Die grösste persönliche Kompetenz, einen Chronometer für schnelle Piloten zu bauen, bringt sicherlich Luigi Macaluso mit. Eine riskante Karriere als Rallyefahrer hinterliess tiefe Spuren im Gesicht des heutigen Präsidenten von Girard-Perregaux, der die Uhrenmarke vor nunmehr 13 Jahren übernommen hat.

Andererseits kennt Luigi Macaluso aus dieser autosportiven Lebensphase unter anderen auch Luca di Montezemolo, den heutigen Ferrari-Chef und Verwaltungsratspräsidenten der Fiat-Gruppe. Das zwanglose Ergebnis im Jahre 1993, ein Jahr nach der Übernahme der Marke: «Girard-Perregaux pour Ferrari», heute eine variantenreiche Kollektion.

Die Chaux-de-Fonniers blieben fast ein Dutzend Jahre die Einzigen in der Riege der renommierten Uhrenhersteller, die mit einer eigenen Uhr an autoverliebte Freunde mechanischer Zeitmessung appellierten. IWC hatte sich von Porsche Design verabschiedet, diese wiederum stiegen bei Eterna ein, aber alles, ohne die Stuttgarter Marke dramatisch in den Vordergrund zu rücken. In dieser Zeit lizenzierte Jaguar ihren unsterblichen Namen an einen Uhrenunternehmer (so wie Gucci seinerzeit ihren Namen dem dynamischen Severin Wundermann für die Uhren überlassen hatte), und gleichzeitig entdeckten Automanager bei ihren Merchandising-Programmen die Uhr als Zusatzgeschäft. Seither gibt es keine deutsche Marke von Renommee, die neben Leichtmetallfelgen, Dachträgern und Plüschtieren und anderem Zubehör nicht auch noch eine Uhr mit dem Markennamen des Hauses im Angebot führen würde – nichts Aufregendes, sondern ein Labelprodukt.

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Für die Uhrenmanufakturen ist das Merchandising etwas schwieriger. Als Nebengeschäft Autos unter eigenem Namen zu verkaufen, ist bisher noch niemandem gelungen. Das klassische Autogeschäft der Uhrmacher bestand bis in die fünfziger Jahre in der Lieferung von Borduhren mit Acht-Tage-Werk. Breitling war immer stark in diesem Metier, Omega ebenso. Die mechanischen Borduhren verschwanden mit den Lederpolstern und der Knüppelschaltung. Elektrik, Plastikpolster und Lenkradschaltung steigerten fortan das Entzücken junger Mütter und autovernarrter Väter.

Überlebt hat die Borduhr als autonomes Instrument nur bei Maserati. Als der rhombenförmige Zeitanzeiger in den stilistisch unentschlossenen achtziger Jahren zu verschwinden drohte, grollte die Gilde der eingefleischten Maserati-Fahrer in jenem verhalten aggressiven Unterton, den das Werk ansonsten nur von seinen Achtzylindern im Leerlauf kannte.

Der Rhombus mit der Zeit blieb, und so startete Maserati mit grossem Vorsprung in die jüngste Zeitrunde. Das Teilnehmerfeld hat mittlerweile Format, und die Namen lesen sich wie ein Adelskalender. Jaeger-LeCoultre verbündete sich mit Aston Martin und lanciert nun zum 40. Geburtstag eine Neuauflage der 1965 erstmals vorgestellten Weckerarmbanduhr Memovox als Sonderedition Jaeger-LeCoultre Aston Martin.

Breitling legte einen Spezialchronographen für Bentley auf (Breitling for Bentley), während bei Mercedes gleich zwei Uhrenhersteller ansaugten: TAG Heuer und IWC. Eigentlich sind es drei, weil Rodolphe in La Chaux-de-Fonds in Annäherung an DaimlerChryslers Dodge Viper den Rodolphe-Viper-Chronographen lancierte.

IWC Schaffhausen produziert die neue Ingenieur auch als unlimitierte Serie Ingenieur Automatic AMG, und die Firma Mercedes-AMG (der Tuningbetrieb ist eine reine DaimlerChrysler-Filiale) legte parallel zum neuen CLS 55 AMG eine auf 55 Stück limitierte Spezialserie Mercedes CLS 55 AMG IWC auf. In Titangrau und ohne Blankteile. Bis auf den Auspuff (aus wärmetechnischen Gründen) und den Stern auf dem Kühler (aus ideologischen Gründen) – Auspuff und Stern glänzen weiterhin. Innen sitzt der Fahrer vor einem Armaturenbrett im Stil der Ingenieur (das die vormalige IWC-Besitzerin VDO liefert), und statt Wurzelholz dominiert schwarzer Pianolack das Interieur.

