Haben Medien Macht? Wenig, wenn man die Noten der Medienmacher mit jenen der Politiker und Wirtschaftskapitäne vergleicht: «NZZ»-Chef Hugo Bütler, die Nummer eins in der Kategorie der mächtigsten Medienschaffenden, kommt auf Note 5,68, SVP-Mann Ueli Maurer, zum Vergleich, schafft es auf 8,22, Novartis-Chef Daniel Vasella gar auf 9,1. Dies macht deutlich, wo die BILANZ-Jury die Leute mit echtem Einfluss sieht. Hinter dem Befund steckt vielleicht ein Trend. Denn beim letzten BILANZ-Machtrating erhielten die Medienmacher klar bessere Noten als dieses Jahr: Hugo Bütler hatte Note 7,44, «Blick»-Chefredaktor Werner de Schepper 7,42 (heute: 5,40), «Tages-Anzeiger»-Chefredaktor Peter Hartmeier 6,77 (neu: 5,14).

Es fällt auf, dass vor allem die Chefredaktoren auf die vorderen Plätze kommen, Starpublizisten haben es schwerer. Der spitzen Feder allein gesteht man weniger Einfluss zu als den Frauen und Männern, die den Inhalt der Medien bestimmen. Das hat auch damit zu tun, dass prominente Autoren in der Schweiz selten sind. Frank A. Meyer, Chefpublizist von Ringier, schafft es immerhin auf den fünften Rang – vor Ingrid Deltenre, der man als Direktorin des Schweizer Fernsehens DRS einige Macht zugestehen müsste. Verleger haben es traditionell schwer, immerhin kommt Pierre Lamunière auf Rang vier – mit seiner Edipresse hat er in der Romandie ein Quasimonopol.

René Lüchinger, Jury-Mitglied

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Bütler Hugo (60, CH)
Chefredaktor «NZZ»
«Die ‹NZZ› ist als Schöpfung der Zürcher Aufklärung eine Zeitung mit geistiger Tradition. Als solche gehört sie in gewisser Weise zum Kulturgut der Willensnation Schweiz.» Das schrieb Hugo Bütler im Vorwort zur «Geschichte der NZZ», die Anfang Jahr zum 225. Geburtstag des Hauses erschienen ist. Dieses Credo macht den dienstältesten, seit zwei Jahrzehnten amtierenden Schriftleiter zum einflussreichen Chefredaktor und sein Blatt zur einzigen publizistischen Stimme des Landes, die bis ins Ausland ausstrahlt. Note 5,68

2 (2)
De Schepper Werner (39, CH)
Chefredaktor «Blick»
Der Chefredaktor des nationalen Boulevardblattes verbindet locker die Pose des Missionars mit der Kampfeslust des Provokateurs. Das liegt dem studierten Theologen Werner De Schepper offenbar im Blut. Schon vor zwanzig Jahren, als er das Priesterseminar besucht habe, sagt er, sei er mit Vorliebe mit dem «Blick» unter dem Arm an den Nonnen vorbeispaziert. Nonnen erschreckt De Schepper heute keine mehr, dafür nimmt er mit Lust helvetische Institutionen ins Visier. Die Migros etwa, deren Preispolitik er geisselt. Die SRG, deren Spesengebaren er kritisiert. Oder die Swiss, deren Verkauf ins Ausland der gebürtige Belgier als Kapitulation empfindet. Immer spielt er dabei auf der Klaviatur der Emotionen, so als wäre er der Oberhirte dieses Landes. Aus dieser Quelle schöpft der Chef die Kraft für seine Mission und der «Blick» seinen publizistischen Einfluss. Note 5,40

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3 (3)
Hartmeier Peter (52, CH)
Chefredaktor «Tages-Anzeiger»
Als grosser Kommentator des Lokal- und des Weltgeschehens ist Peter Hartmeier nicht in Erscheinung getreten. Seinen Einfluss generiert er vielmehr kraft seiner beruflichen Position als Chefredaktor des Zürcher «Tages-Anzeigers», und das «Millionen-Zürich» ist auch der Fixpunkt seines Wirkens. Mittels Regionalsplits will er seinen publizistischen Einfluss nun an den Rändern der Stadt behutsam ausweiten. Dies erscheint unspektakulär, aber konsequent: Die Zeiten der Grossmachtsträume sind im Hause Tamedia endgültig vorbei. Note 5,14

4 (14)
Lamunière Pierre (55, CH)
Verleger Edipresse
Persönlich ist der Westschweizer Verleger Pierre Lamunière in der Deutschschweiz kaum bekannt. Zu Unrecht: Zu seiner Edipresse gehören die auflagestärksten Titel der Romandie («Le Matin», «24 heures»), die einzige überregionale Zeitung vor Ort («Le Temps») sowie das BILANZ-Schwesterblatt «Bilan». Dies macht Lamunière zum Quasimonopolisten in der Westschweiz. Der Mann ist jedoch auch einer der wenigen Schweizer Verleger, die im Ausland reüssieren: In Spanien ist er die Nummer zwei im Zeitschriftenmarkt, und in Osteuropa hat er mehrere bunte Blätter lanciert. Note 5,13

