Zwischen der Rhonemündung bei Marseille und den Pyrenäen erstreckt sich dem Mittelmeerbogen folgend das Languedoc. Hier hausten einst Griechen, Phönizier und Römer, später Alemannen, Vandalen, Westgoten und Sarazenen. Heute ist die Region mit Abstand das grösste Weinbaugebiet Frankreichs. Fast die Hälfte des französischen Weins wird hier produziert. Das Renommee der Languedoc-Weine leidet noch heute unter der lange Zeit verfolgten Devise «Masse statt Klasse».

Doch seit nunmehr zwei Jahrzehnten ist eine klare Trendwende auszumachen. Angeführt von einigen Pionieren setzt in Frankreichs Süden eine wachsende Zahl von Winzern auf Qualität. Mit von der Partie sind auch ambitionierte Winzerinnen und Winzer aus der Schweiz, die in diesem ausgedehnten Gebiet eine neue Heimat fanden und auf ihren Gütern überzeu­gende Weine keltern.

Auf der Domaine de Boissière etwa, welche im nordöstlichen Teil des Languedoc im Dreieck zwischen Avignon, Arles und ­Nîmes liegt, sind zehn Hektaren mit Reben bestockt. Vier Weine keltert der ­junge Önologe Matthias Utzinger, der wie der Besitzer des Guts ebenfalls aus der Schweiz stammt und hier seit 2010 eine Herausforderung fand. Das Resultat seiner ersten beiden Jahrgänge ist beeindruckend. Der weisse Plaine d’Arnaud 2010 überzeugt mit seiner säuregestützten, trockenen Frische und seiner finessenreichen Aromatik von weissen Blüten und Zitrusfrüchten. Die rote Cuvée Jarnegues 2010, die sich aus Mourvèdre-, Syrah- und Grenache-Trauben von 25 Jahre alten Rebstöcken zusammensetzt, begeistert mit ihren Aromen von schwarzen Beeren, Steinfrüch­ten und Gewürzen und dem vollen, aber zugleich eleganten, harmonisch ausba­lancierten Körper. Neben der Qualität der Weine muss auch der Preis der Gewächse erwähnt werden, kosten doch beide Weine beim Händler weniger als 20 Franken.

Weiter in westlicher Richtung liegt die von durchlässigen, mineralienreichen Schieferböden geprägte Unterappellation Faugères, wo sich – ihrer Leidenschaft für den Wein folgend – 1999 Olivier Binet und Pierre Jacquet niederliessen, um ihr eigenes Weingut von Grund auf aufzubauen. Die beiden verfolgten von Anfang an hohe Qualitätsziele. Sieben Jahre später konnten sie ihren ersten Wein abfüllen. Auf den biodynamisch bewirtschafteten neun Hektaren Rebland der Domaine Binet-Jacquet wachsen ausschliesslich gebietstypische rote Sorten, aus deren Trauben drei Weine assembliert werden. Die beiden verkosteten 2008er-Gewächse, Faugères und Faugères Réserve, haben eine lange Maischegärung von bis zu sechs Wochen durchlaufen und präsentieren sich aromatisch dicht, ausserordentlich finessenreich und harmonisch ausbalanciert.

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Gewissermassen nur einen Katzensprung weiter in Richtung spanischer Grenze liegt südlich von Assignan unweit des Städtchens Saint-Chinian das Gut ­ La Grange de Quatre Sous, wo Hildegard Horat seit 1983 lebt. Sie bewirtschaftet 8 Hektaren Rebland, die neben den traditionellen Sorten auch mit Malbec, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Vio­gnier bestockt sind. Die von dieser Domäne degustierten Weine, der weisse Le Jeu du Mail 2010 (Viognier und Marsanne) sowie der Rosé 2010, präsentieren sich lobenswert trocken, elegant und von einer saftigen, passenden Säure gestützt.

La Clape war früher eine Insel. Heute ist sie ein kleines Gebirge unweit von ­Narbonne und seit 1985 ein Cru mit eigener Appellation in der umfassenden AOC Coteaux du Languedoc. Hier, unweit des Meeres, haben Christa Derungs und Peter Wildbolz vor nunmehr zehn Jahren ihren neuen Lebensmittelpunkt gefunden. Ihr Ziel ist es, qualitativ hochstehende Weine zu erzeugen und zudem den Besuchern in fünf Gästezimmern eine kleine Oase der Ruhe und des Genusses zu bieten. Beides ist ihnen bestens gelungen. Die insgesamt sieben Weine (davon zwei Weissweine) zeichnen sich durch aromatische Fülle und Komplexität aus und gehören zum Besten, was in der Region abgefüllt wird.

 

  • Domaine de Boissière in der Schweiz bei Uvicom, Horgen ZH, erhältlich
  • Domaine Binet-Jacquet in der Schweiz bei Beat Heuberger, Zürich, erhältlich
  • La Grange de Quatre Sous in der Schweiz bei Quatre Sous Weinhandlung, Zürich, erhältlich
  • Mas du Soleilla direkt online bestellbar