Meine Mutter hatte mich gewarnt, als ich Anfang der acht­ziger Jahre einen Jeep CJ-7 Renegade kaufte: «Blödsinn, du lebst ja nicht in der Wüste.» Aber im Berner Oberland. In Thun. Dort, wo damals noch Fussball als Hobby gespielt wurde. Wo man zum Zmittag noch Hausmannskost oder ­Pizzen vom echten Italiener gegessen hat. Wo die Berge bei schönem ­Wetter zum Greifen nah waren. Dort brauchte man Allrad­antrieb.

Also einen Jeep. Ein knapp vier Meter langes Gefährt, das höher aufragte als die Wohnwand meiner Mutter. Vor Wind und Wetter schützte eine Blache, der 5-Liter-V8 übertönte die Schüsse auf dem Thuner Waffenplatz, das harte Fahrwerk machte das Kopfsteinpflaster in der Altstadt zum Offroad-Parcours und die Tankstelle zum Treffpunkt. Doch wenn die Sonne schien, wurde der Ami zum coolen Cabrio.

Und jetzt sitze ich im neusten Jeep Renegade. Der ist grös­ser, komfortabler, moderner und durch und durch vernünftig. Allrad gibts, muss aber nicht sein. Die Motoren (Diesel und Benziner) leisten zwischen 110 und 170 PS, das Schalten erledigt eine Neun-Gang-Automatik. Zumindest auf dem Papier wurde der Verbrauch bis auf 4,6 Liter gesenkt. Damit schaffte ich mit dem CJ-7 gerade mal den Weg von Thun nach Bern.

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Keine Frage, der neue Jeep Renegade kann alles viel besser als seine Urahnen. Nur etwas nicht: ein echter Jeep sein und Emotionen wecken. Denn der neue Renegade basiert auf dem Fiat 500L und wird in Italien gebaut. Da nützen alle Beteuerungen der Amerikaner nichts. Und was meint meine noch immer in Thun lebende Mutter zum Italo-Renegade? «Der ist aber härzig.»

Fazit: «Härzig» passt zu einem Cinquecento, nicht zu einem Renegade!

Motoren: Drei Benziner und drei Diesel mit 110 bis 170 PS, 0 auf 100 km/h: 8,9 bis 11,8 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit: 178 bis 196 km/h, CO2-Ausstoss: 115 bis 151 Gramm, Preis: ab 28 150 Franken