TAG Heuer dagegen liierte sich mit den Marketingleuten bei DaimlerChrysler, die für den Mercedes-Benz SLR McLaren zuständig sind, und spendierte dem SLR Chronograph by TAG Heuer den Mercedes-Stern auf die Krone und auf die Gehäuseflanken eine optische Evokation der seitlichen Luftauslassgrille des Sportcoupés.

Einen Schritt weiter ging die in Neuenburg beheimatete Volumenmarke mit der Monaco V4 Concept Watch. Die Uhr verzichtet weitgehend auf das Räderwerk und verwendet stattdessen einen Keilriemenantrieb für die Kraftübertragung. Uhrmacherisch weiter bemerkenswert: Die Schwungmasse rotiert nicht, sie oszilliert und bedient mit ihrer kinetischen Energie vier Federhäuser, die paarweise und parallel zur oszillierenden Masse angeordnet sind. Die assoziative Verknüpfung mit der Aufsicht auf einen Motor ist erkennbare Absicht.

Einen klassischen Ansatz wählte Chopard. Die Besitzerfamilie Schäufele beteiligt sich schon so lange an der Veteranen-Rallye Mille Miglia, dass sie angesichts ihrer Ausdauer auch «Schnäufele» heissen könnte. Die Frucht dieser Verbindung ist der Chronograph Mille Miglia (als Chopard Mille Miglia Elton John mit rosafarbenem Band und diamantenbesetzter Lünette).

Audemars Piguet wiederum mochte beim uhrmacherischen Gasgeben nicht abseits stehen und legte von der Royal Oak Offshore die limitierte Sonderserie Juan Pablo Montoya auf. Wahlweise in Titan, Rotgold oder Platin mit Karbonfaser-Einlage auf der Lünette und einer Krone, die den Zentralverschluss eines Formel-1-Rads evoziert. Dazu noch ein Rotor in Form einer Kupplungsscheibe. Alles zu Preisen zwischen 23 600 und 73 000 Franken.

Parmigiani wiederum, eine inhabergeführte Manufaktur für höchste Ansprüche, die sich mit ihren Swiss Masterpieces innerhalb weniger Jahre in der Spitzenliga der Uhrmacherei etablierte, übernahm den Auftrag, die für den Bugatti Veyron geeignete Uhr zu entwerfen. Das Gehäuse nimmt die Form eines Motorblocks auf, das Zifferblatt liegt auf der Stirnseite, die Räderpartie wurde axial horizontal angeordnet. Der Clou: Da das Gehäuse einen grossen Sichtschlitz hat, sieht man neben der Zeit immer auch das Räderwerk. So müssen die Happy Few, die 200 000 Euro für diesen Handaufzug hinblättern, die Uhr nicht erst vom Handgelenk lösen und umdrehen, um verliebt das Werk anzublinzeln. Michel Parmigiani hat allerdings auch eine schöne Begründung für seine uhrmacherische Folie: «In einer Zeit, in der man auf dem Computer und auf dem Natel, einfach überall, die Tageszeit ablesen kann, gehört die Zukunft der Extravaganz. Mit der Kollektion Bugatti kann ich konzeptionell extreme Lösungen ausschöpfen und ein wenig den königlichen Narren spielen. Die Bugatti Typ 370 trägt man am Handgelenk, um der Kunst der Mechanik ein Denkmal zu setzen, das nebenbei die Zeit zeigt.»

Dass Omega mit der im Jahr 1958 lancierten Speedmaster auf einen festen Partner aus der Autobranche verzichtet, obwohl sie doch eigens für den «Sportfahrer» gedacht war, hat einen einfachen Grund. Am Handgelenk der amerikanischen Astronauten des «Gemini»- sowie des «Apollo»-Programms machte sie eine extraterrestrische Karriere.

Ansonsten bleibt ein fundamentaler Unterschied zwischen der Uhren- und der Autowelt: Uhren müssen nicht schnell gehen, sondern genau.