Das Selbstporträt gehört heute für weibliche Fotografen zum guten Ton. Cindy Sherman und Francesca Woodman haben es vorgemacht. Mittlerweile ist das Selbstporträt fast ein Initiationsritus bei den Fotografinnen geworden, die immer gewagtere und explizitere Versionen des Genres kreieren. Jun Ahns selbstmörderisch anmutende Selbstporträts stellen eine besonders beunruhigende, aber durchaus fesselnde Erweiterung dieser Tradition dar. Sie sind paradox in ihrer Wirkung, lassen sie doch das Gefühl aufkommen, man habe es mit einer Göttin oder Superfrau zu tun, aber gleichzeitig auch mit der Verletzlichkeit eines unschuldigen Mädchens.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Jun Ahn begann ihre Serie von Selbstporträts, als sie noch Kunstgeschichte an der University of Southern California studierte. Danach absolvierte sie ein zweijähriges weiterführendes Studium in Fotografie am Pratt Institute New York. Für Jun Ahn ist die Beseitigung des Kontexts der faszinierendste Aspekt des fotografischen Bildes. Fotografie ist Realität und Phantasie, Wahrheit und Fiktion zugleich. Sie will die unsichtbaren Momente, die unsichtbare Struktur und versteckte Schönheit einer Welt entdecken, die nur durch die Linse der Kamera sichtbar ist. Für sie findet die Welt dort statt, wo Illusion und Wirklichkeit aufeinandertreffen, und Fotos sind das ideale Medium, um eine Illusion in die Realität zu übertragen. So beschreiben ihre fotografischen Arbeiten unseren Alltag an der Grenze zwischen Illusion und Realität. Deshalb sind ihr Körper und ihr Blick stets gefährlich nahe am Abgrund. Der Moment der Erregbarkeit, des Augenblicks überträgt sich so unmittelbar auf den Betrachter.

 

Christophe Guye Galerie, Zürich: 9.10. bis 22.11.2014