M+, das neue Museum für visuelle Kultur in Hongkong, will fotografische Arbeiten des chinesischen Künstlers Ai Weiwei nicht mehr an seiner Eröffnungsausstellung zeigen. Nun setzt sich der chinesische Künstler auf der Kunst-Plattform «Artnet» zur Wehr.

Problem: Stinkefinger von Aiweiei

Stein des Anstosses an den Arbeiten Ai Weiweis sind offenbar Bilder, auf denen der Künstler auf dem Tiananmen-Platz in Peking und weiteren politisch oder kulturell aufgeladenen «Strukturen» den Mittelfinger zeigt.

An vielen Orten der Welt seien solche Aktionen möglich, in Hongkong aber habe das von Chinas Zentralregierung im vergangenen Jahr verabschiedete «Gesetz zur nationalen Sicherheit» das «lokale politische Umfeld fast über Nacht ruiniert». Das Versprechen der chinesischen Regierung, «ein Land, zwei Systeme» zu tolerieren, sei nur mehr «Makulatur».

Besonders störend empfindet Ai Weiwei, dass sich nicht nur das M+ der Macht Chinas beugt, sondern dass sich auch Kulturinstitute wie das Centre Pompidou in Paris, das Victoria & Albert Museum oder die Tate Modern in London sich um China bemühten.

Konto-Auflösung bei der CS kein Zufall

Dass die Credit Suisse unlängst das Konto Weiweis aufgelöst hat, hält der Künstler für keinen Zufall: Wie Weiwei schreibt, sei ihm von der Credit Suisse mitgeteilt worden, dies geschehe im «Rahmen einer neuen Politik, alle Konten von Personen zu schliessen, die vorbestraft seien.»

Weiwei ärgert sich, dass die Schweizer Banker den Vorwurf nicht überprüften. Er sei nie «formell angeklagt worden, geschweige denn wegen eines Verbrechens verurteilt worden», schreibt der Künstler. Und weiter: «Als das Pekinger Regime mich verhaftete und meinen Namen in den Schmutz zog, wandte es lediglich seine üblichen Methoden zur Verfolgung politischer Gegner an.»

Weiwei ist überzeugt: Bei den Entscheidungen gehe es dem Museum wie der Credit Suisse um dasselbe – «China zu umgarnen».

(sas)