponist Frank Ilfman begleiten den Film, die schwedische Schauspielerin Liv Ullmann, welche in «La Diagonale du fou» die weibliche Hauptrolle spielte, wird die Laudatio halten.

Und Cohn? Der hat bereits das nächste Projekt im Köcher: Schon seit einiger Zeit ist er mit «Reunion» beschäftigt, der Verfilmung der Novelle «Der wiedergefundene Freund» des deutschen Schriftstellers Fred Uhlman (1901-1985). Als Regisseur vorgesehen ist Simon Verhoeven, der Sohn der Schauspielerin Senta Berger und des Filmregisseurs Michael Verhoeven. Die Geschichte dreht sich um eine Jugendfreundschaft in der Zeit des aufkommenden Nationalsozialismus' in Deutschland.

(sda/ccr)