Die bisher erhältlichen Elektrofahrzeuge stiessen aus verschiedenen Gründen auf wenig Gegenliebe. Die härtesten Kritikpunkte: Sie kosten zu viel, sind zu klein und unbequem, haben immer noch eine viel zu geringe Reichweite und wecken mit ihrem biederen Design kaum Emotionen. Salopp ausgedrückt: E-Autos sind nicht sexy und bislang auch keine Statussymbole.

Das liegt vor allem daran, dass ihre Hersteller meist bereits existierende Modelle auf einen Elektromotor umrüsten, ohne mit dem Design deutlich zu machen, dass hier ein Auto mit komplett neuer Technik anrollt. Trotzdem ist dieser Wagen dann 10 000 bis 20 000 Franken teurer als sein Pendant mit Verbrennungsmotor. Eine solche Modellstrategie hält die Begeisterung in Grenzen.

BMW geht neue Wege

BMW hingegen will dies deutlich ändern, und zwar mit seiner neuen i-Reihe, die ausschliesslich Elektro- und Hybridfahrzeugen vorbehalten ist. Das Marketing der Bayern hat erkannt, dass Kunden für ein teures Autos (i3 ab 39 950, i8 ab 162 200 Franken) ausser neuer, modernster Technik auch noch etwas haben wollen, mit dem sie auffallen und damit die Botschaft «Wir fahren etwas wirklich Neues» wirkungsvoll auf die Strasse tragen können. BMW hat sich deshalb für eine völlig neue, gewagte Formensprache entschieden, mit der sich seine Elektrofahrzeuge deutlich von allen übrigen Autos im Strassenbild abheben.

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Vorerst sind zwei i-Modelle lieferbar, der kleine, hauptsächlich für den Agglomerationsverkehr gedachte i3 mit reinem Elektroantrieb (als Option mit Reichweiten-Verlängerer) sowie der i8, ein Sportwagen der Superlative. Für die Gestaltung der Karosserie des i3 waren den Designern noch Grenzen gesetzt. Eine würfelartige Form drängte sich auf, weil auf kleinem Platz möglichst viel Raum geschaffen werden sollte. Um dem Auto dennoch eine ins Auge stechende Form zu geben, wurde die Anordnung der Scheiben neu gestaltet, ebenso Front und Kühlergrill.

Designer konnten schalten und walten

Für den i8 jedoch durften die Designer ihrer Phantasie freien Lauf lassen. Der extrem flache, aerodynamisch gestreckte Karosseriekörper, der schmale Kühlergrill und die nach oben aufschwingenden Flügeltüren geben dem E-Auto ein extrem auffälliges Äusseres. Die nach hinten elegant geschwungene Dachlinie, die als kleiner Flügel über den stark ausgeformten Radkästen endet, unterstreicht die Dynamik des Designs zusätzlich.

Nicht erkennbar, aber entscheidend für die Eigenschaften des Wagens ist die Art des Mate­rials, aus dem die Karosserie des Supersportlers geformt wird. Erstmals wird für ein Serienfahrzeug Karbon in grösserem Umfang eingesetzt. Es verstärkt nicht nur die mehrheitlich aus Alumi­nium bestehende Karosseriestruktur, mit Karbon lässt sich auch Gewicht sparen. Das Kohlenstoffmaterial wird in einem komplizierten Produk­tionsverfahren auf den Aluminiumrahmen der Fahrgastzelle aufgeklebt. BMW nennt diesen ­Bereich Life-Modul.

131 PS Leistung

Im Drive-Modul sind die beiden Antriebe untergebracht. Das Elektroaggregat mit einer Leistung von 131 PS treibt die Vorderräder an, der mit einem Turbo aufgeladene 1,5-Liter-Reihendreizylinder gibt 231 PS auf die Hinterräder ab, was einer Systemleistung von 362 PS entspricht. Rein elektrisch lassen sich immerhin 37 Kilometer fahren. Die Reichweite mit beiden Antriebssystemen beträgt gegen 600 Kilometer.

Mittels Plug-in-Hybrid-System kann die Hochvoltbatterie an Schnellladestationen oder an modifizierten Haushaltssteckdosen aufgeladen werden. Ausserdem nimmt sie beim Bremsvorgang neue Energie auf. Im EU-Fahrmodus wird der Benzinverbrauch mit (theoretisch) 2,1 Litern angegeben, der CO₂-Ausstoss mit 49 Gramm/Kilometer.

Der Preis des BMW i8 liegt im Bereich eines Porsche 911 Turbo oder anderer hochpreisiger Sportwagen. Für die Bayern ist er Aushängeschild für ein neues automobiles Zeitalter, in dem sich sportliche Fahrwerte und Umweltverträglichkeit nicht ausschliessen.

Der BMW i8 in der Schweiz

Verkäufe: Über die Zahl der Immatrikulationen macht BMW keine Angaben. Es heisst lediglich, in der Schweiz seien rund ein Dutzend i8 eingelöst. Und die Gesamtproduktion für 2014 sei ausverkauft. Zusätzliche neue Fahrzeuge könnten erst 2015 wieder geliefert werden.

Gewicht: Karbon macht es möglich. Der Supersportler wiegt knapp 1500 Kilo.

Beschleunigung: In 4,4 Sekunden gehts auf Tempo 100, trotzdem liegt der Normverbrauch bei nur 2,1 Liter/100 Kilometer.