Fast 3000 bestätigte Fälle und 80 Todesopfer veranlassen die chinesischen Behörden zu drastischen Massnahmen im Kampf gegen das neue Coronavirus. Ganze Städte werden unter Quarantäne gestellt und Reisen ins Ausland sind für Chinesen nur noch eingeschränkt möglich.

Weil das Virus – anders als beispielsweise Sars – schon während der symptomlosen Inkubationszeit ansteckend ist, könnte die Verbreitung schon viel weiter fortgeschritten sein, als die Zahl der bestätigten Fälle vermuten lassen würde.

Börsen und Öl im Minus, Gold im Plus

Vor diesem Hntergrund überrascht es kaum, dass am Montag besonders in Asien die Börsen tief ins Minus gefallen sind. «Alles, was die Anleger sehen, sind Schlagzeilen über das Coronavirus, was Investoren veranlasst, zu verkaufen», sagte Takeo Kamai von CLSA in Tokio zur Nachrichtenagentur Reuters.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index fiel um 2 Prozent und die Börse in Shanghai gab um 2,8 Prozent nach. Spekulationen auf eine geringere Nachfrage aus China schicken zudem auch die Preise zahlreicher Rohstoffe auf Talfahrt. Die Ölsorte Brent aus der Nordsee verbilligt sich um 2,25 Prozent auf 59,38 Dollar je Barrel und Kupfer um 1,6 Prozent auf 5832 Dollar je Tonne (Stand 7:40 MEZ). Gold, Franken und andere «sichere Häfen» legten dagegen zu.

Der Goldpreis stieg am Montag auf 1586,43 Dollar pro Feinunze, den höchsten Stand seit der USA-Iran-Krise vor drei Wochen. Der Euro fiel zum Franken auf 1,0692 Franken und damit auf den niedrigsten Stand seit fast drei Jahren.

Auch einzelne Firmen ergriffen wegen des Virenausbruchs Massnahmen. Eine Aufstellung der Wirtschaftsagentur Bloomberg listet globale Konzerne wie McDonald's, Disney und Honda, die von der Krankheit in China betroffen sind.

  • Honda evakuiert seine japanischen Mitarbeiter aus Wuhan.
  • Auch Autohersteller PSA holt das Expat-Personal aus Wuhan.
  • Walt Disney schloss am 25. Januar das Disneyland in Shanghai bis auf Weiteres.
  • Starbucks schloss einige seiner über 4000 Filialen in China und McDonald's schloss Filialen in fünf Städten der besonders betroffenen Provinz Hubei.
  • H&M schloss 13 Läden in der Region.
  • Ikea schloss die Filiale in Wuhan.
  • Cognac-Hersteller Rémy Cointreau reduzierte den Jahresausblick wegen dem Ausbruch.
  • Die Credit Suisse schickt ihre Angestellten in Hongkong ins Home Office, wenn sie kürzlich in Festlandchina waren.
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Keine Gruppenreisen ins Ausland 

Abgesehen von den Auswirkungen auf den Konsum und die Produktion in China selbst, sind auch Effekte im Ausland zu erwarten. So stoppte die Regierung in Peking am Montag alle Gruppenreisen ins Ausland. Das trifft die Tourismusindustrie in Ländern wie Japan, wo Chinesen einen grossen Anteil am Gesamttourismus ausmachen. 

In Japan sorgte ein Geschäft im Touristenort Hakone für Aufsehen, weil der Besitzer aus Angst vor einer Ansteckung keine Chinesen mehr in seinen Laden lassen wollte (siehe Bild unten).

Hakone

«Keine Chinesen in diesem Laden»: In Japan grassiert die Angst vor einer Ansteckung.

Quelle: The Asahi Shimbun via Getty Imag
Wuhan Coronavirus Map World

Eine ständig aktualisierte Übersicht über den Verlauf der Epidemie finden Sie hier.

Quelle: JHU CSSE

Modell: Wie sich ein tödliches Grippevirus von China aus über die Erde ausbreitet

Bill Gates warnte unlängst vor dem, was jetzt drohen könnte: Was geschieht, wenn eine tödliche Influenza um die Welt geht? Das Szenario finden Sie hier.

(mit Agenturmaterial)