Pinot noir, Merlot, Cabernet Sauvignon, Syrah, Nebbiolo. Die Aufzählung hochwertiger Rotweinsorten, aus denen grosse Weine gekeltert werden, könnte beliebig verlängert werden. Viele von ihnen werden längst nicht mehr nur in ihren Herkunftsgebieten kultiviert, sondern rund um den Globus. Daneben existieren aber auch hochwertige, kaum bekannte rote Rebsorten, die aus verschiedenen Gründen den grossen Karrieresprung zur interna­tionalen Sorte nie geschafft haben und lediglich in ihrer Ursprungsregion die ihnen gebührende Wertschätzung erhalten.

Eine von diesen Sorten ist der auf der Mittelmeerinsel Zypern heimische Maratheftiko. Zusammen mit mehr als einem Dutzend weiterer autochthoner weisser und roter Rebsorten gehört der Maratheftiko zu Zyperns altem, wertvollem Rebbauerbe, das aber in den Zeiten des mengenorientierten Weinbaus im letzten Jahrhundert auszusterben drohte.

Der Maratheftiko macht es den Winzern nicht leicht

Es ist das Verdienst des im vergangenen Jahr verstorbenen Önologen und Winzers Akis Zambartas, wesentlich dazu beigetragen zu haben, dies zu verhindern. Während dreier Jahre hat er in bestehenden Weinbergen kaum mehr angebaute Rebsorten ausfindig gemacht und mit diesen einen Versuchsweinberg angelegt. Mit Mikrovinifizierungen wurde dann das Potenzial der verschiedenen Sorten ausgelotet. Dabei ist Zambartas zur Ansicht gelangt, dass der Maratheftiko, der auch Vamvakada genannt wird, die hochwertigste rote Rebsorte Zyperns ist.

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Diese Einschätzung teilen neben Zambartas’ Sohn Marcos, der heute die Zambartas Winery in Agios Amvrosios leitet, auch andere zypriotische Spitzenwinzer. Dabei macht es der Maratheftiko den Winzern nicht leicht. Er ist nicht selbstbestäubend, im Gegensatz zu praktisch allen anderen Rebsorten. Deshalb muss er zusammen mit mindestens einer anderen Sorte gepflanzt werden, welche die Bestäubung übernimmt. Zudem gehört es zur Eigenart der Maratheftiko-Rebe, dass nach der Blüte viele Triebe abfallen, später aber wieder nachwachsen. Die Folge von all dem: uneinheitlich befruchtete, unterschiedlich schnell ausreifende Trauben – und unregelmässiger Ertrag.

Zukunftsträchtig trotz Kapriolen

Alle diese Kapriolen verzeihen ihm die Qualitätswinzer. Denn sie sind sich einig, dass die Zukunft des Weinbaus auf Zypern bei den einheimischen Sorten liegt, allen voran beim weis­sen Xynisteri und beim roten Maratheftiko.

Noch zu Beginn der Qualitätsrevolution in den 1990er-Jahren setzten die ambitionierten Weinproduzenten auf französische Sorten mit internationaler Ausstrahlung wie Chardonnay, Sauvignon blanc und Viognier bei den weissen Varietäten und Syrah, Merlot, Cabernet Sauvignon und Mourvèdre bei den roten. «Unsere einheimischen Sorten hatten keinen besonders guten Ruf, weil aus ihnen schlechte Weine gekeltert wurden», erklärt Costas Tsiakkas, der 1992 seinen Job als Bankdirektor an den Nagel hängte, um sich in seiner auf 1000 Höhenmetern gelegenen Kellerei dem Weinbau zu widmen. «Um der Weinwelt zu beweisen, dass wir auf Zypern auch fähig sind, gute Weine zu erzeugen, war es zu Beginn nötig, auf internationale Sorten zu setzen und daneben Schritt für Schritt das Potenzial unserer einheimischen Sorten auszuloten. Heute sind sie es, die im Fokus unseres Interesses und unserer Bemühungen stehen.»

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Rote Vorzeigeweine Zyperns

Bei den roten Varietäten sind dies neben dem Maratheftiko, der Lefkada und der Yiannoudi. Während Letztere beide meist mit internationalen Sorten assembliert werden, wird der Maratheftiko in der Regel reinsortig abgefüllt. Die Verkostung der verschiedenen Gewächse der Top-Kellereien hat die bereits hochgesteckten Erwartungen noch übertroffen. Da verbinden sich saftige Stoffigkeit und noble Tannine mit einer vielschichtigen Aromenpalette von reifen, aber nicht überreifen schwarzen und roten Früchten, duftigen Kräutern und verführerischen floralen Noten zu ­einem harmonisch ausbalancierten und eigenständigen Ganzen.

Kein Zweifel: Die Maratheftikos sind die roten Vorzeigeweine Zyperns, die in jeden gut assortierten Weinkeller gehören. Zu kräftigen Fleischgerichten, Wildspezialitäten oder würzigen Käsen serviert, werden diese raren, auch in der Schweiz zu vernünftigen Preisen erhältlichen Edelgewächse höchsten Trinkgenuss bereiten.

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Folgende Kellereien erzeugen hervorragende Maratheftiko-Weine: Argyrides/Vasa, Ezousa, Makkas,Tsiakkas, Zambartas. Erhältlich bei: www.paphosweine.ch