Die Behörden verlangen nun eine Risikoabschätzung bei Veranstaltungen mit weniger 1000 Personen – konkret ab 150 Personen, die an einem geplanten Treffen teilnehmen.

An solch einer Veranstaltung solle ab sofort auch eine aktive Information der Teilnehmer zur Hygiene stattfinden. Wer krank ist, müsse aufgefordert werden, die Veranstaltung nicht zu besuchen.

Dies sind neue Richtlinien, die Bundes- und Kantonsvertreter am Mittwoch gemeinsam bekanntgaben. Bei einem Treffen im Vorfeld sei es darum gegangen, Umsetzungsvarianten zu vereinheitlichen, so GDK-Präsidentin Heidi Hanselmann an einer kurzfristig einberufenen Abend-Pressekonferenz.

«Nicht übertreiben»

Man wolle «vernünftige, angemessene Kriterien in Umsetzung bringen», so die St. Galler Gesundheitsdirektorin. «Die Situation ist ernst zu nehmen. Aber wir wollen auch nicht übertreiben.» 

Die Risikoabschätzung könne beispielsweise je nach Art der Veranstaltung anders ausfallen, beschrieb Hanselmann – beispielsweise, wenn sich sehr viele ältere Menschen treffen; oder wenn schwieriger zu beurteilen sei, ob Unbekannte eintreffen werden. 

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Die Kantone haben nun einen Rahmen für ihre eigenen Anweisungen. Zum Beispiel wurde beim Treffen in Bern die Definition von Veranstaltungen präzisiert. Ein Gemüsemarkt – so Hanselmanns Beispiel – ist es nicht. Eine Kinovorführung ist es.

«Social Distancing»

Am Freitag werde eine grosse Informationskampagne starten – mit Inseraten und Plakaten in öffentlichen Räumen, sagte Bundesrat Alain Berset. Hauptthema: «Social Distancing». Betont wird zum Beispiel der dringende Rat, möglichst genügend Abstand zu halten – zum Beispiel in einer Schlange.

Heidi Hanselmann

Heidi Hanselmann, Gesundheitsdirektorin des Kantons St. Gallen, vor den Medien in Bern.

Quelle: Screenshot – Keystone

Zuvor war die Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle weiter angestiegen: Sie nähert sich nach Angaben des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) inzwischen der 100er-Marke

Konkret: Neben den 54 vom Referenzlabor in Genf bestätigten Fällen wurden bis Mittwochabend 39 weitere von einem ersten Labor positiv getestet, wie Daniel Koch, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten im BAG, am Nachmittag in Bern erklärt hatte. Weitere rund 200 Verdachtsfälle seien in Abklärung.

Es gebe keinen Grund zur Panik, doch die Lage sei ernst und werde immer ernster, betonte Koch. Die Mortalität steige ab 65 Jahren rasch an. In Schweiz seien aktuell vor allem 20- bis 40-Jährige betroffen – jene Personengruppen, die reisten und viele soziale Kontakte hätten, so Koch. Deshalb gebe es hier noch kaum schwere Fälle. Laut Koch ist es aber «unwahrscheinlich, dass wir in der Schweiz keine Todesfälle haben werden».

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Aktuell werden die Erkrankten in Spitälern isoliert. Laut Koch kann dieses Regime nicht unbegrenzt aufrechterhalten werden. Deshalb sei es wichtig, mit den vorhandenen Ressourcen haushälterisch umzugehen.

Vorerst gebe es noch ausreichend Tests. Die Kapazität liegt derzeit bei rund 1000 Tests pro Tag. Für Koch ist es absehbar, dass nicht mehr alle Verdachtsfälle getestet werden können.

(sda — rap)