5 (7)
Meyer Frank A. (61, CH)
Publizist Ringier
«Viel Feind, viel Ehr» lautet das Sprichwort, und im Fall des Ringier-Chefpublizisten stimmt die Gleichung: Frank A. Meyer hat Otto Stich bekämpft, Christoph Blocher oder Thomas Borer, im Hause Ringier, dem grössten Schweizer Verlag, geben sich die Chefredaktoren die Klinke in die Hand, und nur einer bleibt: Frank A. Meyer. Aber bedeutet das auch viel Einfluss für einen, der in jungen Jahren Gedichte schrieb? Die Antwort ist simpel: Der Nimbus des Frank A. Meyer nährt sich daraus, dass dies keiner so genau weiss. Note 5,11

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6 (5)
Rothenbühler Peter (56, CH)
Chefredaktor «Le Matin»
Der ehemalige Chefredaktor der «Schweizer Illustrierten» ist der einzige in der Westschweiz tätige Journalist, der diesseits des Röstigrabens überhaupt zur Kenntnis genommen wird. Das deshalb, so geht die Kunde in Lausanne, weil er fern der Medienmetropole Zürich auf der Kommandobrücke von «Le Matin» offenbar einen guten Job macht. Und nicht nur dies: Auch bei seinen gelegentlichen Auftritten beim Lokalsender Tele Züri und als «Weltwoche»-Kolumnist macht Peter Rothenbühler journalistisch eine gute Figur. Note 5,07

7 (8)
Leutenegger Filippo (52, CH)
VR und CEO Jean Frey AG
Der ehemalige «Arena»-Dompteur ist ein Wanderer zwischen den Welten: Als FDP-Nationalrat politisiert er bei manchem politischen Thema am rechten Rand des Freisinns und flirtet bisweilen mit SVP-Positionen. Als VR-Delegierter des Zürcher Jean Frey Verlags steht er den Medienprodukten «Weltwoche», «Beobachter», «TV-Star» und BILANZ vor. Das garantiert Leutenegger eine hohe politische und mediale Visibilität – in der Mediengesellschaft eine Voraussetzung für politischen Einfluss. Note 5,04

8 (11)
Deltenre Ingrid (44, NL)
Direktorin SF DRS
Seit rund 18 Monaten im Amt, hat sich Ingrid Deltenre vom Vorgänger Peter Schellenberg abgesetzt. Im Gegensatz zum langjährigen Fernsehboss ist jetzt keine Ex-Journalistin mehr am Werk, sondern eine Frau, die ihren Job als TV-Managerin interpretiert mit starker Affinität zu kommerziellen Belangen. Mit zwei Kanälen und zwei Programmen, modernen Formaten wie «MusicStar» oder «Deal or No Deal» zeigt sie den Willen, den Kampf um die Quote gegen die privaten ausländischen Anbieter aufzunehmen. Note 5,00

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9 (12)
Lebrument Hanspeter (63, CH)
Herausgeber «Südostschweiz»
Er verströme den «herben Charme eines Patriarchen», urteilt das Gewerkschaftsblatt «Work», «der seine Interessen auf Teufel komm raus durchsetzen will». Dies tut Hanspeter Lebrument in seinem eigenen Laden als Mehrheitsaktionär und Verleger der «Südostschweiz» und für die gesamte Schweizer Medienbranche als Präsident des Verbandes Schweizer Presse. Seine politischen Forderungen atmen die Luft des streitbaren freien Unternehmers: keine gesetzlichen Werbeverbote, keinen Branchen-GAV. Note 4,86

10 (4)
Haldimann Ueli (51, CH)
Chefredaktor SF DRS
Als Chefredaktor des Schweizer Fernsehens agiert Ueli Haldimann hinter der Kamera und damit für die mediale Öffentlichkeit weitgehend unsichtbar. Der oberste Chef der Informationssendungen der staatlichen Anstalt wie «Tagesschau» und «10 vor 10» gebietet jedoch über die grösste und wichtigste Informationsmaschinerie des Landes; sie wird von der Bevölkerung genutzt wie keine zweite. In Haldimanns Hand liegen damit TV-Formate, die wesentlich zur politischen Meinungsbildung in der Schweiz beitragen. Note 4,76

11 (16) de Weck Roger (51, CH)
Publizist
Note 4,68

12 (6) Durisch Andreas (50, CH)
Chefredaktor «SonntagsZeitung»
Note 4,60

13 (–) Roth Jean-Jacques (49, CH)
Chefredaktor «Le Temps»
Note 4,56

14 (17) Kappeler Beat (58, CH)
Publizist
Note 4,41

15 (18) Kall Martin (44, D)
CEO Tamedia
Note 4,02