Gemäss der 61 Seiten umfassenden Anklageschrift soll Oskar Holenweger in Korruptionsfälle des französischen Industriekonzerns Alstom verwickelt gewesen zu sein. Über Offshore-Gesellschaften soll der frühere Eigentümer der Tempus-Bank zunächst fiktive Rechnungen an Alstom gestellt haben, um damit schwarze Kassen zu äufnen.

Die Gelder soll er dann im Auftrag des Konzerns zur Bestechung an Dritte weitergeleitet haben - unter anderem an einen brasilianischen Amtsträger. Für diese Handlungen soll Holenweger laut Bundesanwaltschaft (BA) mit einem Prozentsatz der überwiesenen Gelder entschädigt worden sein, insgesamt rund einer Million Franken.

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Weiter wirft die Anklage dem 67-Jährigen vor, 2003 vom verdeckten Ermittler "Diemer" angebliche Drogengelder über 834'000 Euro entgegengenommen zu haben. Laut BA hat sich Holenweger der Urkundenfälschung, der Gehilfenschaft zu ungetreuer Geschäftsbesorgung, der qualifizierten Geldwäscherei und der Bestechung fremder Amtsträger schuldig gemacht.

Keine Ramos-Akten

Mit dem Prozess in Bellinzona kommt es mehr als sieben Jahre nach Beginn der Untersuchung doch noch zur gerichtlichen Beurteilung der Affäre Holenweger. Vergeblich sucht man in der Anklageschrift einen Hinweis auf den V-Mann Ramos, der Holenweger ursprünglich der Wäsche von Drogengeld bezichtigt haben soll.

Holenwegers Verteidigung hatte verlangt, dass die Ramos-Akten ins Verfahren einbezogen werden. Die fraglichen Dokumente wurden dem Gericht schliesslich aber nicht zugänglich gemacht. Man darf gespannt sein, ob sich das Fehlen der Ramos-Akten auf die Beurteilung des Falles auswirken wird.

In ihrer Anklage schildert die BA die finanzielle Situation von Holenweger und seiner Tempus-Bank im Jahr 2003 als problematisch. Auf der Suche nach möglichen Investoren sei er dann auch mit dem verdeckten Ermittler "Diemer" in Kontakt gekommen, der ihm das vermeintliche Drogengeld angeboten habe.

Der Fall Holenweger hatte zu zahlreichen "Nebenaffären" geführt. Sie gipfelten in den Wirrungen um den sogenannten "H-Plan". Die Geschäftsprüfungskommission des Parlaments hatte 2007 in Flip-Chart-Aufzeichnungen Holenwegers einen Plan zur Absetzung des damaligen Bundesanwalts Valentin Roschacher gesehen.

(sda/tno)