BILANZ: Sie halten 90 Prozent der Aktien an der Miss Schweiz Organisation AG, Karina Berger 10 Prozent. Das Paket dürfte nach dem Aus bei der SRG merklich weniger wert sein.

Christoph Locher: Das ist nicht so sicher. Bisher war ein Verkauf fast undenkbar, da nicht absehbar war, wie das Schweizer Fern­sehen reagieren würde. Dieses Hindernis fällt nun weg.

Wie bitte? Sie verkaufen Ihren Anteil?

Ein Verkauf ist eine von vielen Optionen.

Sie haben zwei Möglichkeiten: Ein Privatsender richtet die ­Wahlen aus, oder Sie verkaufen Ihren Anteil. Was tun Sie?

Es finden Verkaufsgespräche statt. Ob ein Deal zustande kommt, weiss ich heute noch nicht. Es ist noch zu früh für einen Entscheid. Aber wenn der Preis stimmt, dann bin ich nicht abgeneigt.

Der Wert Ihrer Aktien wurde auf vier Millionen Franken ­geschätzt. Ein guter Preis?

Die Miss Schweiz Organisation AG ist ein Liebhaberobjekt, vergleichbar mit einem Fussballclub. Die Chance auf einen Gewinn mit der Miss-Schweiz-Wahl ist allerdings um einiges grösser. Zum Preis kann ich mich hier nicht äussern.

3+ und Star TV werden als künftige Missen-Sender gehandelt, die Reichweite wäre aber tief.

Es gibt weitere starke Player im Markt, so Sat.1 oder ProSieben. Die kommen immerhin auf einen Anteil von rund zehn Prozent und könnten mit der Miss-Schweiz-Wahl die Reichweite ausbauen.

Was bedeutet die tiefere Reichweite fürs Sponsoring?

Zwar wäre die Reichweite kleiner, im Gegenzug hätten wir bei einem Privatsender mehr Möglichkeiten. Ich denke zum Beispiel an eine Castingshow im Vorfeld, ähnlich wie «Germany’s Next Top Model». Für Sponsoren wäre das sehr attraktiv. Wir haben bereits Signale von Interessenten erhalten.

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Die Quoten sinken seit Jahren. Glauben Sie noch an das Format?

Im Tessin, für das die Show produziert wurde, lag der Marktanteil bei 37 Prozent, obwohl parallel dazu das Eishockeyderby Lugano–Ambri lief. Das ist ein guter Wert.

Entscheidend ist der weitaus grössere Deutschschweizer Markt.

Dort war die Quote tiefer als auch schon. Aber bei der Moderierung in deutscher Sprache hatten wir 2010 mehr als 35 Prozent Marktanteil. Ein Privatsender kann sicher nicht mehr auf die verschiedenen Sprachregionen Rücksicht nehmen, wie das die SRG verlangte.

Christoph Locher: Der ehemalige Filmproduzent («Gekauftes Glück») hat vor 19 Jahren die Rechte am Miss-Schweiz-Wettbewerb ­erworben und ist Schweizer Lizenznehmer der Miss Universe Organisation. Vor sechs Jahren beteiligte er die Ex-Miss-Schweiz Karina Berger an der Miss Schweiz Organisation AG und berief sie in den Verwaltungsrat.