Wenn das ISC-Symposium an der Universität St. Gallen ruft, kommen sie alle: Studenten, Medienvertreter, rund 100 an der Zahl aus 60 Ländern, sowie 600 Unternehmer und Manager. Und wenn man diese höflich fragt, reden sie auch zu Brisantem – zum Beispiel über die Löhne der Manager.

Den Bankier Konrad Hummler, Teilhaber der Bank Wegelin, ärgern Missstände wie «Monopolrenten und Firmeninzucht», und er meint, Gehälter von ein bis zwei Millionen wären genug. Doch als ihn «NZZ»-Wirtschaftschef Gerhard Schwarz und der umtriebige Unternehmer und Politiker Otto Ineichen auf die Fragwürdigkeit von Gehaltslimiten aufmerksam machen, befindet Hummler: «Im Prinzip kann der Aktionär so viel zahlen, wie er will.»

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Holcim-Grossaktionär Thomas Schmidheiny setzt auf Erfolgsbeteiligung. Er gibt zu bedenken, dass der Lohn eines Managers zum grossen Teil eben nicht aus Bargeld bestehe, sondern aus Aktien und Optionen, die er auch versteuern müsse. Investor René Braginsky reagiert darauf und befindet pragmatisch: «Ausschlaggebend ist der Erfolg.»

Bénédict Hentsch, Bankier sowie Verwaltungsrat beim Rückversicherer Swiss Re, betrachtet die Höhe der Managerlöhne aus weltweiter Optik: «Die Welt ist global geworden, früher hatte Nestlé etwa 50 000 Mitarbeitende, und heute sind es 250 000.»

Peter Quadri, Schweizer Länderchef des Computerriesen IBM, fühlt sich vom Thema nicht persönlich betroffen: «Mein Lohn», sagt er, «ist so bescheiden, dass ich mit dem Problem nicht direkt konfrontiert werde.»

Der Chef des Küchenbauers Franke, Michael Pieper, meint: «Ein Manager muss erfolgreich sein, dann soll ein Unternehmen ihm so viel dafür bezahlen, wie es will.»

Swiss-Re-CEO John Coomber zieht sich elegant aus der Affäre und meint schmunzelnd: «Sie wissen, ich verstehe kein Deutsch, also muss ich ja auch nichts von der Diskussion um Managerlöhne gelesen oder gehört haben.»

Barbara Kux, Philips-Topmanagerin, fühlt sich ebenfalls nicht zuständig und meint: «Wir sind sehr bescheiden in Holland und haben deshalb auch kein Problem betreffend unsere Löhne.»

Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, drückt sich nicht um die Antwort und meint knapp: «In zwei Worten – Managerlöhne sind Sache des Advisory-Board.» Auf die Frage, wie er die persönlichen Anschuldigungen gegen seine Person wegstecke, antwortet der Bankier mit einem freundlichen Lächeln: «Auch das gehört zu meinem Job.»

Peter Wuffli, CEO der UBS, reagiert zurückhaltend. «Wenn ich etwas dazu sage, dann löst dies bloss wieder einen Medienwirbel aus», erklärt er. Der Peter Wuffli spricht aus Erfahrung. In einem Artikel in der «NZZ» zum Dauerbrenner «hohe Managerlöhne» hat er vor einem Jahr die Diskussion erst richtig entfacht.

Berufskollege Raymond Bär, VR-Präsident der gleichnamigen Bank, hegt einen frommen Wunsch: «Schreibt über andere Themen», sagt er, «nicht, weil ich die Managerlöhne kein wichtiges Thema finde, aber jetzt muss zuerst wieder etwas Ruhe einkehren.»

Ivo Fürer, Bischof von St. Gallen, sagt dagegen klipp und klar: «Die Managerlöhne sind viel zu hoch.» Auf die Frage, ob denn ein Bischof nicht auch mehr Lohn bekomme als der Dorfpfarrer, zögert der kirchliche Würdenträger kurz und erklärt: «Der Unterschied ist nicht enorm. Er liegt vor allem bei den Spesen.»

Novartis-Vizepräsident Hans-Jörg Rudloff wägt – auf das Thema angesprochen – Wort für Wort ab und gibt zu Protokoll: «Josef Ackermanns Honorar ist an der unteren Grenze. Ich weiss von hundert Spezialisten im Investment-Banking, die mehr verdienen als Ackermann.» Zum «Theater» rund um die Managerlöhne meint er: «Dazu kam es, weil die Öffenlichkeit nicht unbedingt versteht, um was es geht, und das Thema von den Kreisen, die dem liberalen Wirtschaftssystem nie zugetan waren, schamlos ausgeschlachtet wird. Die Öffentlichkeit ist von der nominellen Höhe der Beträge schockiert, aber es geht ja nicht um die Löhne, die im Allgemeinen total im Rahmen liegen, sondern um die erfolgsabhängige Komponente. Solange dieser Teil auf ganz bestimmten quantitativen und qualitativen Kriterien basiert, ist dagegen nichts einzuwenden. Belohnt wird eine unternehmerische Leistung, die im Interesse aller liegt und die dem Firmenchef vorgegeben wurde. Leider gibt es natürlich auch viele, die das System unverschämt ausnützen und bei denen den nominellen Beträgen keine entsprechende Leistung gegenübersteht. Es ist eines, eine Monopolgesellschaft zu führen, aber etwas anderes, ein Unternehmen im internationalen Wettbewerb zu leiten und gedeihen zu lassen. Ein faires System wird Erfolg belohnen und Misserfolg bestrafen.»

Armin Meyer, Präsident und CEO bei der Basler Ciba, plädiert für mehr Sachlichkeit: «Die Art, wie die Attacke gegen hohe Managerlöhne zurzeit geführt wird, ist ungesund. Wichtig ist, dass der richtige Mann am richtigen Platz ist.» Und einer, der anonym bleiben will, äussert sich mit einer Sachlichkeit der besonderen Art: «If you give them peanuts, you get monkeys.»