Den Schweden sei Dank, oder besser den Chinesen. Ohne ihre finanzielle Hilfe hätten wir in der Klasse hochwertiger Fahrzeuge eine automobile Monokultur aus Deutsch­land. Früher gab es den Lancia aus Italien ­sowie den Saab, eine ausgesprochene Kult- und Nischenmarke wie Volvo mit schwedischen Wurzeln. Saab wurde von General Motors gegen die Wand gefahren. Böse Zungen behaupten gar, dies sei in voller Absicht geschehen, um einen lästigen Konkurrenten mit viel technischem Know-how loszuwerden, das man für sich nutzen will.

Neben der übermächtigen deutschen Phalanx im Pre­mium-Bereich bleibt Volvo, vor allem im Kompaktbereich. Die Marke gehörte bis vor kurzem Ford, wurde letztes Jahr aber an eine chinesische Investorengruppe weitergereicht. Diese betreibt unter anderem den Autokonzern Geely.

Offenbar waren die Chinesen schlau genug, um sich nicht nur die Marken-, sondern auch die weltweiten Vertriebsrechte sowie die technischen Patente überschreiben zu lassen – Rechte, welche im Falle von Saab im Besitz von General ­Motors blieben.

Und siehe da, Volvo blüht plötzlich auf wie eine Lotusblume. Die weltweiten Absatzzahlen stiegen – in der Schweiz im vergangenen Jahr sogar im zweistelligen Bereich (+21 Prozent auf über 8000 Einheiten). Um auch in Zukunft gegen die massive Konkurrenz aus Deutschland ­bestehen zu können, haben die Chinesen viel Geld in die Hand genommen.

Der Volvo V40, eine kompakte Schräghecklimousine, ist das erste Resultat dieser Bemühungen. Die Schweizer Händler erhalten gegenwärtig die neuen Fahr­zeuge. Mit einem besonders attraktiven Einstiegspreis von 29900 Franken ist bis Ende September die preisgünstigste Basis­version angeschrieben (1,6-Liter-4-Zylinder-Dieselmotor, 115 PS). Darin enthalten ist serienmässig bereits ein Start-Stopp-System. Mit ihm erreicht das sparsame Dieselaggregat eine CO₂-Emission von ­lediglich 94 g/km. Diese Marke liegt weit unter dem vorgeschriebenen Grenzwert von 130 g/km. Ab 1. Oktober beläuft sich dieses Modell dann auf 31150 Franken. Die Preisspirale dreht sich bis 43150 Franken (ohne Optionen) für den be­sonders potenten Fünfzylinder-Benziner (T5/250 PS) mit automatischer 6-Stufen-Geartronic.

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Für alle Basisversionen, egal in welcher Leistungsklasse, wartet Volvo zudem mit einer Weltneuheit auf. Der einst von Audi formulierte Slogan «Vorsprung durch Technik» findet jetzt bei Schweden Nachhall. In allen V40-Modellen ist ein Fussgänger-Airbag eingebaut. Das System ist zwischen 20 und 50 km/h aktiv und liegt unterhalb der Frontscheibe im oberen Teil der Motorhaube.

Im Falle einer Kollision hebt sich die Motorhaube leicht an und bedeckt das untere Drittel der Frontscheibe. Damit legt sich der Airbag wie ein schützendes Kissen zwischen Frontscheibe und Motorhaube einerseits und einem Fussgänger oder Velofahrer anderseits. Die Schweden versprechen sich von dieser Entwicklung eine drastische Abnahme der schweren Verletzungen. Volvo wird nach und nach alle Modelle mit dem Fussgänger-Airbag ­ausrüsten. Es wird interessant sein, wie viel Zeit die Premium­konkurrenz benötigt, um ein ähn­liches Sicherheitssystem se­rienmässig, also ohne Aufpreis, ­anbieten zu können.

Volvo hat noch eine ganze Anzahl Sicherheitskomponenten im Angebot, zum Beispiel das City-­Safety (eine Fussgänger­erkennung mit automatischer Bremsfunktion), einen Parkassistenten, das Seitenaufprallschutz- und das Schleudertraumasystem. Einige dieser Komponenten sind jedoch für die meisten Modelle lediglich als Option erhältlich. Aber zusammen mit der attraktiv gestylten Karosserie ist der V40 ein Auto, das im vieldiskutierten und bis anhin von den deutschen Herstellern vereinnahmten Premiumsegment mithalten kann. Es gibt jetzt also eine ­Alternative.