Der Kunstmarkt funktioniert zyklisch. Das gilt ganz besonders für die Kunst der Moderne. Alle drei, vier Jahrzehnte wird versucht, mittlerweile historisch gewordenes Material neu zu bewerten und zu vermarkten. Nach dem Surrealismus und dem Informel wird nun seit einigen Jahren die Zero-Kunst wieder lanciert.

Die Zero-Gruppe, als deren geistige Vorbilder Lucio Fontana, Yves Klein und Piero Manzoni gelten, existierte nur rund zehn Jahre, von 1957 bis 1966. Im Zentrum der internationalen Bewegung standen die Besinnung auf die reine Farbe, die dynamische Lichtwirkung und optische Impulse: Quasi die Verschmelzung der monochromen Farbe im absoluten Licht.

Karge Zero-Kunst

Nach der Trennung der Gruppe waren bei Museen wie auch auf dem Kunstmarkt zunächst die Pop-Art und der politisch konnotierte Neue Realismus gefragter als die glitzernde, aber ansonsten etwas karge Zero-Kunst. Während nach der Jahrtausendwende zunächst nur die geistigen Väter Rekordpreise vor allem auf Londoner Auktionen erzielten, haben nun auch die eigentlichen Zero-Vertreter Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker nachgezogen.

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Sie gelten mittlerweile als die vielleicht bedeutendste Künstlergruppe der Nachkriegszeit. So erstaunt es nicht, dass die Preise in den letzten Jahren stark gestiegen sind und auffällig viele Werke den Weg in ausländische Sammlungen finden. Die Preise für Unikate von Otto Piene und Heinz Mack bewegen sich heute im fünfstelligen, seltener auch im sechsstelligen Bereich, für Günther Uecker im sechs- bis siebenstelligen Bereich. Dabei handelt es sich stets um Werke aus der ­Zero-Epoche der Künstler. Das Auktionshaus Ketterer in München hat allein in der Juni-Auk­tion dieses Jahres 120 Arbeiten aus dem Feld der Zero-Kunst aufgerufen.

Bis zu 1,5 Millionen Euro

Die beiden Top-Zuschläge (1,5 Millionen Euro für Günther Ueckers Nagelbild «Hommage à Paul Scheerbart» und 1,2 Millionen Euro für Lucio Fontanas «Concetto spaziale, Attesa» – beide aus den 1960er-Jahren) führen denn auch die Top-Zuschläge der deutschen Auktionshäuser im ersten Halbjahr 2015 an. Mit Auflagenobjekten wie Serigrafien und Lithografien werden Umsätze im drei- und vierstelligen Bereich hauptsächlich auf Auktionen und in Galerien im deutschsprachigen Raum gemacht.

Internationale Übersichtsschauen sorgen dafür, dass die Zero-Bewegung ihren Siegeszug fortsetzt. Nach den grossen Ausstellungen im Guggenheim Museum in New York sowie im Martin-Gropius-Bau in Berlin diesen Sommer ist im Stedelijk Museum Amsterdam mit «Zero: Let Us Explore the Stars» noch bis zum 8. November 2015 eine weitere grosse Schau zu sehen, und das Ulmer Museum präsentiert noch bis zum 10. Januar 2016 die umfangreiche Sonderausstellung «Mack. Das Licht meiner Farben» mit vorwiegend neueren Arbeiten.

Von Istanbul nach Berlin

Anlässlich der 14. Istanbul-Biennale zeigt die Zero Foundation zudem als Premiere die bisher erste Zero-Ausstellung in der Türkei. Bis zum 4. Januar 2016 werden im Sakip Sabanci Museum in Istanbul rund 100 Arbeiten von Künstlern der Zero-Kerngruppe präsentiert – darunter Heinz Mack, Otto Piene, Günther Uecker, Yves Klein, Jean Tinguely und Piero Manzoni. Zudem werden erstmals wieder die Tische und Kuben gezeigt, mit denen Günther Uecker 1970 den deutschen Pavillon der Biennale di Venezia bestückt hatte.

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Neben historischen Werken zu den klassischen Zero-Themen Licht, Vibration, Bewegung, Raum und Zeit sind auch zeitgenössische Arbeiten zu sehen, etwa die bunten «Inflatables», die Otto Piene 2014 für seine Ausstellung in Berlin konzipiert hatte. Imposant sind auch die neun goldenen Stelen, die Heinz Mack anlässlich der Architektur-Biennale in Venedig 2014 gezeigt hat: Mit mehr als 850'000 goldenen Mosaiksteinen überzogen, bieten die 7,5 Meter hohen Pfeiler am Tag und in der Nacht ein faszinierendes Lichtspiel.