Die gestrige Sonntagnacht werden Heliane und Ancillo Canepa nie mehr vergessen. Ein sportlicher Höhepunkt ist der Schweizer-Meister-Titel im Fussball allemal, vor allem aber ist er die finanzielle Rettung. Denn die letzten Jahre haben an der Substanz des Clubs und damit der Familie Canepa gezehrt – und sie haben die Betriebsverluste des Clubs wieder anschwellen lassen.

2017 lag das Defizit bei 2 Millionen Franken, 2018 ebenso. Dann aber kam Corona und riss tiefe Löcher, locker das Doppelte von zuvor. Die Dramatik in den Büchern ist an den Zuschauerzahlen abzulesen. Statt der 200’000 Gäste wagten sich 2019/2020 noch 116’098 ins Stadion, in der Saison 2020/21 waren es 1645 Versprengte.

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Mit den Geisterspielen dürften die kumulierten Verluste der letzten 5 Jahre wohl auf gegen 10 Millionen angestiegen sein. So wird auch verständlich, weshalb Ancillo Canepa, der stets auf seine Unabhängigkeit pochte, beim Bund einen günstigen Corona-Kredit nachsuchte. «Wir haben keine Einnahmen aus dem Spielbetrieb, aber Fixkosten und gegen 200 Mitarbeitende auf der Lohnliste», meinte er vor zwei Jahren.

Wie es nach diesen finanziellen Rückschlägen der Familienkasse genau geht, weiss man nicht, denn die Betriebsgesellschaft FC Zürich AG ist eine Blackbox. Oder die Familienschatulle der fussballbegeisterten Familie Canepa, der mittlerweile fast 100 am Prozent der Clubaktien gehören.

Nach den Verlusten der letzten Jahre dürfte das Familienvermögen mittlerweile bei geschätzten 40 Millionen liegen. In den besten Zeiten, also vor dem Einstieg ins Fussballgeschäft, lag es noch bei 80 bis 90 Millionen.

Das Geld haben die beiden Fussballpassionierten nicht durch Erben angehäuft, sondern durch harte Arbeit. Ancillo Canepa war Partner bei der Beratungsfirma Ernst & Young und leitete dort die Prüfdivision, Heliane war jahrelang Chefin der Implantatefirma Nobel Biocare. Sie verdiente damals ein Salär von 2 Millionen, doch was einschenkte, waren ihre Aktien, die sie zum Teil auf Kredit kaufte oder als Honorar zugeteilt bekam. In ihrer fulminanten Zeit schoss der Kurs der Medtechfirma von 10 auf 80 Franken, nach ihrem Abgang gings steil südwärts. Schliesslich dürfte sie unter dem Strich beim Implantatehersteller 70 Millionen Franken verdient haben.

Mit dem Meistertitel kommt nicht nur Stimmung auf den Fussballrasen, sondern auch in die Kasse. Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf werden ansteigen, dito aus dem Sponsoring. Und wenn es gut kommt, wird auch die eine oder andere Million aus den Qualifikationsspielen für die Champions League für weitere finanzielle Entlastung sorgen.

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